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Der Israelit · 1898-02-23 · Heft 16 (23.2.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 16 (23.2.1898)
Date
1898-02-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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283 zu suchen wären, sind überhaupt noch nicht zerlegt worden, sondern befinden sich sämmtlich in brauchbarem Zustande in unseren Beständen; unter den Gewehren M. 88 haben sich die Löwe'schen Fabrikate ebenso bewährt, wie die Gewehre aus anderen Fabriken. (Hört!) Abg. Richter: Danach steht es mit dieser Behauptung des Abg. Ahlwardt ebenso wie mit seinen andern Behauptungen. (Heiterkeit.) Oe st e rr.-Ungar. Monarchie. ** Budapest, 15. Febr. Der Gesetzentwurf über die Ergänzung der Seelsorgerbezüge ist dem Abgeordnetenhause vorgelegt worden. So sehnsüchtig dieser Entwurf von den Seelsorgern aller Konfessionen erwartet wurde, so enttäuscht find die Rabbiner. Die Ergänzung der Bezüge auf 1200 respektive 1800 Kronen wird nämlich an eine Bedingung geknüpft, die die Wohlthaten des Gesetzes für die Rabbiner illusorisch macht. Es sollen nämlich nur jene Seelsorger berücksichtigt werden, die ein Abiturientenzeugniß aufweisen können. Rabbiner, die auf die staatliche Unterstützung angewiesen sind, haben diese Qualification nicht. Die orthodoxen Rabbiner, die durch diese Verfügung am härtesten getroffen werden, wollen an den Kultusminister eine Abordnung entsenden, die ihm die Bitte vorlegen soll, es möge nur die bisher übliche Qualification als Bedingung festgestellt werden. Frankreich.? Paris. Die hochgradige Aufregung, die der Dreyfuß-Prozeß hervorgerufen hat, hat sich am vorigen Freitag in einigen Exzessen gegen die Juden Luft gemacht. Bei dieser Gelegenheit ist auch die Fabrik von Bern heim in der rue Chanzy durch die Exzedenten angegriffen worden, wobei alle Fensterscheiben durch Steinwürfe zerschmettert und eine Person verletzt wurde. Herr Bernheim hat sich nun durch den Deputirten seines Bezirkes Herrn Lockroy an den Minister des Innern gewendet, und ist von diesem am 16. empfangen worden. Er erzählt über seine Zusammenkunft mit Monsieur B a r t h o n, dem Minister des Innern, einem Ausfrager des TempS Folgendes: „Ich sagte Monsieur Barthon rund heraus, wenn er nicht sehr energische Maßregeln ergreife, um die Wiederholung der Vorkommnisse, wie ich sie erzählte, zu hindern, so würde ich meine Fabrik schließen, und mit meiner Frau und meinen fünf Kindern nach Nizza oder anders wohin gehen, jedenfalls in ein Land, wo die französischen Bürger jüdischen Stammes mehr Sicherheit genießen, als in der Stadt des Lichtes. Ich habe ihn außerdem benachrichtigt, daß ich ihm dann die 2000 Arbeiter zuschicken würde, die das Eingehen meiner Fabrik ohne Brod lassen würde. Monsieur Barthon hat nun sein lebhaftes Bedauern, wegen der Angriffe, dessen Opfer ich wurde, ausgesprochen, und hat mir die Zusicherung gegebeu, daß ich in Zukunft beschützt werden würde. Thatsächlich ist seit gestern die Zahl der Schutzleute in meiner Straße und in den Bureaux vermehrt worden. Diese Maßregel scheint mir notwendig, denn ich habe erfahren, daß am Abend des Exzesses im ganzen Bezirk nicht mehr al» zwölf Schutzleute disponibel waren. Paris, 21. Febr. Zola hielt eine wunderbare Vertheidigungsrede. Zur Kennzeichnung derselben seien nur folgende drei Sätze aus derselben mitgetheilt. Ich versichere, daß die Armee entehrt wird von jenen, welche den Ruf: „Es lebe die Armee!" mit Rufen: „Nieder mit den Juden!" vermischen. Die Affaire Dreyfus ist zur Stunde recht ferngerückt, aus ihr ist die furchtbare Frage hervorgewachsen, ob Frankreich noch das Frankreich der Menschenrechte ist, ob wir in Europa unfern alten Ruhm der Billigkeit und Menschlichkeit bewahren können. Die Bewegung hat ganz Europa ergriffen und das Ausland ist doch nicht notwendiger Weise der Feind. ** Paris Wie Judenhaß sich zum Fremdenhaß überhaupt auswächst, beweist Louis Teste in einer Studie, die er in einem Brüsseler Blatte veröffentlicht hat. Die Idee einer Bartholomäusnacht gegen die Juden, schreibt er, habe wie ein Blitz durch den französischen Volksgeist gezuckt. Sollte ihr Appell an Deutschland Erfolg haben und zu einem Kriege führen, so würde am Tage nach der Kriegserklärung gewiß kein lebender Jude mehr in Frankreich sein; man würde sie bis zum Letzten erwürgen. Keiner werde übrig bleiben, möge er sich auch französischer als der Herzog von Orleans und katholischer als der Papst geberden. Angesichts der Protestanten, Freimaurer, Freidenker, Sozialisten und Anarchisten, die den Juden sich anschlössen, sei auch der Gedanke eine- Religionskrieges wieder erwacht, und es bedürfe nur wenig, um diesen zum Ausbruch zu bringen. Er sei ein Mann der Ordnung, erklärte Teste schließlich, aber auf die politischen und kirchlichen Sektirer, sowie auf die Fremden, die mit Dreyfus gemeinsame Sache machen und zum Dreibund halten, würde er mit Vergnügen die Flinte anlegen und die Kerle niederschießen, die das Vaterland und die nationale Religion bedrohen. — Das ist nun allerdings der helle Wahnsinn, aber leider steckt Methode darin und — eine starke Partei dahinter. Türkei.? Salonichi. Ein gehässiger Angriff auf das Gefühl der Juden in unserer Stadt ist erfreulicherweise abgeschlagen worden. In der Druckerei der Franziskaner erschien ein Almanach, der unter ande-

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