Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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290 Maingegend eine bedenkliche geworden. Nun kam eine Anzahl von Rabbiner in Frankfurt zusammen, die zu ihren Sitzungen auch Nichtrabbiner hinzuzogen, da mußte es sich erst um eine Verschwörung der Juden gegen die bestehenden Regierungen handeln, und in der That wurde auch eine Hochverrats Anklage gegen alle Juden erhoben, die den Kaiser lange Zeit beschäftigte. Bi» 1612 dauerte der Prozeß, der aber ergebnißlos verlaufen mußte, da die drei Uebersetzungen des Protokolls, die man zu besserem Vergleich an verschiedenen Stellen anfertigen ließ, die völlige Grundlosigkeit der Beschuldigung darthaten. Es waren Bestimmungen iiber Steuern, Gerichtssitze und Bannandrohung über civile Vergehen. Waren die Uebersetzungen nun auch vorhanden, so fehlte aber bis jetzt das hebräische Original, immerhin ein mißlicher Umstand, da Bosheit leicht vermuthen konnte, es fei absichtlich beseitigt worden, um die volle Wahrheit nicht an den Tag kommen zu lasten. Nun hat es ein glücklicher Zufall Herrn Dr. Horovitz im Stadtarchiv entdecken lasten, der durch die Herausgabe des Documents, das er mit Uebersetzung und erläuternden Anmerkungen »ersehen, die Quellenschriften der Geschichte der Juden in Deutschland in dankcnSwerther Weife ergänzt. — Wir wollen eS nicht Unterlasten, schon an dieser Stelle zwei neue bedeutsame Erscheinungen vorläufig zu registriren: „Das Mart yrolo gium des Nürnberger Mermorbuches", eine sehr fleißige, geschichtliche Arbeit des Rabbiners Dr. S. Salseld. Das Urkundenbuch, das hier eine gelehrte Bearbeitung erfahren hat, bekannt unter dem Namen „Mainzer Memorbuch", ist Eigenthum der iSr. Religionsgesellschaft zu Mainz und wurde, wie wir der Vorrede entnehmen, in liberaler Weise Herrn Dr. Salseld behufs Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Der Vers, hat seine Aufgabe in trefflicher Weise gelöst, und wir werden demnächst in einer besonderen Besprechung auf dieses Werk zurückkommen. — Epochemachend ist ein soeben erschienenes Werk nnn von Isaak Halevy (I. Kauffmann, Frankfurt a. M.), das die Zeit vorn Abschluß deS Talmud bis zu den letzten Gaonim behandelt. DaS immense Wisten de- Vers, verbunden mit kritischem Scharfblick hat hier ein Werk geschaffen, das ganz neue Bahnen weist, und'chie Hypothesen früherer Behandler dieser Epoche, wie Graetz und Weiß, wie spielend über den Haufen wirft. Auch diesem Werke wird in diesem Blatte eine besondere Besprechung gewidmet. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. LR Berlin, 16. Febr. Eine freudige Botschaft habe ich Ihnen zu melden, die überall, wohin sie dringen wird, freudigen Nachhall erwecken wird. Vor einigen Monaten habe ich in Ihrem Blatte das ehrenwerthe Schreiben mitgetheilt, welche» der Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Rom, der Marquise Visconti Venosa, an den Docenten des Rabbiner-Seminars Herrn Dr. A. Berliner gerichtet hat, um ihm Anerkennung und Dank für besten Geschichte der Inden in Rom zu zollen. Der Minister ließ es hierbei nicht bewenden; er schlug dem Könige vor, den Verfasser, der als gelehrter Forscher in den Bibliotheken Italiens seit 25 Jahren bedeutende grundlegende Materialien für die Wissenschaft zu Tage gefördert hat, besonders auszuzeichnen. Der König willigte sofort darein und verlieh dein Dr. Berliner das Gcoßkreuz des Kconenorden», der letzterem durch unseren Cultusminister ausgehändigt wurde. Es herrscht in hiesigen Kreisen große Freude über diese Auszeichnung, nicht allein des würdigen, verdienstvollen Gelehrten wegen, sondern auch über die Anerkennung, welche indirekt für die jüdische Wistenschaft selbst ausgedrückt ist. Dem neuen Ritter aber rufen wir zu: rfan aai! Höchberg. Dem Jahresbericht der Lazarus Ottensoser Stiftung für die Israelitische Präparandenschule (Talmud-Tyoca) Höchbei g (Bayern) für 18.)0, bezw. 1S96/97 entnehmen wir: Durch den Zufluß reichlicherer Spenden und Legate ist es uns mit G. H. gelungen, nicht nur die zur Erhaltung und Förderung der Präparandenschule erforderlichen Mittel aufzubringen, sondern daß mir auch in der angenehmen Lage waren, den Zöglingen eine größere Ünterstützungsquote auswerfen zu können, was für viele derselben eine sehr große Wohlthat war. Es sei biermit allen denen, die, sei es aus eigenen Mitteln oder durch Veranlastung anderer zur Förderung unsere» hochwichtigen Werkes beigetragen haben, der innigste Dank zum Ausdruck gebracht. Damit nun aber ganz besonders obenerwähnte, nur allzu nothwendige Erhöhung der Unterstützungen auch für die Folge gewährt werden kann, fühlen wir uns zu der innigsten Bitte veranlaßt, daß die Freunde unserer Stiftung in ihrem Wirken nicht erschlaffen und immer mehr neue Gönner derselben ihr Wohlwollen entgegenbringen möchten. Wenn e« bei Privatanstalten eine Seltenheit ist, von Anerkennungen berichten zu können, so Ist es um so erfreulicher, mit einer solchen den diesjährigen Jahresbericht beginnen zu dürfen. Denn al» solche ist e« wohl auszufaffen, wenn der Zudrang zu einer