Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1898)
- Date
- 1898-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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_237 sich ein Jude seinem Bruder verkaufen dürfe, welche Behandlung der Herr dem 127 zu Theil werden lasten mußte und endlich wie die Auslösung bewerkstelligt wurde. Sodann gedachte der Redner des siebten Dienstjahres, das dem nsy, wenn es sein Wille war, die Freiheit wiedergab und schließlich noch des Jobeljahrs, das auch ohne Einwilligung des *12* ihn in Freiheit setzte. Das Jobeljahr, das jeden Gegenstand wieder in den Besitz seines ursprünglichen Eigentbümers brachte, sorgte schon dafür, daß die Armnih in Israel nicht überhand nehme und das Sklaventhum nicht dauernd Boden fassen konnte, und diesem göttlichen Gesetz ist es zuzuschreiben, daß das jüdische Volk, welches von jeher Druck und Knechtschaft erdulden mußte, sich in der Brust den Freiheitsged ankenderMenschenliebeund Menschenachtung zu erhalten verstand. Wenn auch die Geistesfreiheit, die überall ihre Triumphe feiern sollte, noch nicht immer zum Durchbruch gelangt ist, so wird auf diese oft so trübe und traurige Winterszeit auf Erden ein desto schönerer Frühling folgen. Das in überaus großer Anzahl erschienene Publikum spendete dem in schwungvollen Worten, mit warmem Jnteresie und zu Herzen gehender Begeisterung gehaltenen Vortrag reichen Beifall, und wir selbst waren innig erfreut wieder eine wirklich lehrreiche Stunde verbracht zu haben. Frankreich. Paris. (Frankreich einst und jetzt.) Die „Pure Veritfe“ vom 7. Februar 1848 enthält folgende Notiz: In Paris stand jüngst ein Mann vor Gericht, der einem benachbarten jüdischen Paare ein „Hepp, Hepp" nachgerufen. Er wurde zu 25 Fr. Strafe, 40 Fr. Entschädigung an das jüdische Paar und in die Kosten verurtheilt. T ü r k e i. § Konstantinopel, IO. Febr. Wie verlautet, wird sich der Minister des Auswärtigen, Tewsik Pascha, der eine lange Zeit Botschafter in Berlin war und am dortigen Hofe eine persona gratissiina ist, in Begleitung eines hohen in türkischen Diensten stehenden deutschen Militärs und mit einem zahlreichen Gefolge nach Jerusalem begeben, um Kaiser Wilhelm bei seiner Ankunft dort im Namen des Sultans zu begrüßen. Tewsik Pascha wird dann für die ganze Zeit des Aufenthaltes des deutschen Kaisers in Palästina an dessen Seite bleiben, um für desien Bequemlichkeiten sorgen zu können. (Die Reise des deutschen Kaisers nach Palästina ist, neueren ^Nachrichten zufolge, auf den Herbst verlegt. Red.) Feuilleton. Vögelchen, fer— VIJI. 7) Die Plotschker Rebbezin Seit der Verlobung Vögelchens mit Mr. Smitt war Jsaac Meyer nicht wieder zu erkennen. Mit eingefallenen Wangen, trüben Augen und gebeugter Haltung schlich er daher, nicht wie ein Jüngling von 24 Jahren, sondern wie ein Mann, der dem Greisenalter bereits eutgegenzuwanken beginnt. Herr Greß bemühte sich vergeblich, den jungen Mann aufzurichten, als wahrer Jehudi müsse er alles, was von Gott komme, in Liebe und Ergebung hinnehmen und seiner Gefühle Herr zu werden suchen. „Gerad', weil ich zum wahren Jehudi durch Vögelchens Einfluß geworden bin," erwiederte dann meistens Jsaac, der durch die Leidenschaft sich das ruhige Urthcil nicht zu bewahren vermochte, „gerade als echter Jude kann ich es nicht ertragen, wie dieses Mädchen, diese begeisterte Jüdin, einen Mann bekommen soll, der es so leicht mit unserer Religion nimmt. Gestern erst sah ich wieder, wie er einige Vorschriften derselben verletzte. Eignet sich ein solcher Mann für meine frühere Braut?" „Nun, wie sie Dich auf den rechten Weg geführt hat, so wird sie auch ihren jetzigen Bräutigam so zu leiten wissen, daß auch er in religiöser Beziehung in Kürze ein Mann nach dem Herzen aller Gottesfürchtigen sein wird." „Nimmermehr," meinte Jsaac, „noch heute gehe ich 311 einem polnischen Naw und werde ihm die Sache vortragen." „Da gehe doch lieber zur Plotschker Rebbezin, die weiß für Alles eine Ezoh?) Und Jsaac that, wie ihm gerathen wurde. Seitdem Rew-Pork durch die russischen Judenverfolgungen der Wohnsitz von einigen Hunderttausend unserer östlichen Glaubensgenossen geworden ist, hat sich daselbst ein Stadttheil entwickelt, den ein polnischer Jude, wenn er plötzlich dahin versetzt würde, ohne zu wissen wo er sich befindet, im ersten Augenblick für einen Theil Warschaus oder Wilna's halten würde. Bald indeß müßte er sich sagen, daß er hier weder in der einen, noch in der anderen der genannten Städte sein könne. So hoch sind vor Allem die Häuser in Rußland nicht, auch fehlt neben den großen deutsch-polnischen Jargoninschriften in hebräischen Lettern, die im fernen Osten üblische Ueber- *) Rath.