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Der Israelit · 1898-02-17 · Heft 14-15 (17.2.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 14-15 (17.2.1898)
Date
1898-02-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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253 Rußland. ** Petersburg. Der berühmte russische Rcchtsgelehrte und Präsident des Obersten Cassationshofes, Senator Sakrewskij, veröffentlicht in der „Juriditschskaja Gazeta" einen Artikel über die Affaire Dreyfus-Esterhazy, welche in Rußland Aussehen erregt. Er schreibt: Diese Angelegenheit ist für den Juristen besonders interessant, da sie in anschaulicher Weise bestätigt, wie gefährlich es ist, unter irgend welchen Vorwänden von den Grundprincipietl der Gerechtigkeit abzuweichen, eine gerichtliche Angelegenheit mit politischen Fragen zu verquicken und sich über die üblichen Formen der Rechtssprechung hinwegzusetzen. Was aber an den letzten Ereignissen m Frankreich besonders neu und besonders traurig ist, das ist — die rein thierischc Erscheinung des sogenannten Antisemitismus. Wer hätte vor einer Reihe von Jahren voraussetzen können, daß aus französischem Boden, der einen Voltaire hervorgebracht hat und deffen Söhne stolz daraus sind, daß sie früher als alle anderen Nationen vor der ganzen Welt allen Menschen ohne Unterschied der Abstammung und Religion Pie gleichen Menschenrechte zugesprochen haben, daß auf diesem Boden, in diesem skeptischen und freien Frankreich, die wilden Ruse: „Nieder mit den Juden!" ertönen werden. Mögen diejenigen Nationen das thun, welche nicht auf eine solche Vergangenheit wie die französische zurückblicken können. Frankreich aber sollte sich schämen, solche Symptome eines zoologischen Rückschrittes zur Schau zu tragen. . . . Die Affaire Dreyfus-Esterhazy hat die Grenzen Frankreichs überschritten und interessirt die ganze civilisirte Welt. Es ist genügend, aus die ungeheure An zahl der Preßäußerungen hinzuweisen, welche iu allen Sprachen veröffentlicht worden sind. Diese Affaire — und darin beruht das Interessante derselben — bedeutet das volle Fiaseo des geheimen, an die Inquisition erinnernden Gerichtsverfahrens. „Die Affaire Dreyfus-Esterhazy", schließt der Autor seine Betrachtungen, „wird dadurch denkwürdig bleiben, daß sie einerseits die im Namen der höheren Interessen der Gerechtigkeit geäußerten Proteste gegen die Ausnahmsgerichte und gegen das Säbelklirren aus einem Gebiete hervorgerusen hat, aus welchem ausschließlich Themis herrschen sollte, Proteste gegen das geheime Inquisitions-Gerichtsverfahren, gegen die Verletzung der wesentlichen Formen unter dem Vorwände, daß der internationale Anstand gewahrt werden müsse; andererseits hat aber dieser Prozeß gezeigt, wie grobe Jnstincte noch in einem Volke verborgen sind, welches sich zu den gebildetsten Nationen zählt, und wie leicht es inmitten der modernen Civilisation ist, nicht nur unter den Bolksmaffen, sondern auch in den mittleren Gesellschaftsschichten thierische Leidenschaften wachzurufen. Türkei. ** Coristarrtirropel. (Eine türkische Lection für die christlichenStaaten.) Der „Stamboul", das der türkischen Regierung nahestehende Blatt, äußert sich über die Judenhetze in Rumänien, welche er als eine eklatante Verletzung des Artikels des Berliner Vertrages bezeichnet, und! schließt seine benterkenswerthen Ausführungen folgendermaßen: „Wir wollen hoffen, daß eines Tages diese Conflikte aufhören werden. Es wird nur eine richtige und weise Politik sein, wenn die rumänische Regierung die Rathschläge der Gerechtigkeit befolgen und sich bemühen wird, die Mitglieder der menschlichen Familie zur Eintracht zu bringen, anstatt sie in zwiespältige Gruppen zu trennen. Im Punkte der Behandlung der Juden kann die Türkei mit j Recht beanspruchen, dem christlichen Rumänien gegenüber ein Muster der Humanität zu bilden." So beschämend es auch für die christlichen Staaten ist, welche aus den verlotterten, tiefstehenden türkischen Staat so verachtungsvoll blicken, so wird man doch zugeben muffen, daß die Lection, die das türkische Blatt den christlichen Staaten gibt, nicht ohne innere Berechtigung ist. Dänemark. Kredericia, 16. Febr. Ich stehe noch unter dein Eindruck der Trauer, welche mich, wie unsere kleine Gemeinde heute ergreifen mußte. Haben wir doch unseren langjährigen allverehrten Freund, die Gemeinde ihren treuen unb im wahren Sinne des Wortes enc Herrn Kommerzienrat!) H. L. Hirsch, welcher am Eingänge des vergangenen p"tr im 78. Jahre verstorben ist, zu Grabe getragen. Das große Leichenbegängniß gab Zeugniß von der Hochachtung, welche der Verstorbene allgemein genossen. Sowohl die Spitzer! der Behörden sowie alle Schichten der Bevölkerung waren vertreten. rcx nrcx nr;x! Wahrlich, mit ihm ging ein treuer Mann, die Säule und Stüde unserer kleinen Gemeinde dahin. Ihm allein verdanken wir, daß heute noch hier eine Gemeinde erhalten ist; unermüdlich, mit voller Hingebung, hat er für diesen Gedanken gearbeitet. Welch' ergreifendes Beispiel gab dieser, für die Sache des Judenthums durch und durch erglühende Jehudi, an Gottvertrauen und Pflichterfüllung. Er wirkte in unserer Gemeinde als rnsr bvi, als vp'~ bvi und war als brrz eifrig bemüht den tmp jns überall'auszuüben, wohin er für diese Function berufen wurde, weder Reisekosten noch Anstrengung scheuend. Auch an dem Wohl unserer Stadt hat er mitgcarbeitet. Seine Mitbürger zeigten ihm ihr Vertrauen durch die Wahl zum Stadtverordneten, welches Ehrenamt er ununterbrochen 31 Jahre inne hatte. Sein König gab ihm

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