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Der Israelit · 1898-02-23 · Heft 16 (23.2.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 16 (23.2.1898)
Date
1898-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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277 Ueberblick über die Unruhen seit dem Jahre 1881, verbreitet sich lange über die letzten Unruhen in Algerien und wirft dem Präfekten vor, nicht im Einverständniß mit den städtischen Behörden gehandelt, vielmehr Zwangsmaßregeln ergriffen zu haben, die die Gemüther erregten. Redner warf schließlich der Regierung vor, eine schlechte Organisation in Algerien getroffen zu haben. Der Deputirte Bourlier hob Samary gegenüber hervor, eine Judenfrage sei in Algerien nicht vorhanden. Man betreibe dort die Judenfrage zu persönlichen Zwecken. (Beifall.) — Barthou führt aus: Es werde ein Dekret erlaffen, wodurch die polizeiliche Einheitlichkeit Algeriens gesichert werde. Die allgemeine Politik werde darin bestehen, daß man sich von allen Koterien fernhalte und die Organisation Algeriens fortführe. Die Regierung wünsche, den Arabern allmählich das Wahlrecht zu verleihen; diese zögen aber vor, ihre Nationalität zu bewahren. Man müffe dem Wucher Einhalt thun und den landwirthschaftlichen Kredit ausbilden. Die Individuen, die plünderten, waren zumeist Ausländer. Barthou erklärt ferner, er sei gegen die Aufhebung des Cremieux'schen Dekrets, gegen die Revision der jüdischen Vermögen und Massenaustreibung der Juden. (Beifall.) Der Minister schloß: Es sind Maßnahmen getroffen, die Ordnung zu sichern. Die Regierung wird nicht zulassen, daß ein Unterschied zwischen den Rassen gemacht wird. (Anhaltender Beifall.) Der Minister acceptirt die inzwischen von Gerville eingebrachte Tagesordnung: In Erwägung, daß die Politik unabhängig von den Fragen der Raffe und Religion allein die Ruhe und Sicherheit Algeriens sichern kann, unter Billigung der Erklärung der Regierung geht die Kammer §ur Tagesordnung über. Diese wurde mit 361 gegen 80 Stimmen angenommen. Die Sitzung wurde hierauf geschloffen. Rußland.? St. Petersburg. Dem Unterrichtsminister ist die Frage vorgelegt worden, ob jüdische Zahnärzte im Staatsdienst angestellt werden dürfen. Es hat sich nämlich ein solcher bei einem Staatsgymnasium gemeldet, der Minister hat aber gegen seine Zulassung entschieden. — Das Spiritusmonopolist nicht nur gegen die Juden gemacht worden, es wird auch mit der äußersten Strenge gegen dieselben durchgeführt. So wird ihnen nur gestattet Restaurants erster Klaffe zu halten, das heißt solche, bei denen sie außer den gewöhnlichen Taxen noch eine besondere Steuer von 1000 Rubel zu entrichten haben. Der Stadtrath von Kischineff hat bei der Regierung Klage geführt, daß durch diese Maßregeln das Einkommen der Stadt sich allzusehr vermindere, die auf die Einnahmen der Schanksteuern angewiesen sei, und daraufhin hat endlich ein Jude die Erlaubniß zu einem Restaurant zweiter Klaffe erhalten, ein Schritt, der von großer prinzipieller Bedeutung ist. — Der Senat ist in einer anderen wichtigen Frage als höchste Instanz angerufen worden, nämlich bei der Entscheidung, ob jüdische Kaufleute erster Gilde auch, wenn sich, nachdem sie länger als 10 Jahr dieser Gilde angehört haben, ihre pekuniären Verhältnisse verschlechtern und sie in die zweite Gilde Hinabfinken, noch das Recht haben, in ganz Rußland zu wohnen. Bisher hatten sie nach der Praxis diese Berechtigung, aber einzelne Gouverneure setzen sich darüber hinweg und weisen diese Juden aus, sobald sie nicht mehr die Steuern der ersten Gilde zahlen können. Der Senat, an den sich Einige der Betroffenen gewendet haben, wird nun entscheiden, was geltende Rechtsnorm sein soll. — In Orgyew hat der Oberst Jivhovitsch, Adjutant des Kaisers, der dortigen Talmud Torah ein Grundstück geschenkt und zugleich alle auf diese Schenkung liegenden Steuern bezahlt. Auf dem Terrain soll eine Farm errichtet werden, in der junge jüdische Männer Unterricht im Ackerbau erhalten sollen. Nur die Baukosten hat die jüdische Gemeinde zu tragen, doch ist dieselbe sehr klein und die Sammlung hat bisher 700 Rubel ergeben. — Nicht uninteressant ist, daß in der Russisch-Historischen Gesellschaft der hiesigen Universität ein Gelehrter Wodowoseff einen Vortrag über die Entwickelung des Antisemitismus gehalten hat, in der er den Beweis führte, daß derselbe eine durchaus reaktionäre Bewegung ist. — In Winnitza wird eine technische Mädchenschule eröffnet werden. — Offizielle Ziffern geben den Nachweis, daß im Jahre 1897 nach Afrika und Amerika im Ganzen 5400 erwachsene männliche Personen ausgewandert sind. — Davon sind über 5000 Juden. Nt u m ä n i e n. ** Bukarest Eine Delegation des „Vereins der einheimischen Juden" hat unlängst dem Bureau der Kammer eine Denkschrift „in der Frage vom Artikel 2 des Gesetzesprojektes über die Reform des Mittel- und Hochschulunterrichtes vorgesehenen Schultaxen" eingercicht. Diese Denkschrift beginnt mit folgenden Worten: „Das Gesetzesprojekt zur Reform des Mittel- und Hochschulunterrichtes, .welches demnächst vor der Kammer zur Verhandlung gelangen wird, stellt für uns einheimische Juden einen dreifachen Schlag dar; wir werden durch die Bestimmungen des Artikels 2 nicht blos in unseren materiellen, sondern auch in unseren höchsten eulturellen Interessen, sowie in unseren theuersten Aspirationen durch die Thatsache getroffen, daß wir unter die Fremden gerechnet werden. Wir halten es für eine Ungerechtigkeit, daß eine Bevölkerung, welche kein

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