Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1898)
- Date
- 1898-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448876--45578-2495881- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
347 der Bevölkerung Liebe und Verehrung gefunden hat. Seine akademischen Studien hat Herr Dr. Jacob Stein in Göttingen absolviert, während er in dieser Stadt als jüdischer Lehrer thätig war. Eine Anzahl sür die Volksschule verfaßter Schulbücher haben den Namen des Verstorbenen auch in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Bei seiner wegen schwerer Krankheit zu Ostern 1897 erfolgten Pensionierung hat Herr Dr. Jacob Stein den Rothen Adlerorden erhalten. Plescherr. Am 20. v. M. beging der von den Herren Paul Heppner und Moritz Lasker vor einem Vierteljahrhundert ins Leben gerufene und seit dieser Zeit von ihnen geleitete Krankenverein „n^in die Feier seines 25jährigen Bestehens, an welcher außer den vollzählig erschienenen Mitgliedern und dem Ortsrabbiner auch Herr Rabbiner Dr. Heppner- Koschmin (der Sohn des Mitbegründers) und das ehemalige Vorstandsmitglied M. Budwig-Breslau theilnahmen. Rach dem Kaisertoaste des Herrn Rabbiner Dr. Zuckermandel schilderte Herr Dr. Heppner in knappen Zügen das Werden und Entstehen des Vereins und wie derselbe trotz der manigsachen Schwierigkeiten und Hindernisse, mit denen er besonders Anfangs zu kämpfen hatte, dennoch geworden eine d'bp wh std» in des Wortes bester Bedeutung und daher auch D«piir6 nvD fürder bestehen und blühen werde. Mit innigen Segenswünschen für das fernere Gedeihen und Wachsen des Vereins und mit einem Hoch auf die Begründer und Leiter desselben schloß der Redner seine Ausführung, die allgemeine Anerkennung fand. Auf Anregung des Herrn Kantor Happ wurde alsdann für eine arme Beamtenwittwe eine Sammlung veranstaltet und so wurde das Fest zu einer wahren na® bv nra» für alle Theilnehmer an demselben. R. Myslowitz, 2. März. Nachdem es der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde abgelehnt hat, denjenigen Gemeindemitgliedern, .welche in der Berufungs-Instanz in der Staats-Einkommensteuer ermäßigt worden sind, die Kultusbeiträge, welche von denselben nach einem bestimmten Prozentsatz erhoben werden, zurückzuzahlen, haben die betreffenden Steuerzahler Klage denn Bezirks-Ausschuß auf Rückzahlung der zuvielHgezahlten Cultusbeiträge mit der Begründung erhoben, daß die Communal- und Realsteuern, welche ebenfalls nach einem bestimmten Prozentsatz von der Staatseinkommensteuer erhoben.werden, anstandslos von der Stadtgemeinde zurückgezahlt worden sind. Infolge deffen hat es der Vorstand der Synagogengemeinde vorgezogen, nicht erst die Entscheidung des Bezirksausschusses abzuwarten, sondern sich zur Zurückzahlung der zuviel erhobenen Cnltusbeiträge freiwillig bereit erklärt und die Kläger zur Zurücknahme der angestrengten Klage veranlaßt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. n Pest, 14. Febr. (Die Wohlthätigkeit der Baronin Hirsch.) Baronin Moriz Hirsch, die, wie allgemein bekannt, die Wohlthätigkeit auch in Ungarn in ausgedehntestem Maße übt und zur Unterstützung ungarischer Armen jährlich 120,000 fl. verwendet, hat nun die Absicht, ihre menschenfreundlich-segensvolle Thätigkeit auch nach einer anderen Richtung zu bethätigen. Die edle Baronin gedenkt nämlich solchen Kaufleuten und Gewerbetreibenden, die ohne ihr Verschulden in Unglück geriethen, zinsenlose Darlehen zu gewähren und die Rückzahlung in kleinen Raten zu verlangen Diese Art der Wohlthätigkeit hat sich in anderen Ländern so vortrefflich bewährt, daß die Baronin jetzt mit ihrer Vertreterin Frau Johanna Bischitz de Heves über die Einführung dieser menschenfreundlichen Institution in Ungarn eingehende Berathungen pflegt. Frankreich. 0.) Paris, 28. Febr. Im Alter von 84 Jahren ist Herr S. H. Goldschmidt, langjähriger Präsident der Alliance Isra&ite, gestorben. Der Verstorbene, der unverheirathet geblieben, war ein geborener Frankfurter und der letzte überlebende Bruder der Herren B. H. Golvschmidt und H. H. Goldschmidt. S. H. Goldschmidt war früher Theilhaber der bekannten, jetzt längst nicht mehr bestehenden Bankftrma Bischoffsheimer, Goldschmidt u. Co in London. Vor Jahren hatte er sich nach Paris zurückgezogen und seine Thätigkeit ausschließlich Werken der Gemeinnützigkeit und Wohlthätigkeit gewidmet. England. ß. London, 21. Febr. (Aus dem Londoner Ghetto-Leben.) Eine grausige Mordaffaire/die sich vor einigen Tagen in dem Ghetto-Theile des Ostends abspielte, lenkt einmal wieder die Augen des übrigen Londons uach jener „terra incognita“, die von den meisten der Westendbewohner noch immer mit der großen Scheu angesehen wird. Das Ostende des Babels an der Themse ist die Zufluchtsstätte jener russischen Juden, die das Machtwort des verstorbenen Zaren aus ihrer Heimath vertrieben hat und die in einem Lande fremdlos und hülflos den harten Kampf ums Dasein aufzunehmen gezwungen waren. Es ist ein eigenthümliches Land, dieses Ghettoland mit seinen Tausenden von Bewohnern aus dem Reiche des Zaren. Stellenweise dünkt man sich fast zurückversetzt in eine kleine russische Stadt. Selbst die englischen Postämter in diesem Stadtbezirk haben es für nöthig gehalten, in Hebräisch und jüdisch-deutscher Sprache anzuzeigen, daß sie Gelder und Sendungen für Rußland und Polen übernehmen. Es ist rührend, wenn man am Wochenschlusse gewahrt, wie die armen