Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 71 (8.9.1898)
- Date
- 1898-09-08
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1331 gcständniß des JrrtbumS uno der Vcrfchltheit des llntcr nehmens, diese grauenhaften Uebelständc zu sarircn und das verfehlte Experiment definitiv auszugcbcn Denn gegen die Heuschrecken in Entrarios gibt's kein Mittel, die deutschen Kolonisten lvaren gescheut und unabhängig genug, die Anjicdlung trotz großer Verluste aufzugebcn; wir dürfen nickt gestatten, daß diese 7000 Juden als corpns vile zur Vivisectiou bestimmt sind, um tm Lande der Wohlthätigkeit Millionen zerrinnen zu lassen, die wir als wahres National: cigenthunr zrr betrachten berechtigt wären. Ich verbinde mit diesem Anträge nicht nur ein rein humanitäres, sondern auch ein eminent zionistisches Bestreben Denn leider ist in der modernen Anschauung das Subject nichts mehr als eine Kister, eine Figur im Schachbrett für den Taktikei', der mit Menschenleben spielt im Kriege ivie in der Wohlthätigkeit, die ja beide nur sichtbare Mittel eines gewissen Zieles sind. Wir sollten trachtcir, diese Heimathtlosen als Pioniere des Zionismus zri verwenden, und damit zugleich ein Eom luoiniß zw scheu den divklgncnden Ansichten über die sogenannte Infiltration herzristellen. Man wird sagen, daß besten Falles diese Armen, ohne rechtlich gesicherte Unterkunft auch in Palästina oder im Haurau aus den Händeir der Gauchos in die der Beduinen kämen. Aber erstens iväre das nicht richtig, zrvcitcns kann ihre Lage iricht verschlimmert, auf alle Fälle jedoch verbessert werden. Drittens ist die Gefahr, die heilige Heinrathserde mit seinem Blritc düngen zrr müssen, unbedingt der Aussicht vorzuz'ehen, in den Wüsten der westlichen Hemisphäre nutzlos zrr vermodern. Aber wir app'llircn rricht an dicRoinantit, nur der Praktiker fragt uns, wie wir uns das vvrskcUcn, angesichts des EinwanderungsvcrboteS, und auf welche Art wir den Eigensinn der betreffenden 'Verwalter der I. E. A. zu beugen hoffen. Was nlin das Einwaiidcrungsverbot betrisst, so glaube ich, ivir stehen vor einer oirciren Thür, gegen die wir Trancheeu austühren. Erst vor einigen Wochen wurde einigen jüdischen Ansiedlern aus Beinen der Eintritt nach Palästina verwehrt. Auf Grund der nominalen Suprematie, welche «England über die Küsten von Athen und Babel Mandeb ausübt, begabcil sich die Juden zum englischen Eonsul. Derselbe stellte der Regierung vor, daß das Einwanderungsverbot nickt auf englische llnterthanen ausgedehnt werden tonne. Das half. Es giebt also eine ossenc Thür, und es ist bekannt, daß ein Jude, der zu!> xh irren hinausgeschiuisjen, wenn dieselben verrammelt sind, durch die zehnte, offene hineinkommt. :>,un stehen diese Hcimathslosen 'juasi heule schon unter englischem Sckutze, sie flehen darum nach Palästina zu kommen. Die hochherzige englische Rcgierung, die in ihrem Herzen Platz hat für Armenier und Erclcnser, kann auch für die Juden erwärmt werden- Das 0 inwailderiuigsvcrbot selbst ist keineswegs der Initiative der hohen Pforte entsprungen, sondern einer Auisorderung Frankreichs an dieselbe vor Jahren, das als Protektor der Katholiken im Drient, die Einwanderung von Juden beschränkt wissen wollte, d. h. also dem Einklusse der Jesuiten, die wir ja überall in ihrem giftigen Judenhaß am Werke sehen Auf die I. (I Akann mau keinen direkten Einfluß üben. Wir können den Geist Montenorc's nicht mehr herausbcschwören, dessen innigstes Sehnen und Streben durch den Tod unterbrochen wurde und der keinen RamenSträger himerlassen har, dem er seine <>'efühlSmajestät hätte vererben können. Aber wir können uns an die argentinische .Regierung wenden, und darüber werde ich mir gestatten, eine besondere Petition zu formuliren Dritter Derharr-lungStag Nachmittags-Sitzung- Debatte über die Kolonialbank. (Nachtrags Der dritte Vcrhandlungstag bringt endlich die heiß ersehnte Berathung über die Ko lo nialb a nk Referenten sind die Herren Dr. Wolfsohn und Dr. Bodenheim er. Das Bankkapital ist auf 50 Millionen Franken veranschlagt, wovon 5 Millionen bereits mit einer 10 pEt. Anzahlung gezeichnet sind. Der Bank ist die Aufgabe gestellt, 1» industrielle und kommerzielle Unternehmungen, 2) Ackerbaunnd Kolonisationsbestrebungen, 3) aut Bahnbau und Hafenanlagen gerichtete Bestrebungen in Palästina und Syrien zu fördern. Die .Referate, sowie die von der Bankkonferenz vorgescklagencn Resolutionen rufen eine viclstnndige, ungemein lebhafte Debatte hervor, in der es sich um folgende Punkte handelt. Ein Redner ist überhaupt gegen das Bankprojekt. Die Schlußrufe und der allgemeine Widerspruch der Versammlung läßt darauf schließen, daß derselbe mit seirer Anschauung ziemlich vereinzelt dasteht Die andern Delegirten, die sich zum Worte gemeldet haben, sind im Prinzip mit der Bankgründung einverstanden. Einzelne plaidiren jedoch für eine Vertagung der Bankgründung bis zum nächsteu Kongreß, damit bis dah n der Plan in allen Einzelheiten besser dnrchgearbeitet und nicht ein unreifes Unternehmen in die Welt gesetzt tverde- Wieder Andere wenden sich gegen das in der Resolution enthaltene Wort „Drieut" und wünschen dafür „Palästina und Syrien" zu setzen- 'Koch aildere wünschen Garantien für eine Leitung der Bank in volksthümlich zionistischem Sinne und dafür, daß die Akti n der Spekulation entzogen werden- Einige plaidiren für „genossenschaftliche" Basis. Ein Redner ist gegen jede Verwcrthung der vorhandenen Kapitalien bis zur endgilngeu Schaffung der Bank w. :r, Der E o ng r e ß beschließt die sofortige Gründung der Jüdischen Eolonialbank. In die Resolution werden die Worte „insbesondere in Syrien und Palästina" eingefügt. Rach kurzer Pause und Ver'esunq von 150 weiteren Tclezrammcn wird die E oloninldcbattc wieder ausgenommen. Herr W- Bambus wendet sich gegen die Ausführungen Motzkins, welche er für einseitig und mit seinen (des Redners) persönlichen Erfahrungen als nicht im Einklang stehend erklärt. Rabbiner Rabbino witsch stellt namens seiner russischen Gesinnungsgenossen ein ge Anirä e, Herr Dr. L ö w c—Berlin wendet sich heftig gegen Herrn Bambus und tritt für den Referenten Dr. Motzkin ein, der seinerseits Herrn Bambus g geuüber seine Schilderungen unter Anbietung des Beweises für d'e Nicht gkeit derselben aufrecht erhält. Schließlich werden die Anträge der Commission, ebenso meh ere ans die argent nischeu Kolonisten bezügliche Anträge des Herr Aron Markus diese jedoch mit einigen Znsatzanträgen ea bloc angenommen. Als nächsten Punkt lleht auf der Tagesordnung .,K ul t urfra g en." Referent ist Herr Dr. Ehrenpreis. Zu demselben Thema ergre ft Herr Dr. Ga st er das Wort, welcher in warmer, meisterhafter Rede die reli giöse Grundlage der zionistischen Bewegung fordert und für gegenseit'ge Toleranz e »tritt. Fast jeder Satz seiner Ausführungen findet in der Versammlung stürmischen Wiederhall. Die sofortige Drucklegung seiner Rede und, auch derjenigen des Herrn Prof. Mandelstam, wird einstimmig beschlossen. Herr Dr- -Kahn beantragt: Herstellung ciics hebräischen Wörterbuchs, behufs einer einheitlichen Aussprache. He>r Rabbinowitsch fuhrt auS, daß fünf Millionen russischer Juden auf eine Erklärung, wie die von Gaster jabgegebene, warteten. Dadurch werde ihr Herz genommen. Fabius Schach betont den M ng l an geeigneter jüdischer Belletristik und Jugendliteratur. Inzwischen ist Mitternacht herangekommen Ein Antrag, die Sitzung