Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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292 unverbrüchlicher Treue aber unserem erhabenen, hohen Herrscherhause zugethan sein mögen. Dann gebübrt einem unermüdlichen hochherzigen Wohlthäter (N. N.) der allerinnigste Dank, da derselbe— wie seit vielen Jahren auch im gegenwärtigen durch Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fromm, Frankfurt a. M., der Vorstandschaft eoelmüthig die Summe von 1100 M. zur Verfügung stellte, wovon die Hälfte zur theilweisen Begleichung der Kostrechnungen armer Schüler Verwendung gesunden hat, während die andere Hälfte der Stiftungskasse überwiesen wurde. Ebenso erhielten mehrere Zöglinge namhafte Unterstützungen von einem Wohlthäter in der Provinz Hessen-Nassau. Von wohlthätigen, edlen Glaubensgenossen in Würzburg werden unsere Präparanden fortgesetzt durch monatliche Geldzuwendungen thatkräftigft unterstützt. Auch von der „Freien Vereinigung für die Interessen d. o. I. zu Frankfurt a. M." erhielten mehrere Zöglinge gütige Subventionen, dergleichen mehrere von der Administration der isr. Kultusgemeinde Nürnberg und endlich ein Zögling von dem „Studium- und Arbeitsbeförderungs-Verein für Israeliten in Bayern A. V." Den wackeren hochherzigen Spendern und den verehelichen Korporationen der herzinnigste Dank! Rumänien. 'i Bukarest Monsieur Marion, ein Abgeordneter, hat gelegentlich der Interpellation M. Marglnlomann Gelegenheit genommen, Beweis zu führen, dag bei den Exzessen vom 5. Dez. v. I. die Regierung direkt und indirekt die Ausschreitungen veranlaßt hat. Unter der Convenienz der Polizei wurden anl vorhergehenden Tage mehr als 20 000 Exemplare eines Pamphletes vertheilt, dessen Titel, „Nieder mit den Juden", die rohen Instinkte der Massen aufreizen mußte. Alsdann siild Massen von Vagabunden und dem niedrigsten Pöbel gemiethet worden und zwar von bekannten Agenten des Geheimfonds der Negierung. Jeder der Angeworbenen erhielt drei bis fünf Francs und freies Getränk und es wurden ihnen in Aussicht gestellt, daß sie am Sonntag ungestraft und ohne Einschreiten der Polizei die Läden der Juden plündern dürften. Als die während der Excesse verhafteten Individuen dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden, haben viele von ihnen ansgesagt, daß sie durch Geheimagenten der Polizei gemiethet wurden, um Schaufenster cinzuschlagen, Thüren und Fenster zu zerbrechen und die Inden niederzuschlagen, die sich vertheidigen oder der Plünderung widersetzen würden. An die Spitze dieser Banden stellte man Studenten, denen man dafür Stipendien und kleine Aemter von Regierungswegen versprach, während man denjenigen, die sich weigerten solche schmähliche Aufträge zu übernehmen, mit der Entziehung ihrer Stipendien drohte. Mit allen diesen Mitteln erreichte man dann freilich einen großen Erfolg. 500 jüdische Häuser und 150 Läden wurden geplündert, auch der große Tempel, die große Synagoge und die Synagoge der Strader Namulari. Der gesammte Schaden beläuft sich auf l1/» Millionen Frcs., der bekanntlich nach dem Versprechen des Königs den Geschädigten voll ersetzt werden sollte. Aber die Regierung hat dieses Versprechen nicht gehalten. Unter 1<0 jüdische Familien, die rumänische Unterthanen sind, ist eine Summe von im Ganzen 10 000 Frcs. vertheilt worden, noch nicht ein Prozent des Schadens und als die Ruinirten um ihre Ver-_ luste jammerten, gab ihnen der Generalsekretär im Ministerium des Innern Moscüna den höhnischen Rath sich an die Alliance nach Paris zu wenden, die ja Milliarden Geldes in ihrem Kelllr habe. Die geschädigten Synagogen haben nicht den geringsten Ersatz haben können, dagegen sind die christlichen Hausbesitzer für ihre Verluste vollkommen schadlogehalten worden. Von den Juden, welche fremde Unterthanen sind, haben die Deutschen, Oesterceicher und Engländer Dank der energischen Intervention ihrer Gesandten, vollen Ersatz erhalten, dagegen sind die französischen Unterthanen überhaupt nicht entschädigt worden, weil es die französische Gesandtschaft an der nöthigen Energie hat mangeln lassen. Diese Intervention der Großmächte hat aber freilich den Zaren der rumänischen Minister aufs Aeußerfte erregt, und der Minister des Innern, M. Phörekydes, hat öffentlich erklärt, daß, solange er Minister sei, er sich bemühen werde, an den rumänischen Juden Rache zu nehmen für diesen Eingriff der Großmächte. In der Kammir liegt gegenwärtig ein neues Gesetz über den mittleren und höheren Unterricht vor. Man behauptet, daß die Minister Staadera und Harock erklärt hätten, daß sie bei allen Artikeln Amendirungen zugebcn würden, nur nicht bei dem einen Artikel der die Juden vom höheren und mittleren Unterricht ausschließt. Die Bestrebungen der Juden, eine Ablehnung dieser Bestimmung herbeizuführen, werden unter diesen Umständen vergeblich sein. Sei der Redarlion neu eingegangcne Sucher. La Lanterne de Henri Strauss. AuBeauregardde la Chambre des Honorables, Encore Dreyfus-Esserhazv, Les Erneutes en France. La Bande Bochefort, Drumond et Cie., Zola en Assises, Execution du Clown Bochefort. AmEnde desJahrhunderts. Rückschau auf 100 Jahre geistiger Entwickelung. HerauSgegcbcn von Dr. Paul Bornstein. Band III. Juden und Judenthum im neunzehnten Jahrhundert von Dr. S. Bernfeld. Berlin 1898. Siegfried Eronbach. Predigten von Dr. Kalischer, Rabbiner in Kopenhagen. Berlin 1898. Albert Katz. Judenthum und Proselytismus. Ein Vortrag von Dr. N. L-amter. Breslau 1897. Wilh. Jacobsohn u. Co.