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Der Israelit · 1898-09-08 · Heft 71 (8.9.1898) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 71 (8.9.1898)
Date
1898-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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y/. sk?t^«pto; 1312 Arzneimittel! Kommt da jüngst ein Bäuerlein zu mir und bittet mich, ihn zu besuchen. „Wer ist krank?" frage ich und erhalte zur Anwort, das Weib sei krank und zwar seit ca. einem Monate. Donnerwetter denke ich, so frühzeitig hat mich schon lange nicht ein Bauer zu seinem Kranken gerufen. „Na, und wie geht es der Kranken", fragte ich weiter. „Ach, fragen Sie gar nicht Herr Doctor," sagte der Bauer ganz weinerlich, „ich fürcht' 's is gar bald ganz aus mit ihr. Ich hatte mir so etwas gleich vorgestellt." Zum Ueberfluß lasse ich mir noch die Krankheitssymptome schildern und erkenne richtig einen ganz regelrechten, akuten Typhusfall. Die Frau war also ca. dreißig Tage im Typhus gelegen, ohne ärztliche Hilfe! Gesegnete Mahlzeit! Es ließ sich an den Fingern ausrechnen, daß die Krisis eingetreten war — das übrige ergab sich von selbst. Schon wollte ich in der Annahme, das Weib werde bis zur Rückkehr des Bauern auch ohne mich den Weg ins Jenseits gefunden haben, diesen mit einem nichtssagenden Rezept sortschicken — als ich mich plötzlich eines andern besann. Teufel, man kann noch Unannehmlichkeiten davon haben. Es nützt nichts, ich muß dennoch Hinschauen. Ich mache mich also richtig, eine Arie des Bethoven'schen Todtenmarsches brummend, aus den Weg. Schon im Hofe hörte ich aus dem Krankenzimmer ängstliches Geschrei und Geplärr herausdringen. „Was giebts?" frage ich mechanisch, an das Krankenbett tretend. „Schlecht, schlecht, schlecht," tönt es mir in allen Tonarten entgegen. Ra freilich schlecht denke ich mir, wie sollts denn anders sein. Das Gesicht der Kranken bot aber auch wirklich keinen guten Anblick. Von einer fahlen Blässe bedeckt, lag sie da, die Lippen ins bläuliche spielend, mit dem Ausdrucke vollständiger Apatie. Da — ich schaue schärfer hin — und bemerkte einen leichten Schimmer auf der Stirne. Ich lege die Hand hin — feucht! Schweiß, milder Schweiß auf der Stirne einer Sterbenden? Ich merkte sofort, was vorgeht. Verfl . . .! Am Ende wird sie mir gesund, ohne eine Medizin bekommen zu haben! „Wasser", schrie ich aus Leibeskräften, ein Glas Wasser!" Heulend und zähneklappernd laufen alle hinaus und bringen wohl ein halbes Dutzend Gläser Wasser herein. Ich hole schnell ein Papier mit Soda bicarboiui aus der Tasche, welches ich niemer Magenindipositionen wegen stets bei mir trage, schütte eine tüchtige Portion ins Wasser und flöße davon der Kranken einen Eßlöffel voll ein. Sie hätten sehen sollen, was dieses neueste Arzneimittel gegen Typhus Wunder gewirkt hat! — Die Kranke verfiel in einen ruhigen Schlaf, aus welchem sie erst nach einigen Stunden mit allen Zeichen der Reconvaleszenz erwachte. Wie ein Lauffeuer halte sich die Nachricht von der Wunderkur verbreitet, laut welcher ich eine mit dem Tode Ringende durch ein einziges Medikament gerettet habe. Die Leute stierten mich seitdem mit ehrfurchtsvollen Blicken an, wie einen Heiligen. Ich sage Ihnen - mehr als ein Doktorrenomee ist auf ähnliche Weise entstanden." „Nun und Sie," wandte er sich zu Rüben, „ist's vergangen?" „Ich danke, ja," gab jener gedrückt zur Antwort. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit* erscheint wSeheatlleli zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindesten- -wet Boae». Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder Vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch L. f. $tctaadt<r. LripstL, -loßpintz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzelle oder deren Raum. Preis der Zeile im Reelametbeu 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Ssterr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Räfffettfctttto de* ** ti* ftttafftfoi» eingesandten Mannseripten findet nicht statt, man dittet deShald, flch dan allen Einsendungen eine «opie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptdlatt). Leitender Artikel: Die Zahl Dreizehn^Von Simon Frankfurter in Wesel. — Zeitungs Nachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Schlüchtern Stettin. Hörster i. W. Oesterr. Ungar. Monarchie: Neutra. Schweiz: Basel. Rußland: Petersburg. — Personalien. — Vermischtes. Feuilleton: Verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. Von Samuel B. Rosner. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die israelitische Rcligionsgesellschast und der Vorstand der Eultusgemeinde Zürich. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondcnzen: Deutschland: Breslau. "Aus Schlesien mrd den Nachbarorten. Holland: Amsterdam. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilager Leitender Artikel: Die Nah.ung des gesunde,x und tranken Magens. Von Dr. P. Münz, Nürnberg. Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Oestcrr.Ungar. Monarchie: Preßbuig. Frankreich: Paris. Inhalt der dritten Beilage: Zweiter Zionisteii-Eongreß (Schluß). Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Mesellschaft in Mainz. Hierz« drei Beilagen.

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