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Der Israelit · 1898-02-28 · Heft 17 (28.2.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 17 (28.2.1898)
Date
1898-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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304 Herzogs, gegen den Juden, der gleich zu Anfang seiner Laufbahn mit scheelen Augen betrachtet worden war. Allerdings that er auch durch seine Vornehmthuereien, seinen Hochmuth und die Entfaltung eines unsinnigen Luxus das Seinige, um sich verhaßt zu machen. Aber was kümmerte ihn das, er besaß ja die Gnade seines Herzogs, hatte von ihm ein Dekret, daß Alles was er gethan, auf Herzogs Befehl geschehen und von ihm gut geheißen sei. Beamte und Volk, alles mußte sich vor ihm beugen, ihm Geschenke machen, wenn man sich um ein Amt bewarb oder sich eines sichern wollte. Alle mußten ihm Liebe und Ergebung heucheln. Aber Joseph vertraute auf Menschen, und die Katastrophe trat über Nacht ein. Der Herzog stirbt plötzlich, wahrscheinlich durch Gift. Süß wird gefangen gesetzt, zuletzt auf dem Asperg. Da beginnt die Tragik. Er muß für das, was Andere gethan haben, büßen. Die christlichen Beamten gehen straflos aus. Sie wälzen die Schuld auf den unverantwortlichen Rathgeber des Herzogs. Dieser aber hatte nichts gethan, wodurch das Staatsgesetz verletzt worden wäre. In seinem eigentlichen Amte, der Münze, konntemanihmkeinUnrechtnachweisen.Aber es schadete nichts, der Jude mußte als Opfer fallen. Im Januar 1738 wird er nach zahlreichen Verhören, trotz seiner juristischen Unschuld, und ohne daß man ihm einen Rechtsbeistand gegönnt hatte, zum Tode durch den Strang, die entehrendste Strafe, verurtheilt. Man brachte ihn nach Stuttgart, er dachte man bringe ihn in sein Haus, allein der Wagen hielt vor dem Herrenhause in Stuttgart, wo die zuin Tode Verurtheilten ihre letzten Stunden zubringen. Da merkte er, was ihm bevorstand. Man verkündete ihm das Urtheil. Und nun geht er in sich. Er, der nie einen Juden angesehen, verlangt nun nach einem Juden mit dem Gebetbuch. Es erscheint ein Nathan Wolf und Schochet Seligmann. Sie bringen ihm Tephillo und Likutei Zewi. Aber auch evangelische Geistliche kommen, darunter ein Theologe aus Tübingen, ein getaufter Jude. Dieser begann mit dem Messias. Aber Süß wollte sich nicht unterhalten. Er wollte beten, beten. Da wird der Renegat selbst gerührt, er zeigt ihm das Gebet nrce wmn und Süß betet es nach. — Der Vikar setzt ihm hart zu. Aber Süß bleibt fest. Montag sieht er viele Juden bei sich; er hat Jahrzeit und betet; er ist ein anderer Mensch geworden. Man ersieht es aus seinen Gesprächen mit dem Vikare, die dieser ausgezeichnet hat. Der Dienstag kam heran und mit ihm die Vollstreckung des Urtheils, wie bekannt. Joseph Süß hatte gesündigt, aber nicht gegen das Staatsgesetz. Nur Gott hatte von ihm Sühne zu verlangen. Es war ein Justizmord an ihm vollbracht. Dieses hatte Prof. Mapprecht in Tübingen, dem man die Akten eingeschickt, ausgesprochen und auch der Herzog-Administrator schrieb auf den Rand: er mußte für Anderer Sünde büßen. Der Redner schilderte diesen letzten Theil in meisterhafter Weise, ernst, angemesien, fast rührend und zum Mitleid hinreißend. Der erste Theil des Vortrages erschien in anmuthiger Leichtigkeit und Lebendigkeit, anschaulich und mit Laune und Humor gewürzt. Eine streng historische Darstellung wie eben gehört, wäre eine verdienstvolle Arbeit für einen Historiker. Reichlichen Beifall lohnte den Redner für seinen vollendeten Vortrag. ** Skaisgirren, 18. Febr. (Das thörichte Gerücht von einem Ritualmorde) setzte unlängst, wie mitgetheilt wird, die hiesige Einwohnerschaft in Aufregung und macht auch gegenwärtig viel von sich reden. Vor einiger Zeit war das Dienstmädchen eines jüdischen Kaufmanns im Orte spurlos verschwunden; die angestellten Recherchen haben über das räthselhafte Verschwinden des Mädchens bisher keine Aufklärung gegeben, wohl aber Veranlassung zu dem erwähnten dunklen Gerüchte, welches ein trauriges Testimonium für den Aberglauben und die Intoleranz des Volkes ist. Der früher sehr stark frequentirte Laden des Geschäftsmannes steht fast leer; und der bedauernswerthe Geschäftsmann wird, selbst wenn Recherchen Erfolg haben, längere Zeit bedürfen, um das Vertrauen des Publikums wiederzugewinnen. Schweinfurt, 18. Febr. Mit gerechter Bewunderung muß man anerkennen, wie sich in unserer Gemeinde in letzter Zeit die Verhältnisse zu Gunsten unserer Religion geändert haben. Noch vor kaum achr Jahren vollständig auf dem Boden der Reform stehend, ist man dank der segensreichen Wirksamkeit des Herrn Diftriktsrabbiners D r. Stein, schon in solch hohem Maße zur Kenmntß und Würdigung echtjüdischen Geiste» und Streben» gelangt, daß sich gestern ein großer Theil der Gemeindemitglieder zur Gründung eines „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" zusammenfinden konnte. Der Gedanke zur Bildung einer solchen Vereinignng war von einigen Mitgliedern unserer Gemeinde ausgegangen und hatte auch sofort überall Beifall gefunden. Man beabsichtigt die Ziele des Vereins durch einen Cyclus belehrender Vorträge und Anlegung ein jüdischen Bibliothek zu erreichen und ist auch, nachdem Herr Dr. Stein sich bereit erklärt hat die Vorträge zu übernehmen, sowie auch im Uebrigen sich dem Vereine zu widmen, nicht daran zu zweifeln, daß es diesem gelingen wird, seine Aufgabe glänzend zu lösen. Indem wir ihm ein glückliches Gedeihen wünschen, hoffen wir zugleich, daß derselbe in hohem Maße dazu beitragen möge

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