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Der Israelit · 1898-02-14 · Heft 13 (14.2.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 13 (14.2.1898)
Date
1898-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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243 müdlich in der Werbung neuer Anhänger. Die meisten Bekenner zählt der Spiritismus in den Dörfern Pisarov und Bukovic, wo es auch einige „Medien" giebt, die mit den Geistern sprechen und den Verkehr zwischen diesen und den Geistern vermitteln. In Pisarov ist das Medium ein Häusler, in Bukovic ein junges Mädchen. Die fanatischsten unter den Spiritisten verwerfen sogar die Lehren des Christenthums. Sie anerkennen blos das alte Testament und halten den Samstag, statt des Sonntas heilig. Das war auch der Grund, weshalb sie zum Judenthum übertreten wollten. Als der Rabbiner der Deputation rieth, sich diesen Schritt wohl zu überlegen, kehrte diese in ihre Heimath zurück und theilte den Genoffen den Erfolg ihrer Reise mit. Dort wurde nun beschloffen, nicht zum Judenthum überzutreten, sondern blos aus dem Christenthum auszutreten und sich, da der Spiritismus als Religion nicht anerkannt ist, confessionsloS zu erklären. — In hiesigen klerikalen Kreisen wird übrigens versichert, daß die Zahl der Bauernfamilien, die ihre Religion wechseln wollen, weit geringer ist, als angegeben wurde. § Neutra, 0. Febr. Die rituellen Bedenken, die neulich Sr. Ehrwürden der Rabbiner von Erlau, der als talmudische Capacität ersten Ranger anerkannte Rabbi Simon Schreiber gegen den Consum der Cbocolade im „Israelit" erhoben hat, fangen schon an, sich in Ungarn und theilweise auch in Cisleithanien, besonders in der Residenzstadt Wien, wo es nicht nur große Cbocoladeniederlagen, sondern auch große Chocolsdefabriken mit zahlreichen Arbeitern gibt, fühlbar zu machen. Aus beiden Ländern wird viel Chocolade nach Polen, Rußland und Rumänien exportirt und in Moskau exiftirt sogar eine eigene Niederlage einer österreichischen Chocoladefabrik. Aber in allen diesen Ländern hat der Consum von Chocolade, seitdem Rabbiner Schreiber nachgewüsen, daß dieser Genußartikel nicht gehörig rituell zubereitet wird, bedeutend nachgelassen, da man nun vorzieht, Thee oder Kaffee statt Chocolade zu trinken. Da« „Budapester Tagblatt" bespricht jetzt diese Angelegenheit und fordert es die Juden Ungarns auf, Rabbi Schreiber darauf aufmerksam zu machen, daß nicht alle Chocolade rituellwidrig zubereitet werde, damit der Chocolade-Export n'cht ins Stocken gerathe. Rußland. ** Petersburg, 6. Februar. (Reue Bedrückungen der Juden.) Der Berliner Korrespondent der „Times" erhält von einem „gutunterrichteten und zuverlässischen Freunde in St. Petersburg" eine Mittheilung, der zufolge neue Bedrückungen der Juden in Rußland bevorstehen. Im vorigen November wurde durch ein kaiserliches Dekret Paragraph 3 des Anhanges zu Sektion 2 des Artikels 12 der Paßregeln vom Jahre 1890 aufgehoben. Hierdurch wurden 10—15 Juden und Jüdinnen betroffen, welche sich als Apotheker, Heilgehilfen und Hebammen ausbildeten, und denen gestattet war, in der Stadt und Provinz Moskau sich aufzuhalten. Diese Maßregel ist nach dem obenerwähnten Gewährsmanne als ein Versuch zur Ausführung eines weitergehenden Planes anzusehen, den der Oberprokuror Pobjedonosszew und der Generalgouverneur von Moskau, Großfürst Sergej, welche die Juden ganz aus Rußland vertreiben wollen, verfolgen. Der genannte Großfürst erfreue sich jetzt großen Einflusses beim Zaren und gehe, wie er sich selbst ausgedrückt habe, „oft nach Zarskoje Selo, um sich in den Strahlen seines kaiserlichen Einflusses zu baden." Ermuthigt durch den Erfolg ihres ersten Versuches hätten die antisemitischen Rathgeber des Großfürsten nun durch den Minister des Inneren und den Finanzminister einen Gesetzentwurf unterbreitet, in dem sie die Aufhebung des ganzen Art. 12 des Paß-GesetzeS empfehlen. Rach diesem Artikel dürfen nämlich alle Juden, die eine Universitätsbildung erhalten haben, in ganz Rußland leben. Zunächst sollen nur alle Juden der ebenerwähnten Kategorie aus Moskau und Umgebung vertrieben werden. Gelinge auch dieser zweite Versuch, dann sollen ähnliche Maßregeln in größerem Maßstabe zu einer massenhaften Austreibung der Juden aus Rußland ergriffen werden. Der Petersburger Gewährsmann des Berliner „Times"-Korrespondenten hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, daß Herr Witte sich zu einem weiteren Experimente in der angedeuteten Richtung hergeben werde, da er bisher sich von Maßregeln gegen die Juden fern gehalttn habe und diese ihm bei Ausführung seiner Reformen Hülfe geleistet hätten. Schon zu Anfang seiner Ministerthätigkeit habe Herr Witte zu Pobjedonosszew gesagt: „Sie lassen meine. Juden in Ruhe und ich will mich nicht mit Ihren Priestern befassen." ** Helstrrgfors, 30. Jan. Wie bekannt, ist die Stellung der Juden in Finnland noch immer eine ganz abnorme. Nachdem die jüngste finnländische Ständeversammlung dem Senat eine Petition überreicht hatte, um eine Abänderung dieser beschämenden Verhältnisse herbeizuführen, hat nun der finnländische Senat, da seit einigen Monaten in Rußland ein für die Juden günstigerer Wind zu wehen scheint, es für zeitgemäß gehalten, dem Kaiser-Großfürsten einen Vorschlag zu unterbreiten, dem zufolge die Bestimmungen vom 29. März 1889 aufgehoben werden sollen und künftighin den Juden gestattet werden würde: 1) in Finnland zu verbleiben, „selbst wenn sie Ehen eingehen"; 2) in gewissen von der Regierung näher zu bestimmenden Städten Synagogen zu

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