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Der Israelit · 1898-03-03 · Heft 18 (3.3.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 18 (3.3.1898)
Date
1898-03-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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393 habe man je gehört, daß diese von ihren christlichen Kameraden ihres religiösen Bekenntnisses wegen jemals über die Achseln angesehen wurden? Die in antisemitischer Richtung entfaltete Thätigkeit der Drumont, Mores, Hughes und anderer hielt man für eine vorübergehende, der nähern Beachtung kaum werthe Laune, allenfalls für eine aus Rußland eingeführte Modekrankheit, die ebenso rasch wieder verschwinden würde, als sie gekommen sei. Wenn zahlreiche Juden im Elsaß im Laufe der siebziger Jahre für Frankreich optirten und wenn bis in die nächste Zeit das jüdische Element in den Reichslanden noch als eines der stärksten Bollwerke für französische Sympathien galt und tatsächlich auch gewesen ist, so ist dies lediglich der Wirkung des Vergleiches zuzuschreiben, der in der genannten Hinsicht vollständig zu Gunsten Frankreichs ausfallen mußte. Selbst die Thatsache, daß in Deutschland der Antisemitismus, wie es ja auch in der Art des germanischen Charakters lag, sich darauf beschränkt hat, bei aller Heftigkeit der Leidenschaften im großen Ganzen ein theoretisches System zu bleiben, an dessen Hinüberführung in die Wirklichkeit niemand im Ernst dachte, — diente nur dazu, um das Ansehen' Frankreichs noch höher steigen zu machen. Aber der Romane pffegt immer die praktischen Folgerungen aus der Theorie zu ziehen, die er sich selbst oder andere für ihn zurechtgelegt haben, und wenn es in Deutschland über die Schädlichkeit und Gefährlichkeit der Juden bei akademischen Reden sein Bewenden hatte, so zertrümmert jetzt der französische Pöbel die Schaufenster jüdischer Läden oder er schlägt, wie in Algier, die Juden auf der Straße einfach tot, denn der Jude ist kurzweg der Vaterlandsverräther. Und tritt denn die Regierung diesem Terrorismus des verhetzten Pöbels auch nur mit dem Schein irgend welcher Thatkraft entgegen? In Algier kommt die Polizei, wie man bei der bekannten Haltung der Stadtbehörde wohl sagen darf, absichtlich zu spät (es geht dies aus Berichten von dort an niederländische Blätter hervor^; erst wenn der Haß seine scheußlichsten Orgien gefeiert hat, wird eingeschritten. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis der Pöbel von seinen Führern auf die großen jüdischen Vermögen aufmerksam gemacht wird? Glaubt man denn, daß es bei der stillen, das Bewußtsein des Nichtbefriedigtwerdens in sich tragenden Sehnsucht verbleiben wird? Die Erinnerung an manche Scenen der französischen Revolution, die sich heute zu wiederholen scheinen, müssen einen solchen Optimismus in das Gebiet der Lächerlichkeit verweisen. Gewiß darf mit einiger Sicherheit erwartet werden, daß für die allernächste Zeit Frankreich seine Rolle als jüdisches Eldorado auch bei den kurzsichtigsten Schwärmern eingebüßt hat; ob aber die eindringlichen Lehren, die sie mit eigenen Augen gesehen haben, auch für die Zukunft nicht wieder verloren gehen, wenn die wilden Leidenschaften sich gelegt haben werden, darf bezweifelt werden. Aber es will doch schon etwas sagen, wenn heute manchem Juden, dessen Ideal bis jetzt Frankreich gewesen ist, sich das Bekenntnis entringt, daß er doch lieber in Deutschland als in Frankreich leben und sterben möchte. (Die Aufregung in dem für gewöhnlich stillen Holland ist fast so groß wie in dem brausenden Belgien. Von Niederländern der gebildeten Stände ist eine Adresse an Zola in Umlauf gesetzt worden, die bereits vorige Woche mit wohl 25 000 Unterschriften bedeckt war. Schmerzlich muß es auch die Franzosen berühren, daß in einer Stadt, wo die Abneigung gegen das Deutschthum sehr stark und die Alliance fran§aise das Schoßkind ist, im Haag, ein nicht nach Sensation dürstendes Blatt, das Vaterland, vor einigen Tagen eine Zuschrift veröffentlichte, die vor der Betheiligung niederländischer Industrieller an der Weltausstellung von 1900 in dem rechtsunsichern Frankreich eindringlich warnte. Indes ist, wie unser Berichterstatter bemerkt, abzuwarten wie lange die Entrüstung bei unseren franzosenfreundlichen Nachbarn ftandhalten mag.^j Füv. Allerlei Zum Mrimfeste. W. Da das Purimfest bevorstehl und man in den nächsten Tagen schon in allen Synagogen die Geschichte von der edlen Königin Esther verlesen wird, so haben wir es für passend gehalten, beifolgende russischen Blättern entnommene Notiz über Persien zu veröffentlichen, da sie nicht wenig zu einem bessern Verstehen und Auffassen des Buches Esther beitragen wird. Der Orient ist bekanntlich streng konservativ und die Sitten und Gebräuche, wie sie heute am persischen Hofe herrschen, sind nur wenig verschieden von jenen zur Zeit des Königs Ahasverus. Auch auf das Buch Esther kunn man füglich das Sprichwort anwenden: Willst Du dessen Inhalt besser verstehen, so mußt Du in das Land des Verfassers gehen. Die Notiz lautet: (Die schönen Mädchen von Teheran.) Der wichtigste Tag im Leben der Perserin und gleichzeitig der größte nationale Festtag im Lande des Schah ist der 26. Dezember. Schon lange vor diesem Tage durchstreifen Abgesandte des persischen Herrschers dessen Reich nach allen Richtungen und halten Umschau unter den heirathsfähigen Töchtern des Landes. Die hoffnungsberechtigten jugendlichen Schönen harren bereits überall im größten Staat, geschmückt mit Allem, was dazu beitragen kann, die Reize, die ihnen von der Natur verliehen sind, so

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