Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-03-03 · Heft 18 (3.3.1898) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 18 (3.3.1898)
Date
1898-03-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448875--45556-2495858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

m ten auf die hohe Bedeutung des Tages aufmerksam. Er faßt sich ganz kurz, da ihm nichts anderes obliegt, als das Fest einzuleiten und dann mit kräftiger Hand und nicht minder kräftiger Stimme zu dirigiren. Seine Rede klingt aus in dem begeistert aufgenommenen Kaisersalamander, an den sich das „erste allgemeine Lied" unmittelbar anschließt. Kaum war dasselbe verklungen, von der Festmusik mit rauschenden Akkorden begleitet, als sich die Augen der Eingeweihten nach der einen Ecke des Vorstandstisches richten. Dort saß der offizielle Festredner, dessen Ausführungen dem Programme gemäß, nunmehr zu erwarten waren. Wieder sausen die Schläger nieder. „Silentium! Das Wort hat Kommilitone Hohenthal!" Der Studiosus der Jurisprudenz, Kurt Hohenthal, den wir bereits aus seinem Wege nach dem Festsaal begleitet haben, war ein großer, prächtig gewachsener junger Mensch von etwa 24 Jahren. Strotzende Gesundheit blitzte aus seinen Augen und sprach aus den Formen des ganzen Körpers, die sämmtlich einen unverkennbaren Zug in's Martialische aufwiesen. Sein blondes Haar, das sich in kurzen Locken über den Scheitel wölbte, sowie der etwas dunklere Schnurrbart ließen den germanischen Typus deutlich erkennen, der überhaupt in dieser Festversammlung vorzuherrschen schien. Wie sollte es auch anders möglich sein? Hatte doch der „Verein deutscher Studenten" die Hochhaltung des unverfälschten Germanenthums auf seine Fahne geschrieben, war doch der Judenhaß, ja auch die Judenhetze eines der Lebenselemente, in denen diese Studentenvereinigung emporgedieh! Auch die Festrede, welche Kurt Hohenthal nunmehr hielt und die ihm wegen seines erfolgreichen Eifers für die Vereinssache übertragen worden war, zog ihre begeisternden und am lautesten bejubelten Gedanken aus dem Element des Judenhasses. Kurt Hohenthal wies hin auf den hohen Begriff, welchen wir mit dem Worte „Vaterland" verbinden; er bezeichnete die reine Liebe und die aufopferungsfreudige Treue gegen das Vaterland als das höchste und idealste aller Gefühle, deren die Menschenbrust fähig sei. Dann kam er mit einer in diesen Kreisen.überaus geläufigen Gedankenwendung auf jene „vaterlandslosen" Fremden zu sprechen, die den deutschen Volkscharakter durch ihren ausgesprochenen Zug zum Mammon hin vergifteten und die er, stolz auf den großen Moltke sich berufend, als das zersetzende Element in der Mitte der Völker bezeichnete. Brausender Beifall überschüttete den Redner, als er mit einem großartigen Appell zum Ausharren im Kampfe gegen „Juda" und einem donnernden Salamander auf das „Deutsche Vaterland" geschloffen hatte. Kurt Hohenthal wußte sich kaum der zahllosen Komplimente zu erwehren, die ihm nun von allen Seiten dargebracht wurden. Seine Freunde und Kommilitonen umringten ihn und schüttelten ihm glückwünschend die Hand; ein Lehrer der Hochschule, zugleich bedeutende Stütze der christlich-sozialen Partei, nannte Kurt Hohenthal schmeichelnd eine „hoffnungsvolle Kraft", auf die er sein Augenmerk wohl gerichtet halten werde. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wSeheatlieli sw di mal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindesten» zwei Boa». Preis pro Bierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder viertelsthrlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per Puchhandet verkehrt -*rch «. $. P1<i»»cker, Fetpfig, Poßplatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die 4spalrige Petitzelle oder deren Raum. Preis d« Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Dtrecte Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 st. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Mae «ststseadaader aa »t* «edattioa eiagesaadtea Maaaseriptea stadet nicht statt, ataa bittet deshalb, stch doa allen «iafeadaagea eine Copie zarückzabehaltea. Jahatt (Haaptblatt). Leitender Artikel: Die Anklage Haman's. Von Rabbi S. W. Schreiber Vst. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Trachenberg. Oester.-Ung. Monarchie: Prag. Frankreich: Paris. Holland: Amsterdam. — Jüd. Allerlei. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart- Von Arnold Mann. Jahatt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Jüdische Parlamentscandidaturen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Oesterr.-Ung. Monarchie: Paks. Frankreich: Bar le Duc. England: London. Spanien: Madrid. Amerika: New-York. — Literarische Notiz. — Vermischtes. Jahatt der -wetten Beilage: Leitender Artikel: Die moderne Eultur. Von Rabbiner Dr. M. Jung, Ung. Brod. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Vermischtes? Extra Beilage r Spendenverzeichnisse. Berantworlliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.