Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1898)
- Date
- 1898-03-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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321 Ihr barmherzig und gnädia sein". — „Von Treue und Wahrheit hängt der. Bestand des Menschengeschlechts ab." — „Heil denen, die beschämt werden und nicht wieder beschämen." — „Was Du nicht willst, daß man Dir thue, das thue auch Deinem Nächsten nicht. — „Dein Ja und Nein sei wahr." — „Sage nicht dem, der Buße gethan, erinnere Dich Deiner früheren Sünden." Die Pharisäer haben bereits für Gott die Bezeichnung „unser Vater im Himmel", auch sie reden vom „Reiche Gottes." „Wenn Israel den Willen Gottes erfüllt, so besteht in ihnen da» Reich Gotte»." — Bezüglich des Leides der Frommen, und dcS Wohlergehens der Frevler lehren sie entschiedene Ergebung in den Willen Gottes. „Ihr sollt Gott danken auch für das Böse, so wie Ihr ihm danket für das Gute." — Den SchriftverS: „Goldene und silberne Götzen sollt ihr nicht machen mit mir", deuten sie dahin: „Ihr sollt eS mit mir nicht machen, wie es die Heiden thun mit ihren goldnen und silbernen Götzen. Wenn sie Unglück trifft, strafen sie ihre Götter dafür und zertrümmern ihre Standbilder, sondern ihr sollt mir danken im Glück und Unglück." — Als Chaninah b. Tradion und seine Frau den Scheiterhaufen besteigen, sprechen sie die Worte: „Der Hort, untadelig ist sein Thun, denn alle seine Wege sind gerecht." — Das Gebetbuch der Pharisäer im ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert waren die Psalmen, worin Stellen de» tiefsten GotteSvertrauen» sich finden, wie z. B. „Der Ewige ist mein Licht, vor wem soll ich mich fürchten." „Wir fürchten nicht, wenn auch die Erde zittert und Berge wanken inmitten des Meeres." — Sie verlangen, daß die Wohlthätigkeit im Geheimen geübt werde und so fand sich auch im Tempel ein Raum „Halle der Verschwiegenen" genannt, wo die geheimen Gaben für die Armen niedergelegt wurden. — Allerdings wird in den talmudischen Quellen übereinstimmend mit den Evangelien berichtet, daß es auch Selbstgerechte unter den Pharisäern gab, welche gern fragten, sage mir, was ist noch vom Gesetze übrig, das ich nicht erfüllt? „Doch wo, sagte der Redner, hat je eine menschliche Gemeinschaft existirt, wo solche Leute gefehlt hätten! Keinen einzigen neuen Gedanken hat der Stifter der christl. Religion gelehrt, nicht einmal die Aufhebung des Ceremonialgesetzes. Wenn ein Wort vom Stifter der christlichen Religion im neuen Testament echt ist, so ist es das: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuhebcn, sondern e« zu erfüllen." Der Gedanke der Abrogation des Gesetzes stammt erst von Paulus, der allerdings im Gegensätze zu den Pharisäern lehrt: Die Thora ist nur gegeben, damit durch ihre vielen Satzungen recht viele sündigen und die Gnade des Herrn durch die Wegnahme der Sünden des Menschengeschlechts stch um so herrlicher erweise. — Das zahlreich erschienene Publikum folgte den lichtvollen Ausführungen des Redner» mit sichtlichem Jntereffe und dankte demselben durch lang anhaltenden Beifall. Am 21. v. M. hat Herr Rabbiner Dr. T. Cohn über das Thema „Die Frau im Talmud" gesprochen. D r. David. -h. Frankfurt a. M. Zum herannahenden Purimfest hat die Verwaltung des „Deutsch- JSr. Kinderheim" in Diez a. d. Lahn, wie alljährlich, Sammellisten an die Gemeinden versandt. Angesichts der segensreichen Leistungen des Kinderheims giebt die Verwaltung sich der Hoffnung hin, daß auch dieses Jahr Viele bereit sein werden, ihre Freunde für kleine Zuwendungen für die armen Waisenkinder zu gewinnen, und so das Unternehmen, das alljährlich größere Mittel beansprucht, in ausgiebigem Maße zu fördern. Denn die aus kleinen Beiträgen bestehende Purimspende bildet die größte und bedeutendste Hilfsquelle der Anstalt, aber nur dann kann sie als solche wirksam sich bewähren, wenn die größtmögliche Betheiligung die kleinen Einzelgaben zu einer bedeutenden Summe anwachsen laffen. Trachenberg (Schlesien), 28. Febr. Unsere kleine Gemeinde hat einen schweren, unersetzlichen Verlust zu beklagen. Herr Julius K r o n e r, der langjährige erste Vorsteher unserer Gemeinde ist uns im Alter von 67 Jahren plötzlich entriffen worden. Mit seinem Hmscheiden ist in den Reihen der 'vnib "i mnbo, der tapferen Streiter für Gott und seine heilige Lehre eine unausfüllbare Lücke geriffen worden. Der Verstorbene, der jüngste Sohn des alten Dyhernfulter nwx’p v"n n iro genoß schon in frühester Jugend von seinem großen Vater ‘nn Unterricht in D'pDiei ctr; als er seinen profanen Studien obzuliegen begann, war er auf dem weiten Gebiete des -na^rn w schon überall heimisch. Den Rabbiner-Beruf wollte er, obwohl mit nx*m mna ausgerüstet, nicht wählen und widmete sich dem Kaufmannsstande. Hier übte er in erster Reihe *va nmta [aal im strengsten Sinne des Wortes, wodurch er im geschäftlichen Verkehr das größte Vertrauen sich erwarb. Für Arme und Bedürftige hatte er stets ein freundliches Wort, ein warmes Herz und vor Allem eine offene Hand, pa ps aan war überhaupt seine Lebensaufgabe. Durch weise und milde Leitung hat es der Dahingeschiedene verstanden, das religiöse Leben in der Gemeinde stets warm zu erhalten. Schon durch seine ^überaus freundliche Erscheinung übte er überall einen wohlthuenden Einfluß, und war er stet» bedacht, diesen seinen Einfluß zu religiösen Zwecken auszünützen. Das Ehren-Geleite, das die ganze hiesige'.Einwohnerschaft, sowie Vereine und behördliche Körperschaften, in deren Mitte der Dahingegangene Jahre hindurch