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Der Israelit · 1898-09-08 · Heft 71 (8.9.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 71 (8.9.1898)
Date
1898-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1310 und dem des Vorjährigen, so ergibt sich eine weitere ..Mauserung/' ES ist weiter Wasser in den schäumenden Most gegossen worden, um ihn auch den Andern genicßbar zu machen. Wie bereits hervorgehoben, kann man, ohne Zionist zu sein, einen großen Therl deS Programms unterschreiben. Der Zionismus hat— dieses kluge Nachgeben und in die Verhältnisse sich schicken sei lobend anerkannt — die Hand weit zur Versöhnung entgegengestreckt: Denjenigen, welche für die Kolonisation Palästinas eintraten und von seiten des Zionismus für dieselbe fürchteten, indem er die Förderung der Kolonisation proklamirte, und denjenigen, welche über den klaffenden Widerspruch einer jüdischen Bewegung ohne Judenthum nicht hinwegkommen konnten durch die Erklärungen Dr. Herzls und Dr. Gasters. Dr. Herzl sagte: „Wir halten unverbrüchlich an unserem Judenthum fest." Und der englische Zionistenführer gab unter dem besonder» Beifall der Versammlung die Erklärung ab, welche ein orthodoxer russischer Rabbiner als das erlösende Wort begrüßte, auf welches Millionen seiner russischen Glaubensgenossen gewartet hätten. „Wir sind auch eine religiöse Gemeinschaft . Ohne diesen Zusammenhang ist der Zionismus nicht lebenskräftig zu denken. Die Religion ist der Grundstein, an welchem nicht gerüttelt werden darf, damit nicht der ganze Bau ins Wanken gerathe." Die Gaster'sche Erklärung bildet den geraden Gegensatz zu dem, was Nordau am Schluß seiner Berliner Rede sagte: „Das Judenthum wird zionistisch sein, oder es wird nicht sein." Nein! „Nicht das Judenthum wird zionistisch sein, oder es wird nicht sein," das beweist uns der Bestand des Judenthums in der Vergangenheit! Sondern: „Der Zionismus wird jüdisch sein, oder wird nicht sein," er wird an der tödtlichen Krankheit seines Wesenswiderspruches zu Grunde gehen. Die Gaster'sche Erklärung bildet die goldne Brücke, welche vielleicht zur Verständigung führen kann, doch ich w'll Ihnen nicht vorgreifen- Rußland. V Petersburg. Der „Woschod" veröffentlichte neuerdings schlechte Nachrichten aus den Hirsch'schen Kolonien in Argentinien. Sieben Präsidenten von jüdischen Vereinen in Buenos Ayres erlassen einen Aufruf in dieser Zeitung, in der sie sich darüber beklagen, daß Hunderte von Kolonisten, besonders aus Moisesville nach Buenos Ayres strömen und dort den Wohlthätigkeitsvereinen und den Gemeinden zur Last zu fallen, die nicht mehr im Stande sind, diese Bürde zu tragen. 'i Petersburg. In den hiesigen Zeitungen werden einige Ziffern über jüdische Landarbeiter veröffentlicht, die von allgemeinem Interesse sind. In dem Städtchen Schadowo, Gouv. Koono, beschäftigt sich fast die ganze jüdische Bevölkerung (2W5 Seelen) mit Garten- und Gemüsebau. Da die Leute kein eigenes Land besitzen, so pachten sie solches von russischen Besitzern und exportiren ihre Bodenerzeugnisse nach Petersburg und Riga. Ebenso wird in dem Dorfe Vartaschen im Kaukasus, dessen Tabak sich großen Ruf erobert hat, der Anbau von Tabak fast ausschließlich von Juden betrieben, die das nöthige Land von den Bauern pachten. — Lazar Brodsky, der Zuckerfabrikant in Kiew, hat dem dortigen jüdischen Hospital ein Stück Land mit Gebäuden geschenkt, das einen Werth vou lioooo Rubel repräsentier. _ Uersonalien. Jcheubausen (Bauern), 31. August. Heute feierten dahier in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit die isr. Ehegatten Heinrich S. und Sophie Bißinger, das goldene Hockizcitsjubiläum im Kreise von Kindern und Enkeln und unter Antheilnahme der Bewohner der Ortsgemcmde ohne Unterschied des Glaubens und des Standes. Zahlreiche Ehrengaben von Perwandten und Freunden miS Nah und Fern, dehgleichen herzlich gehaltene telegraphische Glückwünsche und viele Beweise aufrichtiger Verehrung in Wort und Schrift, gingen dein Jubelpaare zu, das den Anstrengungen deS im Familienkreise einfach gefeierten Festes vom Vorabende bis um Mitternacht des Jubeltages selbst, sich gewachsen zeigte- Möchte es demselben vergönnt sein, in stiller Beschau, lichkeit sich noch lange des schön verlaufenen Festes erinnern zu können, auf daß ihm die vor 2f> Zähren am Ehebimmel anfgestiegene si l b e r n leuchtende Sonne, deren Glanz sich ihm nun in Gold verwandelte, nach weiteren 1>> Jahren auch noch in d i a m ante nen Strahlenkranz den friedlichen Lebensabend eileuchten möge. L K. > Vermischtes. *4 München, 6. September. Nack dein bauer. Minister ial- Amtsblatt Nr. 18 wurde das von H>rrn Rabbiner Dr. S. Bamberger in Schrimm herausgcgebene Pirke Aboth, Sprüche der Väter, zum Schulgebrauch und Selbstunterricht übersetzt und e, klärt in jüd.-deutscher Schrift — durch die K. M.-E v. 29. Juli d. Js. unter die für die Schule und als Hilfsmittel für die Lehrer empfohlenen Werke ausgenommen. — n. Aschaffenburg Betreffs der Erwählung des Herrn Dr. Gustav W achenbeimer zum Distriktsrabbiner in Aschaffenburg sei noch nachgetragen, daß der Gewählte seine Studien an der Universität und anr Hildcsheimcr'schcn Rabbinerseminar zu Berlin zu Ende geführt hat. (Vgl. Nr- 09 dss Blattes.) Rotterdam, 1. September. Bei Gelegenheit der Thronbesteigung der Königin Wilhelmine, wurde dem Oberrabbiner der hiesigen Gemeinde, Herrn Dr. Ritter, der Ritterorden des niederländischen Löwen verliehen. Amsterdam. Die junge Königin und die Regentin, ihre Mutter, besuchten kürzlich das Städtchen Tiel in ^Geldern. Bei dem feierlichen Empfange stand an der Spitze der Schuldeputationen unser Glaubensgenossen A. Hirsch, der seit 40 Jahren Rektor der dortigen Gemeindeschule ist.

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