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Der Israelit · 1898-02-14 · Heft 13 (14.2.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 13 (14.2.1898)
Date
1898-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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235 Vor fünfzig fahren. Chronik -er Iudenrrnancipalion im Jahre 1848. Das heute vor fünfzig Jahren erschienene „F r a n kfnrter Journal schrieb: Meiningen, 9. Februar. Schon im vorigen Jahre wurde unseren Landständen ein Gesetz wegen Verbesserung der Verhältnisse israelitischer Unterthanen vorgelegt; solches konnte jedoch wegen der damals erfolgten Auflösung des Landtages nicht mehr zur Berathung kommen. Man vernimmt nun, daß dasselbe von den jetzt versammelten Landständen berathen werden soll, und es knüpfen sich natürlicherweise die Hoffnungen der israelitischen Unterthaneu daran. Wiewohl nun von einer vollständigen Emanzipation der Juden in diesem Gesetzentwürfe gar nicht die Rede ist, sondern einzig und allein einige drückende, mittelalterliche Verordnungen außer Kraft gesetzt werden, wie denn z. B. das Schutzgeld, welches kaum in eineni andern deutschen Lande die Juden zur Zeit entrichten möchten, abgelöst werden kann; ferner die bedingte Möglichkeit der Erlangung eines beschränkten Staatsbürgerrechts rc. ihnen gewährt werden soll, so werden dennoch hier und da Stimmen laut, die sich gegen jede Erleichterung der jüdischen Verhältnisse aussprechen. Den meisten derartigen Aeußerungen liegt jedoch, wie wir fast mit Sicherheit behaupten können, theils Unkenntniß des betreffenden Gesetzentwurfs, theils reines Privatinteresse zu Grunde; einige engherzige Krämerseelen nämlich sind der Meinung, daß die Juden, sobald ihnen der freie Umzug gestattet sei, Handel und Gewerbe zu Grunde richten würden, obwohl diese Furcht schon dadurch weniger begründet wird, daß den betreffenden Gemeindebehörden die Entscheidung über die Zulassung zusieht, ohne daß den Israeliten gegen eine ungünstige Entscheidung der Rekurs an die Negierung gestattet sein sollte. ZettungSrrachrrchten und «Korrespondenzen Deutschland. ER. Berlin, 6. Februar. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde zunächst von einer Zuwendung von (5000 M. für das Krankenhaus (Spende der A d o l f und F l o r a Joroslanokischen Eheleute) Kenntniß genommen. Gegen den Antrag betr. Einsetzung eines besonderen Ausschusses zur Vorberathung des Gemeinde-Haushalts- EkatS 1898/1901 wird von dem zeitigen Rechnungsausschub Verwahrung eingelegt und die bestehende Commission durch drei neue Mitglieder Rechtsanwalt Apolant, Landschaftsmaler Bodenstein und Moritz Neufeld, verstärkt. Herr Julius Grünwald hat zur Errichtung einer Stiftung bei der Armencommission 4000 M. übersandt. Hierzu wird die landesherrliche Genehmigung nachgesucht werden. Als dringend stellt Herr Prof. Le min den Antrag Punkt 7. Petiton Einrichtung eines Sonntagsgottesdienstes zu vertagen, da zur Zeit kein Stenograph zu beschaffen ist und so bei den Verhandlungen Unrichtigkeiten in die Oeffentlichkeit gelangen könnten. Dem Anträge wird zugestimmt. Die Zinsen des Hertel'schen Legats von 52,400 M. werden in üblicher Weise dem Verein Amicitia, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums und der Lehrerbildungsanstalt zugewandt, deßgleichen die Zinsen der Jeanette Lissauer Stiftung den entlassenen Zöglingen des Waisenhauses, sowie die Zinsen des Z erline Helfsi'schen Legates dem Fonds für verschämte Arme überwiesen. Für den Umbau der Synagoge in der Kaiserstraße werden 5,960 M. wesentlich durch die elektrische Beleuchtung hervorgerufen, nachbewilligt, deßgleichen 199 M. 73 Pfg., für die Errichtung eines Fahrstuhls im Krankenhause. Statt des ausscheidenden Herrn L. Bamberger, wird Herr Wilhelm Goldschmidt und ferner werden von Gemeindemitgliedern die Herren Oscar Berlin, Theodor Schauf, EmanuelWolff in das Curatorium des Dr. Ephraim-Stiftung gewählt. ** Berlin, 10. Februar. (Aufgelöste Zionisten-Versammlung.) Ein heftiger Kampf wurde Dienstag Abend um Zion gekämpft. LEs war dies im „Königstädtischen Kasino." Dorthin hatten die Freunde jener Idee von einer Neubelebung Palästinas für und durch das Judenthum eine Versammlung berufen. Viele Hunderte, Damen und Herrn, waren erschienen; in der Kopf an Kopf gedrängten Menge waren die verschiedensten Berufsarten und Stände vertreten und der überfüllte Saal spiegelte das Interesse wieder, das durch Theodor Herzl auch bei den modernen Glaubensgenossen für den uralten Gedanken erweckt worden ist. Herzl selbst war gekommen, eine hochgewachsene, vornehme Erscheinung. Das tiesschwarze Haar und der lange dunkle Vollbart geben dem edel geschnittenen Gesicht einen markant orientalischen Typus, und dieser Eindruck wird durch ein paar große dunkle Augen verstärkt, die unter langen schwarzen Wimpern träumerisch und melancholisch hervorblicken. Zunächst sprach Herr Dr. Löwy über „Zionismus und die deutschen Juden". Er legte dar, was der Zionismus will und warum er es will. Bezüglich des „was" berief sich der Referent auf den Baseler Kongreß. Dort habe man erklärt, daß die Bewegung nichts weiter bezwecke, als denjenigen jüdischen Elementen, die'IU nicht

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