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Der Israelit · 1898-02-28 · Heft 17 (28.2.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 17 (28.2.1898)
Date
1898-02-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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811 Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland. Frankfurt a. m., 13. Febr. Erst drei Wochen sind es her, daß in hiesiger Stadt ein vrv- Feft gefeiert wurde und schon heute sind wir wieder in der Lage von einem solchen zu berichten, das am vergangenen Sonntag (v2v' x"2) in den Räumen des Hotel Ullmann ftattfand. Waren es damals die Jünger der Ieschiba, denen dieses Fest in erster Reihe galt, so sind es heute die Theilnehmer an den d*w des Herrn Moritz Lewin n, die an diesem Abende nicht weniger als vier rimvov waren. Nachdem dies von einzelnen Herren, die die verschiedenen besuchen, geschehen war und Herr Max Michel in herrlicher Weise das 2'^v- Gebet vorgetragen hatte, begab man sich zur Festtafel. Zuerst ergriff Herr Lewin das Wort, indem er in ^ständiger Rede, verbunden mit einem »nn aus np'Xv ton die Bedeutung des heutigen Festes erläuterte und mit dem Wunsche schloß, ihm noch recht oft Gelegenheit zu geben, die rrato erfüllen zu können. Hierauf folgten Toaste von mehreren Anwesenden, die ihrem Lehrer in warmen Worten ihren Dank für seine große Bemühungen, für seinen eisernen Fleiß und für seine aufopferungsvolle Liebe abstatteten. Herr Dr. Israel Roos brachte in herkömmlicher Weise ein Hoch auf die Israel. Religionsgesellschaft aus, während Herr Jacob S. Heß auf Herrn Rabbiner Dr. Breuer n toastirte. Reden und Gesänge wechselten noch lange nach Mitternacht mit einander ab; bis das Tischgebet von Herrn L e w i n n vorgetragen, dem herrlichen Abend seinen Abschluß setzte. ** Breslau, 17. Febr. (Antisemitische Kandidaturen.) Der in Berlin erscheinende antisemitische „Deutsche Generalanzeiger" bringt in letzten Nummer eine Zusammenstellung der antisemitischen Reichstag-kandidaturen. Ec zählt deren nicht weniger als 78. Es kandidiren u. a.: A. Redakteur Sedlatzek in 1. Danzig—Stadt (jetzt vertreten durch den Abg. Rickert), 2. Kolberg—Köslin (jetzt vertreten durch den Abg. Benoit), 3. Schivelbein—Dramburg (jetzt konservativ vertreten); L. Ahlwardt in 1. Friedberg—Arnswalde, 2. Landsberg—Soldin, 3. Kyritz—Saatzig, 4. Hagen (jetzt vertreten durch den Abg. Eugen Richter); C. v. Mosch in 1. Schlochau —Flatow, 2. Niederbarnim, 3. Stadt—Stettin, 4. Meseritz—Bomst; D. Liebermann v. Sonnenberg in ■. Breslau West, 2. Nordhausen, 3. Gifhorn—Peine, 4. Fritzlar—Ziegenhain; E. Prof. Förster in 1. Neustettin (wo, nebenbei bemerkt, noch ein zweiter antisemitischer Kandidat aufgestellt ist), 2. Bromberg. Im Ganzen stellen die Antisemiten drei Kandidaten in Wahlkreisen, die jetzt durch Polen vertreten sind, 17 in jetzt konservativ, 13 in jetzt freisinnig, 10 in jetzt sozialdemokratisch, 11 in jetzt nationalliberal, ein in jetzt welfisch und sieben in jetzt vom Centrum vertretenen Wahlkreisen auf. Den Schluß des langm Artikels bildet ein Aufruf an die Gesinnungsgenossen und Frennde, die daraus ersehen sollen, wie die Antisemiten für die „heilige Sache" den Kampf aufzunehmen bereit sind. Nun — heißt es weiter — „thut auch Ihr Eure Pflicht und gedenkt reichlich der Unterstützung des Wahlfonds!" Memel, 18. Febr. Welche erfreuliche Offenherzigkeit die „reinen" Antisemiten an den Tag zu legen wissen, wenn sie an einer Stelle, wo sie eS nicht vermuthet, auf offene Ablehnung stoßen, kann man nicht ohne Erheiterung im „Deutschen Generalanzeiger" des Herrn Sedlatzek vom 21. v. MtS. lesen. Da werden dem Fürsten Bismarck nachstehende Liebenswürdigkeiten infolge seiner Aeußerungen über den Antisemitismus an den Kopf geworfen: „Wie echt conservativ oder besser echt cohnservativ ist doch diese Aeußerung des Fürsten Bismarck, und da er obendrein einer der intelligenten der Conservativen ist, was kann unser armes deutsches Volk demnach wohl von den anderen erwarten?! Oberflächlich, dünkelhaft, ohne Kenntniß auch nun der einfachen, antisemitischen A-B-C's ist die ganze Kundgebung, ja man möchte sagen, so viel Worte, so viel Ungenauigkeiten und Unwahrheiten. Und obgleich es sich Vertreter der antisemitischen Wissenschaft haben angelegen sein lassen, gerade den Fürsten Bismarck ständig über das Wesen des Antisemitismus auf dem Laufenden zu erhalten, so hat auch dieser in echt conservativem Dünkel es nicht der Mühe für werth gehalten, die antisemitischen Schriften zu studiren. Die Lonservativen lesen eben nichts, und dementsprechend fallen alle ihre Aeußerungen über den Antisemitismus — von Bismarck bis Kropatscheck, von Frhrn. von Langen bis Jacobskötter aus." — Gegenüber den Worten Bismarcks, Maßregeln wie die Bartholomäusnacht oder die sicilianische Vesper hielten selbst die leidenschaftlichen Antisemiten für kaum zulässig und möglich, meint das Sedlatzek'sche Blatt: „Oho, gerade die besten und edelsten, die wissenschaftlichen Antisemiten sind es, welche der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß nur die gänzliche Ausrottung und Unschädlichmachung der Hebräer das Endziel aller wahren Freiheitsapostel und Menschheitserlöser sein muß." — Also verkündet der edle Sedlatzek. Sollte man da nicht — den Psychiater rufen? Und das ist derselbe Mann, der demnächst Kolberg und Danzig mit einer Reichstagscandidatur beglücken will.

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