Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1898)
- Date
- 1898-03-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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822 segensreich gewirkt, ihm auf seinem letzten Gange gaben, legte beredte» Zeugniß ab von der hohen Achtung und Liebe, die er überall genoß. Seinen Neffen, den Kirchenrath Dr. Kroner in Stuttgart hinderte die weite Entfernung, am Grabe feines theuern Onkelseinen Gefühlen über deffen Verlust Ausdruck zu verleihen. Diese Aufgabe fiel den Herren Rabbiner Dr. Jakobsohn in Gneien und Dr. Doktor in Breslau zu, welche ein treffliches Lebensbild des als nw mn, als j™ djib, ais Kaufmann, wie als Mensch gleich vorzüglichen Mannes entwarfen, der uns ebenso unersetzlich, wie unvergeßlich sein wird. rvaawn. L. P. Oest err.-Ungar. Monarchie. ** Prag, 25. Febr. Die Seuche des Antisemitismus verbreitet sich immer mehr, erfaßt immer weitere Kreise und vergebens wartet man darauf, daß Jene, die in erster Reihe berufen sind die Heilmittel für diese Krankheit zu schaffen, aus ihrer Lethar-ie erwachen. Endlich hören wir ein erlösendes, befreiendes Wort. Wir meinen den Erlaß gegen den Antisemitismus der Schule, welcher folgendermaßen lautet: „Die in letzter Zeit in einzelnen Orten des Landes vorgekommenen judenfeindlichen Exzesse, welche zum größten Theil sogar in Beschädigung des Eigenthums von Personen israelitischer Confession au-arten, lassen es nothwendig erscheinen, der amisemitischen Bewegung besondere Beachtung zu schenken. Die Schule hat in dieser Beziehung dahin zu wirken, daß die Jugend von Allem ferngehalten w'erde, was der in der Schule zu pflegenden Menschenfreundlich» keit widerspricht. Zufolge hohen Erlasses des Präsidiums des k. k. Landesichulrathes vom 2. Frbruar 1896, Nr. 28 wird den Leitern der öffentlichen und privaten allgemeinen Volks- und Bürgerschulen aufgetragen, den unterstehenden Lehrkräften den Erlaß des hohen Präsidiums des k. k. Landesschulraihes vom 8. März 1885, Z. 52, betreffend die Forderung der nationalen und konfessionellen Duldsamkeit an den Schulen in Erinnerung zu bringen mit dem nachdrücklichen Bemerken, daß e» die erziehliche Pflicht jeder Lehrperson ist, die Schulkinder zu einer erträglichen Gesinnung auch gegenüber den Angehörigen der isrielmschen Confession anzuleiten, und daß eine jede Lehrperson der Schuljugend in dieser Beziehung nicht nur selbst ein gutes Beispiel zu geben, sondern auch das Verhalten der Schulkinder innerhalb und außerhalb der Schule eifrigst zu überwachen habe." Dieser Erlaß ist, wie der „Ostd. Rundschau" au» Deutschböhmen mitgetheilt wird, an alle Schulleitungen de» Landes ergangen. Wir begrüßen ihn mit Freude und nicht blo» im Interesse der Juden, deren Schutz er in erster Reihe bezweckt, sondern im Interesse der Allgemeinheit, des Staates, die arg gefährdet werden durch eine Bewegung, die dahin zielt. Recht, Gesetz und Menschlichkeit zu verhöhnen. In der Schule, in der pflichtvergessene Lehrer so oft in wahrhaft grauenerregender Weise für die Verrohung der kindlichen Gemüther arbeiteten, indem sie ihren antisemitischen Neigungen die Zügel schießen ließen, ist viel gesündigt worden. Möge doch der Heilungsprozeß auch in der Schule beginnen. Der Erlaß, au» dem der Geist der Wahrheit und Gerechtigkeit leuchtet, ist ein verheißungsvoller Schritt auf diesem Wege. Möge er nicht der letzte fein! Frankreich. Paris, 25. Febr. Das Polizeigericht setzte die Taxe für den Ruf „Nieder mit den Juden!" fest. Sie beträgt 1 bis 2 Francs. Den Anlaß dazu gab eine Manifestation, die sich letzten Sonntag beim Ausgange einer Jmperialistenversammlung ereignete. Mehrere Personen hatten „Vive l’Empereur und „A bas Zola, a bas les juifs“ geschrieen. Unter ihnen befanden sich der Advokat beim Appellgerichtshof und Vicepräsident der plebiscitären Vereine des Seine-Departements, Fortier-Maire, der Präsident des Bonapartistischen Studentenvereins, Pauk Watrin, ein Sohn des Oberlieutenants Watrin, der Architekt Frenchie und der Kutscher Gayet. Das Gericht schloß den Ruf „Vivo 1’Einpereur!“ aus und urtheilte nur über den Ruf „Nieder mit den Juden!" ab, wobei es die Delinquenten mit den obenerwähnten Strafen belegte. Holland. ** Amsterdam, 28. Febr. (Der Sturz eines Idols). Bis vor ziemlich kurzer Zeit hatte man es in beinahe ganz Europa als einen keines weitern Beweises bedürfenden Glaubenssatz hingenommen, daß Frankreich, das Vaterland der großen Revolution, die Wiege der Menschenrechte und das Palladium der Freiheit und Gleichheit, auch der classische Boden der thatsächlichen, nicht bloß auf dem Papier stehenden Gleichberechtigung aller Glaubensbekentnisse, namentlich aber auch des jüdischen, sei. Als in Deutschland der Antisemitismus in die Halme zu schießen begann, als selbst ein Ahlwardt eine politische Rolle spielen konnte und als die conservattve Partei unter der Führung des Frhrn. v. Hammerstein durch das Tivoliprogramm den antisemitischen Stempel als unauslöschlichen Charakter erhielt, — wies man auf Frankreich hin, wo, wie wirkliche Franzosen und mit ihnen die Französlinge in aller Herren Ländern, mit Stolz behaupteten, derartige Vorgänge kurzweg zu den Unmöglichkeiten gehörten. Gebe es nicht frazösisch-jüdische Generäle, dienten nicht zahlreiche jüdische Ofsiciere in der Armee und