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Der Israelit · 1898-02-17 · Heft 14-15 (17.2.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 14-15 (17.2.1898)
Date
1898-02-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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254 den Ehrentitel. Doch nicht nach Ehre geizte er, alles was er ausführte war cratr 2^. Aber auch die Stürme des Lebens zogen an ihm nicht spurlos vorüber und als eine Drangperiode seinen Lebensabend zu verdunkeln drohte, suchte und fand er Trost und Erhebung in seiner ausrichtigen Das Andenken dieses verdienstvollen frommen Mannes wird in der Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Fredericia für immer bewahrt bleiben, rrawri. A m e r i k a. New-Uork. Die Orthodoxen, oder diejenigen Gemeinden, welche einen konservativen Standpunkt einnehmen wollen, werden in der Woche nach Pfingsten eine Konferenz in unserer Stadt abhalten und mau hofft, daß hierbei eine Organisation geschaffen werden wird, welche die einzelnen Gemeinden konservativen Theiles der amerikanischen Judenheit fest verbinden wird; denn die Seele der Bewegung Rev. Pereyra Mendes, genießt hohe Achtung im Lande, ebenso wie Rev. Meldela de Sola in Montreal, der sich ebenfalls für diese Konferenz bemüht. Afrika. § Algier. Die Ruhe ist nothdürftig in unserer Stadt wiederhergestellt, aber an den Schäden, die die Plünderungen hervorgerufen, werden alle Kreise unserer Stadt noch lange zu tragen haben. Der Handel ist vollständig gelähmt, die Banken vermindern den Kredit, den sie bisher gegeben haben und schränken ihre Operationen ein; die kleinen Kaufleute, die durch die Plünderung ihrer Läden, ihr bischen Vermögen verloren haben, sehen sich genöthigt die Zahlung einzustellen und zu accordiren, und der Großhandel hat nur das Ende der Tumulte abgewartet, um seine ausstehenden Forderungen in Stadt und Provinz Algier, wenn auch mit Verlusten einznziehen und dann alle Verbindungen mit dem hiesigen Platze zu lösen. Die Fabrikationsplätze in Frankreich werden den Schaden empfindlich zu büßen haben. Wenn ich oben sagte, daß die Ruhe wieder hergeftellt ist, so darf das nur euw grano salis verstanden werden. Die Ruhe ist unzweifelhaft nur von kurzer Dauer, wenn man den antisemitischen Rednern und Zeitungen weiter gestaltet, in derselben Tonart, wie bisher, gegen die Juden zu Hetzen. Sie begnügen sich schon nicht mehr damit, die Aufhebung des Emancipationsediktes Cremieux zu fordern, sie beanspruchen in aller Form die Ausweisung aller Juden und die Einziehung ihres Vermögens, und sie drohen, wenn die Negierung nicht darauf eingeht, eine Bartholomäusnacht für die Juden in Algier herbeizuführen. Begreiflich genug, daß unter solchen Umständen eine Menge von den reichen und wohlhabenden Israeliten Vorkehrung treffen, um die Stadt, so rasch als möglich zu verlassen und gastlichere Länder auszusuchen. Die Regierung'' aber verhält sich fast unthätig, und von ihren Unterbeamten ganz besonders aber von den Beamten der /Stadt haben sich viele bei den Exzeffen betheiligt, ebenso haben die Angestellten der Agentur der Compagnie Transatlantique ä Alger eifrig sich an allen Ausschreitungen betheiligt, als wenn sie berufsmäßige Judenhetzer wären, und nicht in Lohn und Brod bei Juden ständen, denn man muß wiffen, daß die Direktoren und Aktionäre dieser Compagnie fast ausschließlich Juden sind. Während der Exzesse sind im Ganzen fast 500 Verhaftungen vorgenommen werden, die zum großen Theil Eingeborene betrafen. Bei der Verhängung der Strafen hat das Zuchtpolizeigericht bisher nur gegen die Eingeborenen harte Strafen ausgesprochen, währenddem Franzosen mit gelinden Strafen davon kommen. Die Anstifter und Führer der Tnmultanten sind bisher noch in keinem Fall zur Verantwortung gezogen worden. Welch' Unheil angerichtet ist, davon kann man sich am besten Vorstellung machen, daß nicht weniger als 1500 jüdische Familien der öffentlichen Wohlthätigkeit allein in unserer Stadt seit dem 23. Januar, vom verhängnißvollen Tage der Judenhetze anheim' gefallen. Persien. § Täbris Die Unzufriedenheit, die jetzt im persischcn Reiche über die Regierung des neuen Schah MuzafferEddin herrscht und die Drangsale, die nun die Juden dieses Landes von Seiten der täglich mach tiger und auch fanatischer werdenden mohamedanischen Geistlichkeit zu erdulden haben — in vielen persischen Städten haben die Mullahs (Priester) und Jmame (Prediger) die Herrschaft förmlich an sich gerissen — werden von den englischen Missionären geschickt dazu benützt, um unter den Juden eine wirksame Propaganda zu machert und dieselben für das Christenthum zu gewinnen. Man sucht die Juden zu überzeugen, daß nur England im Stande sei, sie wider ihre mohamedanischen Verfolger gehörig zu beschützen, und der englische Gesandte in Teheran trete mit besonderem Eifer für jene Juden ein, die mit der englischen Staatsbürgerschaft zugleich auch das englische Christenthum angenommen haben. Aber auch an klingender Münze laffen es die englischen Missionäre nicht fehlen, wenn es gilt, ein jüdisches Schäflein seinem Volke und seinem Glauben abtrünnig zu machen. In mehreren persischcn Städten haben daher neulich solche Nebertritte vom Judenthum zum Christenthume stattgefunden. Viele dieser Convertiten kehren jedoch später, wenn sie sich bei der Mission „etwas Geld" gemacht haben, wieder zum alten Glauben zurück, was in Persien auch gesetzlich gestattet ist. Die Missionäre haben dann gewöhnlich das leere Nachsehen.

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