Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1898)
- Date
- 1898-02-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448873--45501-2495801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIX. Jahrgang. Erste Beilage M JUS 16 irs „Israelit^. Ltttender Artikel. Rabbi Josef Beer Aohn 1"'. Wien, 21. Februar. Der Telegraph ist mir bereits vorausgeeilt und hat Ihnen die erschütternde Kunde von dem Hinscheiden des Rabbiners des Beth Hamidrasch „Thora Ez Chaim" und des Talmud Thora Vereines, des ersten p'i der „Schiffschulgemeinde" des nie man m bw pz iys?pv gebracht.*) Kaum sind vier Jahre seit dem Hinscheiden des unvergeßlichen mra pitan sin im untres» verfloffen und schon hat die wackere Schaar der Gesetzestreuen Wiens einen zweiten großen Verlust zu beklagen durch das Hinscheiden des Schwiegersohnes desselben fam. Wenn auch der Eintritt dieses Todesfalles, dessen zahlreiche Freunde und Verehrer nicht unvorbereitet traf, da der Verblichene bereits seit Monaten hoffnungslos darnieder lag und ihn die Aerzte schon längst aufgegeben hatten, so wirkte doch die Nachricht von dessen Hinscheiden, in Anbetracht dessen, daß derselbe im schönsten Mannesatler im fünfundvierzigsten Lebensjahre vom unerbittlichen Tod dahingerafft wurde, erschütternd und ergreifend nicht nur auf die große Schaar seiner Gemeindemitglieder, sondern auch aus unsere, einer anderen Richtung huldigenden GlaubenSgenoffen. Diese allgemeine Theilnahme kam auch am prägnantesten bei der p*»o 7 V2 Uhr Abends stattgefunden nito zum Ausdrucke. Schon eine Stunde früher war die Herminengaffe, wo das Trauerhaus sich befindet und die angrenzenden Gassen voll von theilnehmenden Gemeindemitgliedern. Im Trauerhause hatten sich alle Vorstandsmitglieder der Schiffschul und des Beth Hamidrasch wie auch aller hiesigen Tempelvereine eingefunden. Vom Rabbinate waren die Herren Oberrabb. Dr. Güdemann, Rabb. Dr. Schmied! und Breier erschienen, der Cultusvorstand war durch den Vicepräsidenten Landesschulrath Dr. Gustav Kohn und die Vorstandsmitglieder Dr. Adolf Berger, Arthur Edler v. Mieses, und Dr. Marcus Spitzer vertreten. Nachdem der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner Weber aus Rethe und dessen Schwager, Vereinsrabbiner 3t. Friedmann von dem Dahingeschiedenen, in herzergreifenden, die Versammlung zu Thränen rührenden Worten Abschied genommen, wurde der 122a von den Vorstandsmitgliedern der „Schiffschul" des B'n py nun enion rrs und des nur. ura^r-Vereins zum Wagen getragen und *) Das Telegramm konnte nur noch in einem kleinen Theil der Auflage unserer jüngsten Nummer Aufnahme finden. Red. d. Jsr. der Trauerzug setzte sich in Bewegung. Die finstere Nacht, der fternenlose Himmel, die dunkle Masse der nach Tausenden zählenden Begleiter, die lautlose, durch das dumpfe Gemurmel des p'fy irroa sw kaum unterbrochene unheimliche Stille machte auf jeden Theilnehmer einen gewaltigen Eindruck. Vor der „Schiffschul" wurde Halt gemacht und die sterbliche Hülle des Verblichenen in den großen Hof des Kunstad'schen Gartens gebracht. Da dort schon Hunderte von Personen Posten gefaßt hatten, herrschte ein lebensgefährliches Gedränge. Nun bestieg Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Fürst die im Hof errichtete Kanzel zu einem die ganze Versammlung tiefergreifenden Nachrufe, vondemwir aus Mangel anRaum nur einen kleinen Theil auszugweise wiedergeben können. Anknüpfend an die Schlußworte des erst p’twa recitirten 145. Psalm David's la'nmnia nmar fw am*» pxi pe> px, „daß kein Bruch, kein Abgang und kein Klageschrei in unseren Straßen gehört werde", gab Redner seinem tiefgefühlten Bedauern darüber Ausdruck, daß wir leider das Gegentheil beklagen müssen, entwarf den I. VerS im Kap. 4 '2 onbo: benützend: 'an nwo rnx mm nyu nrw ,na ’P'x -payie>6 npjn owaan *i xi' n»n -pay '2 ein getreues Bild deS Dahingeschiedenen, der in erster Linie der treue Diener seiner Gemeinde und dann erst der Gatte seiner Frau gewesen, weil ihm dar Interesse und das Wohl seiner Gemeinde mehr gegolten, als daS seiner Familie, und daß seine bedauernswerthe Gattin mit Recht ausrufen könne na 'L"x 71a», er war erst ■pay, dann erst Nachdem Herr Rabbiner Fürst noch die große Bedeutung des Verblichenen als wvbr van und dessen Gottergebenheit und npix hervorgehoben, schloß er mit einem Appell an die Gemeinde, der tieftrauernden Wittwe, sowie den zwei unmündigen Kindern die vollste Unterstützung angedeihen zu lassen. Nachdem noch der zweite pn der Schiffschulgemeinde, der Vereinsrabbiner im Beth Hamidrasch praixataia spr mo am einen tieferschütternden, die ganze Trauerversammlung zu Thränen rührenden ison gehalten und seinen tiefen Schmerz über den Verlust seines Freundes und Amtskollegen mit der Citirung des Klageliedes David's aus Jonathan ix fnnr 'nx 'b Ausdruck verlieh, wurde die nvv gehoben und unter Begleitung von Tausenden von Teilnehmern bis zur Stefaniebrücke geleitet, von wo aus derselbe per Wagen über die Landstraße zur Bestattung nach Mattersdorf, dem Geburtsorte des Verblichenen, überführt wurde. Zum Begräbnisse, das Montag um 11 Uhr dort unter großen Ehren und riesiger Theilnahme der dortigen Judenschaft stattgefunden, hatten sich eine große Zahl von Mit-