Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1898)
- Date
- 1898-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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230 asfimiliren können oder wollen, eine rechtlich geschützte Heimath zu gewähren. Lebhafter Widerspruch erhob sich, als Dr. Löwy bei Erörterung der Gründe für die Neubesiedelung auch das Nationalitätsprinzip ausstellte. „Wenn wir auch deutsche Staatsbürger sind", meinte der Redner, „und unsere Pflichten mit Gut und Blut erfüllen, so bilden wir Juden doch eine Nationalität. Die große Vergangenheit, die wir als solche gehabt haben, legt uns die heilige Pflicht auf, an die Zukunft zu denken." Dann aber verließ Redner das nationale, politische Gebiet u. führte die Humanität ins Feld. Sie gebiete es, daß den neun Millionen Juden, die in Rußland, Rumänien, in Marokko und in Persien heute elend verschmachten, endlich die Befreiungsstunde schlage. Dreißig blühende jüdische Ackerbaukolonien sah der Redner in Palästina. So sollte man die Glaubensgenoffen nur weiter nach dem heiligen Lande führen und nicht nach Argentinien, wo den Millionen des Baron Hirsch zum Trotz nichts erreicht worden sei, weil der ideale Gedanke: „Du stehst auf uraltem Eigenthum!" die Arbeit nicht beseelen konnte. In der Diskussion empfahl zunächst ein Sozialdemokrat die Lehren „der Juden Marx und Lassalle" als die einzigen Heilmittel auch für die unterdrückten Glaubensgenoffen. — Redakteur Klausner ist dem Zionismus nicht entgegen, so lange er Unglückliche in beffere Verhältnisse bringen will. Habe die Bewegung als eigentliches Ziel jedoch die Gründung eines Staates im Auge, so müffe er sie bekämpfen. Auch er glaube an eine Rückkehr nach Zion. Aber er vertraue hierbei auf Gott, der diese Rückkehr verheißen, und Gott soll man nicht vorgreifen. (Beifall und Lachen, welch' Letzteres kaum der religiösen Aeußerung an und für sich galt, sondern wohl mehr dem Umstande, daß sich eine solche im Munde des stadtbekannten Redners gar eigenthümlich anhörte.) Nun ergreift, lebhaft begrüßt, Dr. Herzl das Wort. Für ihn ist die ganze Frage bereits so weit gelöst, daß sie nur noch eine Geldfrage ist. Wir leben ja im Zeitalter der Kolonisationen. Warum also nicht Palästina kolonisiren, und welche Negierung sollte dies den Juden des Westens nachtragen wollen. Im Gegentheil! Schon lebten in New-Aork eine Viertelmillion armer russischer Juden sich selbst und den übrigen zur Kümmerniß. Schließlich berief zur Beruhigung der ängstlichen Gemütber Dr. Herzl sich ebenfalls auf die Baseler Beschlüsse. Trotz des ihm gespendeten Beifalls war die Opposition nicht entwaffnet. Ihr trat der antisemitische Pastor Faber entgegen. Erbeglückwünschte die Juden zu dieser Bewegung, denn er kenne das Elend ihrer Glaubensgenoffen im Orient, und sei Zeuge gewesen, wie man in Persien sie zu Hunderten abgeschlachtet habe. Enthusiastisch sang er das Lob des Zionismus, durch das er einen Sturm' der Begeisterung entfeffelte. Ein Gegner des Zionismus meinte jedoch, nächstens würden nun wohl auch Ahlwardt und Liebermann von Sonnenberg in die zionistische Versammlung kommen, und das eben wäre für die Sache recht bezeichnend. Ein Ausbruch der Entrüstung folgte diesen Worten. Man drang auf den Sprecher ein, andere warfen sich schützend dazwischen und vergebens waren die Anstrengungen des Bureaus, der Erregung Einhalt zu thun. Inmitten des allgemeinen Tumultes erhob sich der überwachende Polizeibeamte und erklärte die Versammlung für geschlossen. Aber nur langsam und zögernd verließen die erregten Gruppen den Saal. Mitternacht war es geworden, als die Versammlung so ein „vorzeitiges" Ende gefunden hatte. Noch ein Dutzend Namen wies die Liste der Redner auf, die nun an einem der nächsten Abende zu Worte kommen sollen. Frankfurt a. M. 10. Febr. Der Verein Me kor Chajim in hiesiger Stadt, deffen Wirksamkeit im Dienst der Pflege des Thorastudiums sich, dank des unermüdlichen Eifers des Vorstandes, von Jahr zu Jahr in erfreul cher Weise immer mehr ausgedehnt hat, erweiterte letzt auf Antrag verschiedener Mitglieder, seinen Lehrplan noch um einen Gegenstand, der, wie wir zuversichtlich hoffen, auch zum Gelingen der heiligen Zwecke der Vereinigung beitragen wird. Vorträge, deren Inhalt sowohl der glorreichen Geschichte und Literatur unseres Volkes entbhnt ist, und die auch sozialeund kulturhistorische Fragen behandeln,welche sich entweder auf dem Boden des Judenthums abspielen, oder doch in naher Beziehung zu demselben stehen, sollen bei den Mitgliedern und auch in weiteren Kreisen das V rständniß unserer heiligen Sache fördern. Zu diesem Zweck wird jeder Redner es als seine Aufgabe betrachten jedes Thema nicht nur vom wahrhaft jüdischen Standpunkt aus darzustellen, sondern auch jede Gelegenheit wahrzunehmen den Eis er und die B e g e i st er un g für die E rf ü ll un g der Mizwaus in den Herzen der Zuhörer zu erwecken. Den Reigen dieser Vorträge eröffnete am verflossenen Sonntag Herr Dr. Emanuel Carlebach mit einem Vortrag über „das S k l a v en t h u m im Lichte der Th ora." Der Redner schilderte zuerst wie das Judenthum die Sklaverei, wie sie bei den übrigen Völkern des Orients gebräuchlich gewesen, niemals gekannt habe, Das Wort 12V, das man im allgemeinen mit Sklave übersetze, bedeute nichts weniger als das, haben ja die größten Propheten und selbst ntro sich mit Stolz nny genannt. Der Redner erwähnte sodann, daß er in seiner Darlegung sich nur mit der Persönlichkeit des '^27 des jüdischen “ni? befassen und versprach Ausführungen über nny in einem nächsten Vortrage. — Er legte hierauf, auf Grund streng wissenschaftlicher Forschung dar, unter welchen Umständen