Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-02-28 · Heft 17 (28.2.1898) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 17 (28.2.1898)
Date
1898-02-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448874--45538-2495839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXIX. Jahrgang. Erste Beilage m M 17 -es JteratUt“. Leitender Artikel. ♦D’soDn niDiy Eine wissenschaftliche Abhandlung über talmudische Systematik unb Namen der bibl. Vögel von I. Gugenheim, Rabbiner in Saar Union. XI. mrv Die übrige Zehe! Bisher haben wir die nsrn besprochen; dieselbe gibt uns, als Hauptmerkmal, Aufschluß über das Leben der Vögel, über ihre Nahrungsart, ob sie von vegetabilischer oder animalischer Art sei; über die Naubgelüste der verschiedenen Vögel gibt es nun noch einen Punkt an dem Aeußern der Vögel, durch welchen sie auf gleich auffallende Weise zu unterscheiden sind. f'Tfl HC prn ,!-njv 2228 pap “irre hp: no nv.’ >22« pif? Die Boraitha beantwortet diese Frage mit der Aufstellung des zweiten Charakterzeichen. Der Adler hat keine übrige Zehe, die Taube hat eine übrige Zehe. Es ist nicht zu verkennen, seit frühester Zeit war die Stellung der Zehen eines der wichtigsten Hülfsmittel der Systematik. Viele Autoren sind bereit, der Zehenstellung den ersten Rang in der Systematik anzuweisen; nach Fürbringer jedoch würde dies eine Überschätzung dieses Merkmals bedeuten. Die Mischna jedoch, wie wir sehen, legt einer einzelnen Zehe eine solche Wichtigkeit bei, daß sie deren Vorhandensein oder Nichtvorhandensein als besonders wichtig hervorhebt und dieselbe als Neinheitszeichen zur Charakterisirung der gesammten Vögel anführt. Welche mag nun diese Zehe sein? Führen wir zunächst die bisher geltenden Erklärungen an: Kati sucht mit Recht dem Wort mr seine volle Bedeutung als „übrig" zu erhalten und erklärt den Ausdruck rru-r als die Hinterzehe die höher als die anderen Zehen stehe oder höher eingegliedert sei. Bei Hühnern, Gänsen, Enten, Schnepfen und v. anderen ist in Wirklichkeit ein Höherstehen oder Höhereingliedern vorhanden und diese Zehe könnte hierbei wohl als Charakterzeichen angeführt werden; bei der Taube aber, welche der Talmud als Grundtypus ansührt pin hc ist kein Höherstehen noch Eingliedern vorhanden. Die Hinterzehe der Taube hat genau die gleiche Höhestellung und dieselbe Eingliederung wie die Hinterzehe des Adlers und der Gesammtheit aller Raubvögel. Die wcrnn bezeichnen rückhaltlos die Hinterzehe aller Vögel als mrr ys2x. Wohl aus dem Grunde weil die Hinterzehe bei einigen Vogelarten fehlt, betrachten sie dieselbe bei den anderen Vögeln, welche dieselben besitzen, als übrig. Sehr auffallend ist ihnen nur, daß sich dieselbe nicht allein bei Hühnern, Tauben, Raben findet, sondern sogar auch bei den Tagraubvögeln, sowie bei den Eulen und überhaupt bei einer großen Anzahl Vögeln, bei welchen dieselbe nach talmudischer Angabe sich nicht befinden sollte. Unsere Adler gleichen den talmudischen Adlern nicht mehr, so schließen sie nun und gelangen zu dem Ergebniß daß „wir heute kein Verständniß mehr haben irgend einen Vogel zu erkennen." Die Ptereologie war ja damals noch nicht gegründet, um mit irgend einem Rechte mit Brehm behaupten zu können, „man kennt den Vogel an den Federn." Doch schien damals schon die Ansicht verbreitet gewesen zu sein, daß man schon zur talmudischen Zeit die biblischen Vögel nicht mehr gekannt habe; denn die Tosaphisten treten mit Kraft und Beweise erbringend dieser Ansicht entgegen. Räbbenu Niffim, der eine Reihe von ihm untersuchter Vögel aufstellte, die alle eine Hinterzehe haben und doch zu den Vögeln gehören müssen, welche eigentlich keine übrige Zehe haben sollten, kommt dadurch zu der Ansicht, daß die Mittelzehe die übrige Zehe sei. Diese Mittelzehe sei bei Tauben verhältnißmäßig länger als bei Raubvögeln, deshalb sei sie als jnjw 7N7N zu bezeichnen. Die entschieden variable Länge des Mittelfingers, ohne und mit Nagel gemessen, wurde im Laufe des jetzigen Jahrhunderts entscheidend in die Systematik eingeführt. Man öffnet kaum eine Synopsis der Vögel, wo die Angaben über das Längemaß der Mittelzehe uns nicht wie quälende Geister verfolgen. Doch zu Bestimmungen im Sinne von nw ysat» lassen sich diese Angaben auf keinerlei Weise verwerthen. Die Anzahl der Zehenglieder stellen sich von vornherein fast bei allen Vögeln gleich und die Länge der ganzen Zehe selbst variirt ungemein; manchmal bei den gleichen Vögeln selbst zwischen einer und der nächststehenden Art sogar. Die Mittelzehe der Taube ist tatsächlich länger als deren Nebenzehen; das Gleiche sehen wir bei deren Gans, beim Kibitz, bei den Sperlingsvögeln, bei allen reinen Vögeln; der gleiche Fall trifft aber auch bei unreinen Vögel in ganz gleicher Weise zu. Die Mittelzehe hat immer längere Gliedertheile als die Nebenzehen; aber ein Vergleich der verschiedenen Vogelfüße läßt mit Entschiedenheit diese Ansicht verwerfen. Es gibt endlich noch eine aus diesem Jahrhun

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.