Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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291 Schule sich steigert, und die Anmeldungen sich mehren, was wohl als beredtes Zeugniß angesehen werden darf, daß die Ziele der Anstalt gebilligt und deren Leistungen vortheilhaft gewürdigt werden. Seit Dccennien waren nämlich die Gesuche um Aufnahme in die hiesige Präparandenschule nicht so zahlreich erfolgt als im gegenwärtigen Schuljahre. Und konnte auch nicht allen Wünschen entsprochen werden, mußte auch gar manche« Gesuch leider unberücksichtigt bleiben, weil da« eine zu hohe Ansprüche an die Stiftung«kaffe stellte, das andere aber einlief, da die verfügbaren Räume nicht mehr eine Berücksichtigung zuließen: die Thalsache ist immerhin eine erfreuliche, daß der Zudrang zu unserer Anstalt sich gehoben, bei den Ellern dos Bestreben in Zunahme begriffen zu sein scheint, ihre Knaben dem Thorastudium zuzuführen, für ihre Kinder einen Beruf zu wählen, zer wohl reich ist an idealen Gütern, dagegen arm dan materiellen Schätzen. Freilich darf nicht verschwiegen werden, daß häufig auch andere Motive mitbestimmend sind, wenn Eltern oder deren Vertreter die Knaben dem Lehrerstande zuführen. Denn wäre es nur der religiöse Sinn, der jüd. Jünglinge zu ihrer Ausbildung hierher kommen läßt, warum sollen dann alle dieselben Lehrer werden? Ist es denn nur diesen eine Pflicht, sich mit den göttlichen Lehren vertraut zu machen, oder ist es uns nicht ein heiligstes Gebot, daß alle unsere Kinder in der Thora unterwiesen werden, welchem Berufe sie sich auch immer widmen! Soll diese doch in Israel Gemeingut werden! Kein Stand, kein Beruf ist hiervon ausgenommen; warum werden da so oft nur jene zugeführt, die Beamte jüdischer Gemeinden werden wollen? Diese Erscheinung, daß nur der Knabe, welcher Rabbiner, Lehrer oder Kantor werden soll, sich dem Thorastudium zuwendet, beziehungsweise nicht früher der Religionsschule entriffen wird, andere aber dieser auf Kosten der Religion schon in zartem Alter gar häufig genommen und in Schulen gegeben werden, woselbst für alles mehr als für den Religionsunterricht gesorgt ist, und daß selbst der Unterricht in den sogenannten Religionsscbulen oft gar zu viel zu wünschen übrig läßt, diese Thalsachen erklären vielleicht auch das so traurige Vor kommnist, daß Zöglinge in die hiesige Anstalt treten, ohne auch nur entfernt genügend vorbereitet zu sein. Aber von den Vorkenntniffen selbst abgesehen, scheint auch die religiöse Erziehung leider in vielen Familien sehr im Argen zu liegen, wenn ein Urtheil zulässig ist, das sich aufdrängt, wenn inan umsonst bei Neueintretenden manchmal nach Anknüpfung«punkten sucht, an die die religiöse Erziehung angelehnt werden soll. Da kann von einer abgerundeten, lückenlosen, vortheilhaften Eziehung wahrlich keine Rede sein, wenn Haus uno Schule so weit auseinander gehen! Ueberhaupt sind es manchmal die eigenthümlichsten Beweggründe, die dafür maßgebend sind, Knaben für den Lehrerberuf zu bestimmen. Einmal meinen die Eltern, das Kind sei zu einem Handwerke oder zu einem Geschäfte zu schwächlich, oder sonstwie ungeeignet, und deßhalb gut genug zu einem Lehrer! Ein andermal ist die „gute Stimme" maßgebend, oder man rechnet auf die Wohlthätiqkeit edler Menschenfreunde und dergleichen mehr! Diese Gründe dürfen allein nicht bestimmend sein, Knaben für den so verantwortungsvollen Beruf eine« jüd. Lehrer« als geeignet erscheinen zu lasten. Rur jene sollten dafür gewonnen werden, die in der Kindheit eine wahrhaft religiöse Erziehung genoffen haben, und die mit all' den Tugenden ausgestattet sind, die für einen dereinstige« Erzieher wünschenSwerth erscheinen: Wahrheitsliebe, offene«, freimüthigeS Wesen, Nächstenliebe, Bescheidenheit, Fleiß, Herzensgüte u. dergl., gepaart mit inniger Frömmigkeit wie auch ein normal entwickelter gesunder Körper und ein geweckter Verstand, das wären diejenigen Erfordernisse, womit die Knaben ausgerüstet sein sollten, welche sich auf den heiligen Beruf eines jüd. Lehrers vorbereiten wollen. Dann wäre eine Garantie gegeben, saß der jüd. Lehrerstand ein würdiger Stand, daß unsere Schule eine Pflanzstätte wird zur Heranbildung edler Menschen, echter Juden. Unsere Präparandenschule ist nicht nur eine Unterrichts- und Erziehungsanstalt, sie ist auch mit in erster Linie eine Stätte edler Nächstenliebe. Denn ihre weitaus meisten Schüler sind arme Knaben, theilweise dürftige Waisen, deren Unterhalt thatkräftige Unterstützung voraussetzen. Die Stiftung-kaffe, welche für Instandhaltung der Anstaltsräume, Lehrergehalte, Beheizung, Beleuchtung, Lehrmittel u. dgl. m. aufkommen muß, gewährt auch sämmtlichen armen Schülern entsprechende Subventionen. Doch kann sie auch bei bestem Willen nicht allen Anforderungen genügen. Deßhalb ist es dankbarst anzuerkennen, daß unsere armen Zöglinge auch in diesem Jahre in hochherzigster Weise uuterstützt wurden. Wie seit Jahren wurde auch im laufenden Schuljahre von höchster Stelle, dem Kgl. Staatsminifterium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten, durch die hohe Kgl. Negierung eine staatliche Unterstützung von 250 M. für würdige und dürftige, in Bayern beheimathete Präparanden gnädigst überwiesen. Dieselben sind an sechs Schüler vertheilt worden; die entsprechende Mittheilung ward vor den versammelten Zöglingen gemacht. Solche wurden hierbei aufgesordert, dieser hohen Gnade stets eingedenk zu bleiben und dereinst dadurch ihren Dank zürn Ausdruck zu bringen, daß sie sich jederzeit als treue Unterthanen und Staatsbürger erweisen, in inniger Liebe und