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Der Israelit · 1898-02-17 · Heft 14-15 (17.2.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 14-15 (17.2.1898)
Date
1898-02-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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268 Sprößlings in Juda. Ja: „Tief in unserem Stamme wurzelt die Familie!" Die nin^c (Buß-Gebete) sind zu Ende, e« ist schon Tag geworden, denn damals brauchte man Stunden für die Reflation dieser herzinnigen, poesievollen Ergüsse. Man betete sie nicht allein, sondern dachte nach und sann über den tiefen Inhalt und die Jdeengänge dieser erhaben schönen Worte und suchte Belehrung und Gottes-Erkenntniß aus ihnen zu schöpfen. Der Gottesdienst ist bald beendet, der Vorbeter hält vor dem i^Schluß-Gebete still, denn zuvörderst soll die Miloh stattfinden. Alles ist in Erwartung und harret des feierlichen Augenblickes, da der jüngste Glaubensgenosse in die Versammlung der Gemeinde des Herrn hereingebracht werden soll. Der Mohel- Stuhl wird mit Kissen hergerichtet, der Mohel bereitet sich durch die Anordnung der Instrumente, Becher und Vertheilung derselben unter die würdigsten B7127? 'bvz Hausväter vor und sagt schon die nrnn (oas Gebet), worin er den Hochheiligen um Beistand für die von ihm vsrzunehmende hochheilige Handlung und das Lebensglück des Knaben bittet. Auch die Gemeindemitglieder nehmen innig Theil an dem bevorstehenden Akte und vereinigen ihre Herzenswünsche mit denen der Eltern des Kindes und geben diesem in andachtsvoller Weise Ausdruck. Hier sagt einer c^n- (Pialme), dort lernt einer einen njpa p-ic, (Mischna-Abschnitt) wieder ein anderer, der schon tiefere Gelehrsamkeit besitzt, wie wir solche in früheren Zeiten in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung vertreten fanden, forscht und sinnt über eine schwierige Talmud- Stelle. Kurz, jeder sucht oie Zeit bis zur Herankunft der Knäbleins mit würdigen Betrachtungen auszufüllen. Da hört man Tritte vor der Synagoge. Alle« erhebt sich, denn die Gevatterin mit dem Kinde wird sichtbar, und ein laut dröhnendes, bis zum Himmel jubelndes r<2n -pi2 (Gesegnet sei, der da kommt), erschallt. Nun drängt sich alles zum Mohel-Stuhl. Jeder will den neuen Weltbürger sehen, der die Sechioh har, am 1. Selichoth-Tage, sich das heilige Bundeszeichen aufdrücken zu laffen. Jeder hat sich erhoben und wohnt stehend dem heiligen Akte bei, wie geschrieben steht, daß einst das ganze Volk Israel stehend die Worte des Bundes vernahm. Da spricht der Mohel die 71212 (den Segen), und zum ersten Male läßt da« Knäbchen seine Stimme, allerdings weinend, in der Synagoge vernehmen. Den ersten Schmerz hat es erlitten, das Kind, welches dem Glauben angehört, der vielen Schmerz, vieles Erdulden, aber auch viele und mannigfaltige Seelenfreude seinen Anhängern bringt. Und 210 biz (Viel Glück), erschallts von allen Seiten. Dann nimmt die Gevatterin, eine schöne Frau mit edlem Gesichtsausdruck, das Haupthaar sittsam verhüllt, das Kind vom Gevatter, ihrem Ehrengemahl, dem die Freudenthränen in den Angen erglänzen, ob des heiligen Gebot», zu dessen Erfüllung er beitragen durfte, wieder in Empfang. Da« Kind war das einer armen Handwerkers. Der Gevatter aber ist ein vermögender, in der Gemeinde hochgeachtet dastehender Mann. Er hat die na: (die Erfüllung dieser Pflicht), die Gevatterschaft, mit Geld erkauft. — Und nun wird da« Schlußgebet gesprochen. Dann verläßt alle« in gehobener Stimmung dar Gotteshaus und kehrt froh zurück in sein Heim und geht seinem Tagewerk nach. Der Eine nimmt seinen Packen auf den Rücken, der Andere geht an seinen Werktisch und wieder ein anderer in seinen Laden. Nun wird emsig geschafft, bi« der Abendgottesdienst sie wieder alle in Schul' versammelt. So vergeht der erste Tag der runHo, und ähnlich werden die kommenden verbracht. So nahen die heiligen Tage des wem wr» (des Neujahrsfestes). Eine weihevollere Festlichkeit, als den Vorabend dieses heiligen Feiertages kann man sich nicht denken. Wenn der Abendgottesdienst zu Ende, ruft der pn der Gemeinde 12712,1 N2iv (Möget Ihr für ein glückliche« Jahr vom Schöpfer im Weltbuche verzeichnet werden!) zu. Und Einer beglückwünscht in ebensolcher Weise den Andern, einer freut sich mit dem andern, alles entbietet sich gegenseitig den uralten, ehwürdigen Neujahrrgruß. Und die Kinder gehen zu den Eltern, und diese und jene zu den Großeltern. Da öffnen sich die Herzen und Thränen der Freude fließen, aber auch gar manche Thränen der Wehmuth entquellen den Augen derjenigen, die im vergangenen Jahre ihr Liebstes zu Grabe getragen haben. Nicht in tollem Jubel, sondern in ernster Betrachtung, in tiefster Rührung geht man dem neuen Jahre entgegen, wohl im vollen Vertrauen auf die Gnade de« Ewigen, aber zitternd und zagend, ob der Vergehungen, durch welche sie Strafe verwirkt haben möchten. Und am andern Tage, da erdröhnt der Schofar'« zitternder Ton, er macht erbeben da» Innerste und erinnert und gemahnt uns an den letzten der Tage. Und am Nachmittag des hohen Feste«, da ziehen sie alle, die Glaubensschwestern und Brüder hinaus zum Strome und ergießen ihr Herz wie Waffer vor Dem, der da thronet in der Höhe. Dort unter Gottes freiem Himmelsgezelte, ander lauteren Quelle, da erwacht alle Poesie der Erinnerung. Sie denken des Vaters Awrohom, der von jenseits des Stromes kam, des Vater« Jizchak, der, al» er zur Opferung hin zum Berge Moriah ging, den Verhinderer, als er sich ihm und dem Vater unter der Gestalt de« Wassers in den Weg stellte, besiegte und der den reißenden Strom durchwatete. Sie gedenken des Vaters Jakow, der einst am Flusse Jabok mit göttlichem Wesen rang und er

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