Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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282 gliedern der Schiffschul, des Beth Hamidrasch und des Talmud Thora-Vereins mit den Vorständen hinbegeben, um ihrem Vereinsrabbiner das letzte Geleite zu geben. Am nbv rra in Mattersdorf hielten vnvon Obcrrabbiner B. Ehrenfeld aus Mattersdorf, Oberrabbiner Friedmann aus Deutsch-Kreuz und Vereinsrabbiner Kohn aus W. Baden. Besonders ergreifend wirkte der nvvn des Rabbiners aus D.-Kreuz. Hernach wurde der tow der Mutter Erde übergeben. Wir schließen mit dem Wunsche, daß der Allgütige unsere Gemeinde und bz vor solchen herben Verlusten behüten nud der trauernden Familie seinen göttlichen Trost spenden möge, rrajwn H. L.r. Zettrmg-irachrtchteir urrv Korrespondenzen Deutschland. LR. Berlin, 20. Febr. Aus der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde habe ich nur zu berichten, daß die Petenten zur Einführung eines Sonntagsgottesdienstes abschläglich beschieden wurden. Von 2l Repräsentanten stimmten 1v dagegen. 2 dafür. Letztere, die Häupter der hiesigen Reformgemeinde, die Herrn Rudolf Moffe und Stadtrath Weigert. Ueber die Reden der Herren Profefforen Lewin und Baginrky werde ich mich noch später aurlaffen. Mit Gottes Hilfe haben wir jetzt vor den Rettern des Judenthums Ruhe, welche die Zeit der Verschmelzung Israels mit anderen Völkern herbeiführen wollen. Berlin, 22. Febr. (Deutscher Reichstag.) Die Berathung des Militäretats wird fortgesetzt bei den Ausgaben für die Militärjustizverwaltung. Beim Kapitel Geldverpflegung, und zwar bei den Besoldungen der Militärärzte sagt Abg. Bebel (Soz.): Die Gehälter der Militärärzte find sehr niedrig, zumal sie eine Privatpraxis sich kaum erwerben können, da der Aerzteftand ohnehin stark überfüllt ist. Es giebt in den großen Städten fast ein Aerzteproletariat. Die Stellen der Militärärzte sind daher durchaus nicht begehrt und es ist auch eine große Zahl derselben unbesetzt, besonders weil bei der Besetzung ein gewisser Antisemitismus herrscht. Man will keine jüdischen Aerzte annehmen. Kriegsminister v. Goßler: Mir ist keine Bestimmung bekannt, wodurch die Annahme jüdischer Aerzte ausgeschlossen ist, wir haben eine Reihe von Aerzten höheren Ranges, die jüdischen Glaubens sind. Abg. Bebel: Man gewinnt den Eindruck, als ob jüdische Aerzte systematisch der Armee fern gehalten werden. Ausdrückliche Bestimmungen werden weder beim Militär, noch bei der Justiz, noch bei der Verwaltung vorhanden sein, daß Juden nicht angenommen werden; ebenso wenig besteht eine Bestimmung, daß ein übergegangener Offizier seinen Abschied nehmen soll. Tatsächlich richten sich aber die Offiziere nach dieser Regel. Kriegsminister v. Goßler: Ich kann dem Vorredner nur sagen: Militärärzte werden nicht nach der Religion, sondern nach der Fähigkeit ausgesucht. Abg. I s k r a u t (Antis.): Um seine Ausführungen interessant zu machen, hat Herr Bebel die Judenfrage natürlich in philosemitischem Sinne angeschnitten. Daß so wenig jüdische Aerzte in der Armee sind, beruht darauf, daß der Geist unserer Armee wenig Aehnlichkeit mit dem jüdischen Geiste hat. Wenn die Gehälter der Militärärzte erhöht werden, werden sich auch mehr jüdische Aerzte für diese Stellen finden. Abg. Lieber (Centr.): Von einem Zudrange zu den Stellen der Militärärzte kann bei 1786 unbesetzten Stellen keine Rede sein. Der Kriegsminister hat schon richtig geantwortet, daß die Aerzte nach den Fähigkeiten ausgewählt werden: das ist selbstverständlich, nachdem man die Juden emancipirt hat. Abg. Bebel: Herr Jrkcaut glaubt ja, daß die Sozialdemokraten sammt und sonders dem Judenthum verschrieben sind. An dieser seiner Anschauung kann ich nichts ändern. Wenn die Aerzte lediglich nach der Fähigkeit angestellt werden, so ist das durchaus zu loben; aber es ist eine Thatsache, daß die Juden einen hohen Prozentsatz geschickter Aerzte stellen. Abg. Iskraut: Herr Bebel hat erst einmal mit mir diskutirt (Zuruf Bebels: Davon hatte ich gerade genug!) und sich dabei einen Ordnungsruf zugezogen. Der Gegensatz von jüdisch ist nicht christlich, sondern deutsch. Abg. Richter (Fr. Vp.): Das ist allgemeines Gerede. (Zuruf JskrautS: Aber es ist interessant!) Wo zeigt sich der Geist der Armee mehr als im Kriege? 1870 haben über 2000 Juden am Kriege theilgenommen, darunter befanden sich auch Offiziere und Aerzte. Diese Juden haben 83 eiserne Kreuze erhalten, davon entfallen 36 auf jüdische Aerzte. Bei den Ausgaben für.die Handfeuerwaffen weist Abg. Richter darauf hin, daß Abg. Ahlwardt behauptet habe, daß ganze Wagenladungen von zertrümmerten Löwe'schen Gewehren nach Hörde verkauft und dort eingeschmolzen worden seien. Generalmajor v. d. B o e ck: In Metz und Rastatt hat eine Zerlegung alter Waffen, darunter auch alter französischer Gewehre ftattgefunden. Die Metalltheile davon sind veräußert worden und zwar an die Firma Herz in Metz. Von dort sind sie auch vielleicht nach Hörde verfrachtet und dort eingeschmolzen worden. Gewehre M. 88, bei denen allein die Judenflinten