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Der Israelit · 1898-02-28 · Heft 17 (28.2.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 17 (28.2.1898)
Date
1898-02-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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310 bert stammende Ansicht, nach welcher die mn» yastx als Sporn zu erklären sei. Da aber der Sporn nur bei Männchen der hühnerartigen Vögel, bei andern Vogelarten, auch bei Tauben niemals ein Sporn vorkommt, da anderseits der Talmud speziell der Taube als Mustervogel ein rrw vax» zuspricht, so ist es wohl überflüssig, diese Erklärung kritisch weiter zu beleuchten. Andere Commentatoren sagen unverhohlen, daß sie die Bedeutung der rm yax» nicht zu fassen wissen. Nach allen hier angeführten Erklärungen, ist cs auffallend, warum denn die Mifchna nicht eine genaue Definition, nach den gegebenen Erklärungen gibt. E» ist ja bekannt, die Mischna ist nicht weitschweifend und ohne besonderen Grund werden von derselben niemals Umschreibungen in Anwendung gebracht. Immer wendet sie, wo es nur möglich ist, die prägnantesten Ausdrücke an, um ihre Gedanken zu definiren- Hätte nun die Mischna thatsächlich die Hinterzehe bezeichnen wollen, so hätte sie wahrscheinlich einen richtigeren und genaueren Ausdruck dafür gefunden, als die Bezeichnung „übrige Zehe". Ebenso ist kein Grund vorhanden, daß, wenn dieselbe eine längere Zehe gemeint hätte, sich nicht auch in der Mischnasprache eine Bezeichnung gesunden hätte, welche dieses präci» ausdrückt. Auch der Gemara scheint der Ausdruck mrr> leicht verständlich und naturgemäß zu sein. Vsn irgend einer Schwierigkeit in dieser Beziehung ist keine Rede in derselben. Wenn irgend eine Umschreibung oder ein Nebenbegriff in diesen Ausdruck hineinzudenken wäre, so hätte der Talmud, wie immer wo eine schwierige Mischnabezeichnung vorkömmt, nicht unterlassen die Frage zu stellen nnnrn m Da dies aber nicht der Fall ist, so kann bei Anwendung des Ausdrucks mnvn weder an eine spezielle örtliche Stellung, wie er durch die Hinterzehe wiedergegeben wird, noch an eine Definition über Länge oder Kürze gedacht werden, wie es auffaßt. Es kann hierbei nur an eine klare, genaue und naturgemäße Definition des Wortes rm gedacht werden; folglich kann damit nur eine Zehe gemeint sein, die auf irgend eine Weise ihr Uebrigsein verräth. Hiermit wäre ein erster Grund gegeben, warum die früheren Erklärungen, der Charakteristik rm ot nicht anwendbar sein können. Ein zweiter nicht weniger auffallender Punkt ist folgender: Welchen Zweck erfüllt denn die übrige Zehe im Leben der Vögel, um von deren Vorhandensein die Bestimmungen über rein oder unrein abhängen zu lassen? Welche Einsicht gewährt sie uns überhaupt in die Vogelnatur? Warum soll ein Vogel mit Hinterzehe oder verlängerter Zehe eher die Qualification als rein erhalten, als ein Vogel ohne eine solche? Daß man bedeutungslose, nichtssagende Marken nehmen kann, um die Maaren zu zeichnen, ist bekannt; es läßt sich auch auf solche Weise, mit nichtssagenden und nichts bestimmenden Formeln ein System ausbauen, wie das Linne'fche Pflanzensystem. Aber, daß die Bibel ein solches Verfahren eingeschlagen hat bei Aufstellung ihrer unreinen Vögel ist nicht anzunehmen. Es ist nicht anzunehmen, daß zur Bestimmung der reinen Vögel irgend eine nichtssagende Marke unter der Form von Hinter- oder Lange-Zehe, als Bestimmungsmomente zur Anwendung gelangen können. Bei der Bestimmung der biblisch reinen oder unreinen Thieren ist dies, wie schon früher bemerkt, nicht der Fall; die hierbei herausgegriffenen Punkte weisen vielmehr überall, auf die Lebens- und Ernährungs-Weise der betreffenden Thiere hin. Nothwendiger Weise kann bei den Vögeln auch kein anderes Merkmal herausgegriffen worden sein, als ein solches, das sich durch die Natur und Lebcusthätigkeit dieser Thiere von selbst ergibt. Bei den bisherigen Erklärungen war dies, bei der „Uebrigen Zehe", nicht der Fall. Es bleibt uns gänzlich unbekannt, welche Funktion sie im Leben der Vögel erfüllt hat. Auf keinerlei Weise gelangen wir durch sie zu einer Keuletheilung über das Leben und die Thätigkeit des Vogels. Jedes einzelne der vier durch die Mischna zur systematischen Aufstellung herangezogenen Organe oder Eigenschaften, soll, da es sich um die Reinheilbestimmung handelt, so viel als möglich dazu beitragen, ein Bild des betreffenden Vogels zu geben. Wie weit dies durch die nan geschehen ist, haben wir gesehen. Was in dieser Beziehung durch das besprochene zweite Charakterzeichen der rrrv »s* hierzu beitragen wird, das wird sich des weiteren ergeben. Dazu bedarf es einer nochmaligen Anführung der betreffenden Boraitha: wn na rm naar» & pa irnvs *>iw na mn’ yaxx anb tr p-irrra. Wie ist es bei dem Adler, dessen Merkmal es ist, daß er keine übrige Zehe hat 'i Dieser ist unrein. Wie ist es mit den Tauben, deren Merkmal es ist, daß sie ja eine übrige Zehe besitzen? Diese sind rein. Die einfachste Folgerung dieser Beraitha muß sein, daß es eine Zehe gibt, welche bei der Taube übrig ist und dadurch auf ihre Reinheit hinweist. Daß etwa die Taube eine Zehe mehr, eine verlängerte oder anders gestaltete Zehe hat, ist durchaus in dieser Beraitha nicht zu finden.

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