Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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284 rem auch eine Darstellung des Dreyfusfalles enthielt. Der Schreiber dieser Erzählung nannte nicht blo- Dreyfu»', sondern alle Juden Verräther und beschimpfte dieselben auf das heftigste. Dieser Ausfall erregte um so mehr Zorn, al» die Juden in vorzüglichem Verhältniß mit den andersgläubigen Bürgern leben. Der Superior der Franziskaner, der den schlechten Eindruck des Pamphlets bemerkte, hat sich beeilt dasselbe zu unterdrücken und sich in einem offenen Schreiben an die jüdischen Notabilitäten zu entschuldigen. Amerika. ** New-Uork, 18. Febr. An Altersschwäche — er war 1809 in Otterberg in der Rheinpsalz geboren — schied am Freitag den 14. v. M. im Hause seines Sohnes Isidor, Nr. 23 West 56. Straße. Herr Lazarus Straus, einer der bekanntesten Deutschen New-Aork's. Der „New-Dorker Herold" widmet ihm folgenden Nachruf: In Herrn Lazarus Straus, der gestern im Alter von 89 Jahren gestorben ist, hat New-Jork einen seiner geachtetsten Geschäftsmänner und besten Bürger verloren und die Angehörigen des Verstorbenen einen Vater, der ein Patriarch im echten Sinn der Wortes war und zu dem alle Mitglieder seiner großen Familie als zu ihrem Haupte mit Verehrung hinaufschauten. Wenn je das alte Bibelwort sich bewährt hat, welches heißt: des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser, so hat er sich hier bewährt — die drei Söhne der Verstorbenen sind hochgeachtete Bürger und Geschäftsleute, und haben auch schon höhere politische Ehrenstellungen bekleidet — Herr Oskar Straus war Gesandter in der Türkei, Herr Nathan Straus ist jetzt Präsident der Gesundheitsbehörde von Groß-New-Pork und Herr Isidor Straus war Mitglied des Congreffes. Aber als sie schon in Amt und Würden waren, sind sie doch ihrem alten Vater gegenüber nie etwas Anderes gewesen als gehorsame Söhne, die seinen Rath einhollen und seine Wünsche befolgten — und der Segen ihres Vaters ruht auf ihnen. Zu ihren schönsten Erinnerungen wird es stets gehören, daß sie sich auch noch als Männer jeden Freitag Abend, wenn sie hier waren, im Hause de» Vaters versammelten und daß dann die Mahlzeit nach der Sitte der Väter mit dem orthodoxen hebräischen Tisch-Gebete eröffnet und geschloffen wurde. Rev. Osias Hochglück. Indien.? Bombay. Die leider immer noch steigende Wuth der Pest hat die Notabilitäten der hiesigen jüdischen Gemeinde veranlaßt, eine Versammlung einzuberufen, um ein eigenes Pestspital in das Leben zu rufen. Allgemein ist das Bedürfniß anerkannt worden und eine Kommission mit der Aufgabe betraut, die nöthigen Schritte zu thun, um bald ein Peftspital zu eröffnen, während eine zweite die nöthigen Sammlungen hier und in London ins Leben rufen soll. Wir hoffen auch auf die Hilfe von Dr. Woldemar Mordechai Haffkin, dessen Pestserum, wenn es auch nicht unfehlbar ist, doch die glänzendsten Erfolge hat. So in Kirkee, wo von 1530 Einwohnern 671 geimpft wurden, während 859 sich weigerten. Von den Geimpften erkrankten 32, davon 17 tödtlich, von den anderen aber 143, davon 98 tödtlich. In Sancroli wurden von 700 Einwohnern 323 geimpft, davon erkrankten 14 und starben sieben an der Pest. Schon sind sechs Jmpfstationen von der Stadtgemeinde Bombay errichtet, aber leider ist das Vorurtheil der Eingeborenen einer weiteren Ausbreitung der Impfung noch hinderlich. Vermischtes. Ararrkfurt <*. M. 3lm vergangenen nnttf hielt Herr Rabbinats-Cand. Sinai Schiffer, ein Zögling der ny^’ Sr.Hochwürden Herrn Rabbiner Dr. Breuer, im hiesigen russischen Union m einen gediegenen, inhaltreichen tiniü'- Vortrag. Redner erfreute sich eines allgemeinen Beifalls von Seiten einer stattlichen Anzahl von begeisterten Zuhörern. Krakau. Die letzten Ernennungen von Auscultanten im hiesigen Gerichtssprengel haben die schmachvolle Angelegenheit der Umgehung der jüdischen Rechtspraktikanten wieder auf die Tagesordnung gebracht. Auch diesmal, obwohl viele Ernennungen erfolgten, wurden sämmtliche jüdische Praktikanten umgangen. Ein Schrei der Entrüstung ging durch die hiesige intelligente Judenschaft und es wurde eine Action unternommen, um diesem schmachvoUen Zustande ein Ende zu machen. Die Anregung hiezu ging vom Präsidenten der hiesige Cultusgemeinde Dr. Leon Hcwowitz und vom Vice-Präsidenten der Cultusgemeinde Hirsch Landau aus, die diesbezüglich alle gesetzlichen Mittel anwenden wollen, um die Frage zu einem gedeihlichen Abschlüsse zu bringen. Demnächst begiebt sich von hier eine Deputation unter Führung des Präsidenten Dr. HorowitzIzum Justizminister behufs Klarlegung des Sachverhaltes. Es ist bezeichnend, daß sich die Führer der Juden in Galizien, die stets den Polen-Club unterstützten, zu einem energischen Schritte doch aufraffen, während unsere jüdischen Abgeordneten aus Galizien, die vor den Wahlen schöne Versprechungen machen, sich weiterhin passiv in dieser Frage verhalten. Stratzburg i. E. (Konfessionelle S t a t i st i k.) Der »Evangelisch-protestantische Kirchenbote" veröffentlicht in seiner letzten Nummer eine ausführliche Konfessionelle Statistik. Derzufolge ist in dem Zeitraum von 1871—95 die katholische Civilbevölkerung des Reichslandes von 1223000 auf 1 213 000 zurückgegangen, während sic in Straßburg von rund 43 000 auf 61000 gestiegen ist. Die protestantische Civilbevölkerung ist in derselben Zeit im ganzen Land von 250 698 auf 311085 gestiegen und in Straßburg von 31 000 auf 54 000. Hingegen ist die israelitische Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, innerhalb dieser Zeit von 40000 auf 32000 zurückgegangen, in Straßburg aber von 3000 auf 4000 gestiegen. Demnach hat die Bevölkerung im ganzen von 1871 bi» 95 um rund 44 000 zugenommen.