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Der Israelit · 1898-03-03 · Heft 18 (3.3.1898) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 18 (3.3.1898)
Date
1898-03-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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325 Jetzt, bei den letzten Sätzen, war Braun eingetreten. Kurt hatte schon, als er Tritte auf seine Thür zu gehen hörte, seine Stimme gesenkt und jetzt murmelte er noch die letzten Worte vor sich hin. Es dauerte daher ein Weilchen, ehe er, dem Freunde die Hand reichend, erwiederte: ,,'N Abend, Alter, o, es geht ganz vorzüglich." „Daß Du mir aber nicht stecken bleibst!" neckte Brautl lächelnd. „I, wo werd' ich denn?" gab Kurt launig zurück. „Ist sie denn gut?" fragte Braun. „O, ich sage Dir," toarf sich Kurt in die Brust, „sie wird Aussehen erregen. Ich habe so eine Ahnung, paß' auf!" „Soll mich freuen, Alter," erwiederte Braun, „na, und unseren Prinzipien bist Du doch treu? Du weißt schon, was ich meine! Hat sie Stil?" „Na, und ob!" machte Kurt, „ich hoffe, Du schreibst einen recht flotten, ausführlichen Bericht für die „Burschenschaftlichen Blätter", und streichst mich 'n Bischen 'raus!" „Nu, gewiß!" erwiederte der Freund. Dann fuhr er, auf die Uhr schauend, fort: „Du, mach' Dich fertig, es ist bald Zeit. Wir gehen doch zu Fuß, es ist so schönes Wetter, und die Illumination hat gerade begonnen, eine Menschenmenge schiebt sich auf den Straßen — es ist nicht zum Beschreiben! Na, ein Stückchen von der Lichterpracht können wir ja noch sehen; ich sage Dir, das Palast-Hotel da unten hat wunderbar illuminirt!" Unterdessen hatte Kurt seinen Paletot angezogen und sich den Cylinder aufgestülpt. Dann hackte er den Freund ein und schritt Arm in Arm mit ihm auf die Straße hinab. Dort bot sich ihnen ein zauberhafter Anblick, fast alle Häuser hatten illuminirt, die erleuchteten Fenster warfen einen magischen Schein auf die Straße, wie auf die Menge, die sich dort drängte, um all' die leuchtenden Wunder anzuftaunen. In der Potsdamerstraße hatten einige große Geschäfte ganz hervorragende Dekorationen angebracht, oft die wunderbarsten Lichteffekte verwendet. Geblendet von all' dem leuchtenden Glanze ftaute sich die Menge vor diesen hervorstechenden Dekorationen, so daß stellenweise bedenkliche Verkehrsstockungen eintraten. Die beiden Freunde bahnten sich, so gut es eben ging, einen Weg durch die Menge; sie kamen nur langsam vorwärts, aber es war noch Zeit genug und sie halten ja nicht weit. Am Potsdamerplatz, vor dessen förmlich in Licht getauchter Pracht, sie ein Weilchen stehen geblieben waren, bogen sie rechts ab in die Königgrätzerftraße, dann nach einigen Schritten, wieder rechts in die Köthenerstraße. Endlich standen sie unter den elektrischen Bogenlampen, welche die Einfahrt zur „Philharmonie" beleuchten. „Ah, der Herr Vortragende Rath —" begrüßte mau Kurt halb ironisch mit tiefen Verbeugungen. Und plaudernd, lachend, betrat man den weiten Prachtraum der „Philharmonie". Außer einigen Kommilitonen war noch Niemand erschienen. Die vielen „alten Herren" waren natürlich höchst unpünktlich. Aber das schadete ja nichts, man hatte ja die ganze, lange Nacht vor sich! Einstweilen ließ man sich hinten am Buffet ein Stehseidel geben, gewissermaßen als Vorgeschmack des Kommenden, der und jener aß auch eine Kleinigkeit, und lachend, erzählend, standen und saßen die einzelnen Gruppen der jungen Studenten beisammen, wartend der Dinge, die da kommen sollten. Allmählig kamen die ersten Gäste an, und nach Verlauf von einer halben Stunde bot die „Philharmonie" folgendes Bild: An langen Tafeln saßen unten im Saale die Herren, während die Damen oben auf der Gallerte, die sich auf drei Seiten des Saales entlang zieht, Platz genommen hatten. Alles war in hochfestlicher Toilette erschienen. Das Schwarz der Herrenfräcke stach augenfällig ab von dem Weiß der blendenden Wäsche und kontrastirte eigenthümlich mit der Farbenpracht der Damenkoftüme. Ein wirres Durcheinander von Stimmen erfüllte den Raum. Noch war keine Ordnung in der Menge. Hier standen einige junge Leute mit älteren Herren in anregendem Gespräch, dort schüttelten sich zwei, die sich eben erblickten, begrüßend die Hände, rufen sich ein munteres Wort zu, um sich alsbald einem anderen ihrer Nachbarn zuzuwenden, an einer anderen Stelle des Saales wurde soeben eine berühmte Persönlichkeit von den Mitgliedern des Vorstandes empfangen und zu einem Ehrensitze am Vorstandstische hingeleitet. Endlich sind sie alle erschienen, die man erwartet hatte, zum Theil von jubelnden Zurufen der jugendlichen Menge begrüßt, der Präses erhebt sich in der Mitte der großen Quertafel an einem Ende des Saales, sein Schläger saust wuchtig hernieder auf die Tischplatte, zugleich mit ihm die der Contrepräsiden. Dann wartet der Präses noch einige Augenblicke bis alles Platz genommen und die Kellner ihre letzten Seidel untergebracht haben, endlich hallt es donnernd durch den weiten Raum: „Silentium!" Alles verstummt. Der patriotische Festkommers des „Vereins Deutscher Studenten" beginnt. Zuerst macht der Präses in schwungvollen Wor-

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