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Der Israelit · 1898-02-10 · Heft 12 (10.2.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 12 (10.2.1898)
Date
1898-02-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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218 wirst die Maaren aus die Straße, reißt die Fußböden auf, zertrümmert die Stiegen und versucht an verschiedenen Orten Brandlegungen. Alles das geschieht in größter Ruhe, unter den neugierigen Blicken guter Bürger, angesichts einer großen Ansammlung des Volks, dessen einer Theil Beifall klascht, dessen anderer sich in die Stücke Stoffe theilt und die Beute nach Hause trägt. Die Geschichte wird am Sonntag und Montag fortgesetzt, neuerdings unter den Blicken eines neugierigen Publikums und der unthätigen Gendarmerie. Nahe dem Place du Gouvernement schlägt ein mit einem Bleistock bewaffneter Bürger die Auslage eines Schneiders ganz allein ein, dringt in den Laden und zertrümmert da Alles. Die Menge der Neugierigen läßt ihn ruhig gewähren. Während der drei Tage der Plünderungen war die Polizei ohnmächtig, das Publikum mitschuldig, Maires und Abgeordnete wohlwollend, der Generalgouverneur unthätig', aller Entschlossenheit bar, den Plünderungen und Gewaltthätigkeiten Einhalt zu gebieten, die die Stadt ruiniren und entehren. Ein Richter ging durch die Rue Bab- Azoun in dem Augenblick, da ein Individuum die Auslage einer jüdischen Buchhandlung zertrümmerte: er faßte dieses Individuum am Kragen und übergab es der Polizei. Das that er allein angesichts der heulenden Meute; zwanzig beherzte Bürger hätten genügt, um das Nebel einzudämmen. Inmitten dieser Plünderungen und Brutalitäten wird einer der Manifestanten, ein Spanier, getödtet. Er wird mit großem Pomp begraben, der Generalgouverneur folgt dem Leichenzuge und hört Reden an, die zur Ausrottung der Juden aufreizen. Auf dem Rückwege ermordet man drei Juden mit schmachvoller Grausamkeit. Alle Anschuldigungen, aller Haß, den man gegen eine Rasse haben kann, berechtigen nicht zur Ntedermetzelung wehrloser Passanten, die über die Straße gehen." Ein anderer Gewährsmann, Augenzeuge der Ermordung des unglücklichen Dr. Cheba, schreibt: „Dr. Cheba war 26 Jahre alt, Arzt und genoß allgemeines Ansehen. Seine Mutter bat ihn, nicht auszugehen, allein ec wollte seine Kranken besuchen. „Ich laufe keine Gefahr," sagte er, „in der Menge gibt er Studenten, die meine Kollegen, meine Freunde sind." Man riß ihn aus der Trambahn, um ihn zu ermorden, und ein Schaffner hetzte die Menge auf, indem er riei: „Ich werde Euch noch Andere bringen!" Die Mordthat währte ziemlich lange; Dr. CHLba wurde umringt, Tausende von Hieben fielen auf ihn nieder, bis er als ein blutiger Fetzen auf dem Boden lag. Die Behörden, die sich bei dem Begräbniß des im Krawall getödteten Spaniers gezeigt hatten, bekundeten nicht da« geringste Bedauern über diesen feigen Mord. Der Generalgouverneur rührte sich nicht; der Jude .'wurde insgeheim nächtlicher Weile eingescharrt wie ein Hund. Der Rabbiner und fünf oder sechs Personen folgten der Leiche auf den Friedhof." Türkei. § Kottftantittopel, 2. Febr. Ich habe bekanntlich vor Kurzem gemeloet, daß der Ehacham-Baschi von Kreta hier eingetroffen ist, um bei der hohen Pforte Schritte zu machen, damit bei der bevorstehenden Reorganisation der Aoministration und Justiz dieser Insel die Inden daselbst ihre bisherige Gerichtsbarkeit noch weiter beibehalten dürfen. Der Chacham-Baschi fand hier zwar überall eine freundliche Aufnahme; leider konnte man ihm auf sein Ansuchen keine bestimmte Zusage machen. Die türkischen Staatsmänner wiesen alle darauf hin, daß die Insel Kreta schon jetzt zur Hälfte unter der Oberaufsicht und Verwaltung der Vertreter der sechs Großmächte hier stehe, und diese dürften sich kaum dazu herbeilaffen, den paar hundert kretensischen Juden eine judicielle Ausnahmsstellung einzuräumen. Alles, wa» die Pforte in dieser Angelegenheit thun könne, bestehe darin, daß sie bei den europäischen Kabineten beantragen werde, die Juden Kretas mögen noch weiter ihre religiöse Gerichtsbarkeit beibehalten, während sie in Bezug auf die criminelle unter den gewöhnlichen Gerichten stehen werden. Da nun in Zukunft auf der Insel nicht mehr wie bisher das Türkische, sondern das Griechische die Amts- und Gerichtssprache sein wird, so werden selbstverständlich auch die dortigen Juden nun gezwungen sein, sich das Griechische in Sprache und Schrift vollkommen eigen zu machen. > Vermischtes. < Hamm a. d. Sieg, 2. Feb. Am DUttf n""i, dex 24. Januar b. I feierten das Ehepaar I. H. Stamm und Frau lAmalie ged. Stern), Lehrer u. Cantor in Hamm a. d. Sieg, das Jubiläum ihrer silbernen Hochzeit; unter reger Betheiligung dargebrachter Glück- und Segenswünsche. Möge ihnen der Allgütige noch lange Zeit Gesundheit und Rüstigkeit des Körpers und Geistes erhalten, damit sie in 25 Jahren ebenso das Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern und sich dadurch die herzlichen Wünsche der Ihrigen und der Gratulanten in reicher Erfüllung verwirklichen. Rew-Uork. Vor einigen Tagen fand di« Einweihung de« neuen, der Boung Men's Hebrew Association von Herrn Jacob H. Schiff geschenkten Heims, Nr. 861 Lexington Ave., statt. Rev. Dr. K. Köhler sprach das Eröffnungsgcbct, worauf im Namen des Bau-Comites Herr Fall Uounker dem Präsidenten des Vereins Percival S. Meuten, mit gebührender Erwähnung der Generosität des Herrn Schiff btc Schlüssel überreichte. Ihm schloß sich Herr Daniel P. Heyes mit einer Ansprache an, in welcher er auf dar langgefühlte Bedürfniß einer solchen Anstalt hinwies.

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