Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1898)
- Date
- 1898-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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306 tisemiten, vor mehreren Jahren ein Gesetz ergangen, um Söhne nicht naturalisirter Ausländer zu zwingen, hier Soldaten zu werden, dazu seither wieder ein Gesetz, das die Ausländer nebst Kinder unter Strafe zwingt, sich in die Liste der Ausländer eintragen zu lasten, damit sie ja nicht mit Franzosen verwechselt werden. Ein beständiges Rütteln und Zerren an der Stellung der Ausländer, die sich trotzdem nicht bewogen fühlen, sich naturalifiren zu lassen.*) ** Paris, 24. Febr. Es ist die gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden wegen der Reden, welche in der Antisemiten-Versammlung am - Sonntag im Saale „Chaynes" gehalten wurden. In dieser Versammlung hatten Regis, Pradelles, Millevoye, Thibaud und Andere das Wort genommen. — Der Staatsanwalt eröffnete die Untersuchung gegen die AntisemitenUGuerin und Max Regis, die sich am vorigen Sonntag in der Antisemiten-Versammlung gerühmt hatten, daß sie in Algier jüdischeZLäden geplündert hätten. Rußland. ** Petersburg, 17. Febr. Der jüdischen Bevölkerung des Großfürftenthums Finnland dürften nun doch gewiste Rechte zugestanden werden. Im vorigen Sommer kam die Frage der Regulirung der rechtlichen Stellung der Juden auf dem sinnländischen Landtag zur Verhandlung, jedoch widersetzte sich der Bauernstand einer Erweiterung der Rechte für die Juden. Es konnte demnach nicht zur Formulirung eines Gesetzes geschritten werden. Infolge der Agitation der höheren Stände des Großfürftenthums hat nun aber der Senat beschlosten, bei dem Zaren um Konzessionen für die sinnländische jüdische Bevölkerung zu petitioniren. Es wird Aufhebung der vom Jahre 1889 stammenden Verordnung gewünscht, laut welcher mosaischen Glaubensgenossen untersagt ist, nach ihrer Verheirathung im Lande zu bleiben; ferner verlangt man Verleihung derselben Rechte, die die jüdischen Männer besitzen, auch für die jüdischen verheirateten Frauen. Die Juden sollen auch Erlaubniß erhalten, in gewissen von der Negierung dazu angcwistencn Städten Synagogen zu eröffnen und Rabbiner anzustellen. Schließlich soll den Juden das Gewerberecht wesentlich erweitert werden. Der Senat hegt begründete Hoffnung, daß der Zar der Petition zuftimmen werde. ** St. Petersburg, 16. Febr. Der Senat erklärt, daß Personen mosarscher Confesnon nicht das Recht des freien Aufenthalts in Sibirien besitzen; diese Berechtigung steht selbst solchen Personen nicht zu, welche in Folge eigener Verbannung, oder die Verbannung ihrer Angehörigen in irgend einer Ortschaft Sibiriens seßhaft geworden sind. Diese letztere Kategorie von in Sibirien domicilirenden Juden hat folglich nichtdasRecht, die Wohnsitze willkürlich zu ändern. *) Man vergleiche zu diesem Berichte die Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Jung im Leitartikel der heutigen Nummer. Red. d. Jsr. I Aeuilleton. Dögelcfyen. XI. Das Schlutztableau Jsaac Meyer schlenderte in den Straßen von New-Nork herum. Seit der Abreise Smitts hatte er gar nichts mehr zu thun. Wenn Greß ihn im Talmud unterrichten wollte, hatte er stets eine andere Ausrede, und mit Bedauern sah sein ehemaliger Lehrer, daß der junge Mann auf dem besten Wege war, ein Bummler zu werden. „Wie wär's," sagte Greß eines Tages zu ihm, „wenn Du einmal wieder zur „Plotschkern" gingest. Sie beauftragte Dich doch,Ihr über Verschiedenes Auskunft zu geben." „Die Idee ist gut," meinte Jsaac, „ich habe ihr auch noch gar nicht gesagt, daß meine Schwester hier ist. Aber Smitt und seine Braut können jeden Augenblick zurückkommen. Ihrem Programme gemäß sollten sie schon vorgestern zurück sein." „Sollte das junge Paar inzwischen eingetroffen sein, so werde ich Dir zur Plotschkern telephoniren." „Dann werde ich sofort zu ihr gehen." Die Plotschkern hatte heute einen guten Tag. Zwischen einem Ehepaar, das sich „geten" *) wollte, hatte sie Frieden gestiftet und zwanzig Dollars verdient. Einem Consortium von vermögenden Glaubensgenosten aus Rußland hatte sie eine Farm in Südkalifornien nachgewiesen und vom Besitzer eine hohe Vermittlergebühr empfangen. Eben ging gerade ein junger Mann weg, dem sie eine Stelle als Spritzcntreter bei der jüdischen Feuerwehr verschafft hatte, als Meyer sich melden ließ. „Ach der „Daatsch", sagte dieWlotschkern. „Sie waren lange nicht da. Run haben SieMlles besorgt, was ich Ihnen damals auftrug?" Sie holte aus ihrem Fach den Zettel, auf den sie sich bei dem ersten Besuche Meyers ihre Notizen gemacht. „Nicht Alles, aber Einiges." „Ist Ihre Schwester gekommen?" begann sie ihr Examen. „Ja." Meyer erzählte ihr^die Erlebniffe seiner Schwester. „Das ist gut." „Wissen Sie jetzt, wo Ihre frühere Braut her ist?" „Ja, aus Balta." Die Plotschkern sprang auf. „Aus Balta? Das ist doch ganz in meiner Mhe. Und was ist Herr Smitt für ein Landsmann?" *) Scheiden.