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Der Israelit · 1898-03-07 · Heft 19 (7.3.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 19 (7.3.1898)
Date
1898-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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345 Der Satz im alten Testament lautet: „Du sollst dich nicht rächen und nicht nachtragen denSöhnen deinesVolkes, sondern sollst lieben deinen Nächsten, wie dich selbst." Freilich steht Matth. C. 22, 37, 38 und 33 „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüth. Dies ist das vornehmste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst." Auch der Satz von der Gottesliebe steht bekanntlich im alten Testament (V. B. M., C. 6, 5). Aber zuerst wird doch der Satz über die Nächstenliebe mit einem Zusatz angeführt, der ein schlimmes Licht auf diese — Nächstenliebe wirft. Nach der Logik, daß das Gebot dem Bruder gegenüber ein Gegengebot gegen Andersgläubige involvire — diese sonderbare Logik scheint ja hier angewendet zu werden —, kann man das Ungeheuerlichste herausdefiniren. Mit dieser Logik bringt man es fertig, in den Sätzen der heiligen Schrift: „Ihr sollt nicht stehlen, nichts verleugnen und nicht einer gegen seinen Nächsten lügen," die Erlaubniß, ja die Aufforderung zu finden: Ihr sollt aber stehlen, sollt ableugnen, sollt lügen gegen jeden Nichtisraeliten! — Und dieser Logik begegnet man heutzutage auf Schritt und Tritt. Haneberg steht nicht allein; von Hunderten gelehrter und ungelehrter Männern wird Aehnliches fort und fort behauptet, ob allen Ernstes, wiffen wir nicht, aber mir aller Consequenz, um auf diese Weise zu zeigen, wie verwerflich, wie schlecht und wie unmoralisch das mosaische Gesetz sei; um auf diese Weise die Bekenner des mosaischen Gesetzes als grundschlechte, aller Welt, aller Moral gefährliche Menschen hinzustellen, die man mit Recht mit allen — auch den unmoralischsten Mitteln, ja sogar mit — d er Nächst enl iebe im Munde bekämpfen soll. Merkwürdigerweise steht in demselben Kapitel, (Matth. C. »), in welchem der Haß gegen Feinde geboten sein soll, nach III. B. M. 13, 18 einige Sätze weiter: Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist (3. B. M., 11, 44; 19, 2.-) — Also steht doch im mosaischen Gesetz, daß man suchen muß der göttlichen Vollkommenheit nachzustreben! Nebenbei muß bemerkt werden, daß auch dieses Citat unvollkommen ist, denn es heißt an beiden Stellen: „heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott." Kann man aber vollkommen und heilig sein, wenn man schlecht gegen andere Menschen ist, im Namen Gottes schlecht gegen alle übrigen Menschen ist, die ja gewiß nach dem mosaischen Schöpfungsbericht Alle einem Schöpfer ihr Dasein verdanken? — Es ist auffallend, daß man immer die Logik über den Haufen wirft, wenn es sich um die Nächstenliebe des mosaischen Gesetzes handelt, und daß man damit zugleich den schwächsten Beweis der eigenen Nächstenliebe liefert. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Z. Berlin. In den Kreisen, welche sich dafür interessiren, ist es bereits bekannt, daß die hiesige Deutsche Bank die Gasanleihe der Stadt Wien übernommen und dadurch den Wiener Antisemitismus vor einer Katastrophe gerettet, zum mindesten aber den braven Dr. Lueger vor der unvermeidlichen Demission bewahrt hat. Andere Feinen sind in dieser Beziehung zurückhaltender gewesen, und weder in Wien ooer Berlin, noch in Paris und London konnte es den ehrwürdigen Vätern der Stadt Wien gelingen, ihre Gasanleihe unterzubringen. Einzelne Bankfirmen, wie Mendelssohn u. Comp.. verwahrten sich sogar sehr entschieden dagegen, mit der Kommune Wien irgend welche Unterhandlungen gepflogen zu haben. Nur die Deutsche Bank war nicht so zurückhaltend, und sie erntet jetzt schon den Dank dafür in den empörendsten Angriffen der Wiener Antisemiten. In einer der letzten Gemeinderathssitzungen spielte sich folgendes allerliebste Intermezzo ab: Dr. Räder interpellirt, ob die Deutsche Bank ein indisches Unternehmen und der Direktor derselben, Herr Dr. Georg Siemens, ein getaufter oder ungetanster Jude sei. Dr. Lueger: Mir ist bis jetzt keine Bank der Welt bekannt, welche getauft worden ist. Es dürsten auch dort Juden dabei sein; denn Juden sind überall dabei, überhaupt dort, wo es Geld gibt. Der Herr Interpellant möge eine judenreine Welt schaffen. Was den Herrn Dr. Georg Siemens betrifft, so muß ich bemerken, daß es Leute gibt, welche glauben, gute Arier zu sein, und dabei doch wie Juden aussehen; aber ich kenne keinen Juden, der wie ein Arier aussieht. Dr. Fochler: O ja Dr. Lueger: O nein; das gibt es nicht. Ich habe Herrn Dr. Siemens nicht ersucht, einen Taufschein vorzulegen. Nach dem Aussehen aber kann ich nur sagen, er sieht wie ein behäbiger Deutscher aus, der nicht die Spur von einem Juden hat. Uebrigens ist die Familie Siemens als christliche Familie bekannt, und es dürfte Niemand im Stande sein, irgend einen jüdischen Blutstropfen zu entdecken. Was man sich alles um des lieben Geldes willen gefallen laffen muß! Aber es wäre wirklich intereffant, zu erfahren, wie die jüdischen -Vermal-' tungsräthe und Direktoren der Deutschen Bank üinr diese Angelegenheit denken. . c, F. Z. Frankfurt a. M (Zur E m ancipation des Judenthums.) In der abgelaufemn Woche ging die Reihe der religions-philofophifchen

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