Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1898)
- Date
- 1898-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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217 vorgekommener einzelner Falle, wie man solche sonst nur in gegnerischen Zeitungen zu finden gewohnt ist. — In feinfühliger Weise hat Herr E. C., der doch immerhin in düser Sache Partei ist, es unterlassen, auf diesen Theil des Artikels zu erwidern; umsomehr hält es der Unterzeichnete, der zu den engeren Parteigenossen Ihres Herrn Correspondenten gehört, für seine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß diese Angriffe ein rein persönlicher Erguß de« Herrn H. B. sind, welchem die übrigen Mitglieder des Synagogenverbandes, welcher Partei sie auch angehören, vollständig fernstehen. Herr H. B. scheint sich überhaupt in letzterer Zeit als enfant terrible seiner Parteigenoffen entwickeln zu wollen; weßhalb hat derselbe z. B. bei den im Dezember v. I. stattgehabten Wahlen zum Synagogenverband in zwölfter Stunde gegen die von anderer Seite aufgestellten Candidaten, die vollkommen den Ansprüchen, die man an einen Jehudi stellen muß, genügten, Front gemacht und u. A. sich selbst aufgestellt? Muß denn bei jeder Gelegenheit die bei Seite gelegte Streitaxt hervorgeholt werden und der Kampfesruf, hie Ohlsdorf, hie Langenfelde ertönen? Herr H. B. hat mit seinen Angriffen dem Synagogenverband einen schlechten Dienst geleistet. Zunächst waren dieselben, wie erwähnt, gänzlich unberechtigt; für die Synagoge Beneckestraße ist bisher noch kein Schochet engagirt, Hochzeiten mit rwi» Mahl sind auch bei den vom Synagogenverband genehmigten und von n: p"pn ts« vollzogenen Trauungen mehrfach vorgekommen. — (Die betr. Vorstände haben natürlich nicht den geringsten Emfluß auf die Herrichtung des Hochzeitseffens) — und schließlich konnten auch die Mitglieder des Synagogenverbandes bisher schon nwan rrss nein erhalten, wenn nur der festgesetzte Beitrag entrichtet wurde. Andererseits aber muß dem Vorstande des Synagogenverbandes, welcher fortwährend an Finanzcalamitäten laborirt, und welche entschieden die durch die Synagoge Beneckestraße entstandene Spaltung innerhalb seiner Mitglieder mit verschulvet hat, daran liegen, eine Wiedervereinigung herbeizuführen; es haben auch tatsächlich schon wiederholt Verhandlungen in dieser Richtung stattgefunden; daß solche Verhandlungen aber durch Artikel, wie sie Herr H. B. geschrieben, auf's Empfindlichste gestört, wenn nicht gar unmöglich g 'macht werden, dürfte jedem. Einsichtigen klar sein! isnx noier. M. Iacobsen. Aus zwei Gründen muß ich nochmals auf mein Referat in Nr. 8, betreffend die Neue Dammthor- Synagoge zurückkommen, und zwar ad 1) weil darin nicht der Paffus meines Begleitbriefes mit erwähnt war, daß ich keineswegs eine Polemik dieserhalb Hervorrufen, also auch weitere Einsendungen nicht beantworten wolle; mein Schweigen würde also jetzt den Anschein erwecken, als ob ich den Schlüffen des Herrn H. B. — soweit so.che mich betreffen — zustimme, das ist nicht der Fall, ich habe die Sache genau so dargestellt, wie i ch darüber denke und ein Fremder kann meine Gedanken nicht beurtheilen. ad 2) war meine Einsendung durch Versehen des Setzers R. Calmann unterzeichnet, ich segle nicht gern unter verveckter Flagge und unterzeichne deßhalb heute Elias Calmann. Aus Baden. Der Synagogenrath in Karlsruhe macht in den badischen Zeitungen bekannt: „Gemäß Erlaßes des Gr. Ministerims des Innern vow 31. Dez. 1897 N. 39804 muß der alte isr. Friedhof an der Kriegs- und Steinstraße zur Durchführung des festgestellten neuen Ortsbauplanes beim ehemaligen Friedrichsthor an die Stadtgemeinde Karlsruhe abgetreten werden. Wir beabsichtigen. denmächst die Exhumierung und Wiederbeisetzung vorzunehmen. Falls Angehörige von auf diesem alten Friedhofe Beerdigten eine besondere Ueberführung der llcberreste auf ihre Kosten wünschen, so wollen sich dieselben bis längstens 15. Februar d. I. nnter Bezeichnung des betreffenden Grabes hierher wenden." Bei der dieser Tage stattgefundenen Kammerverhandlung wurde mit allen gegen die wenigen Stimmen der Antisemiten und Sozialdemokraten, welch letztere für keinen Cultus Staatsbeiträge bewilligt wiffen wollen, der Staatsbeitrag für den isr. Cultus und für Ausbesserung der minder besoldeten Rabbiner genehmigt und zwar stimmten die Nationalliberalen, das Centrum und die Demokraten, Freisinnigen geschlossen für die Genehmigung. N. Frankreich. ** Paris, 4. Febr. (D i e Krawalleund Plünderungen in Algier.) Henry Bauer, der unbefangene Theaterdirektor und scharfe Chroniqueur, kommt heute auf die wüsten Vorgänge in Algerien zu sprechen, über die er von hervorragenden Persönlichkeiten, wohlgemerkt Katholiken geradezu empörende Mittbeilungen erhalten hat. „Seit mehreren Monaten," heißt eS in einem der Briese, „waren die Gemütber sowohl durch üie Eceigniffe in Paris als durch lokale Aufreizungen erhitzt. Die Explosion erschien aller Welt als nahe bevorstehend und die Verwaltung, die um diese Lage wußte, traf keine Vorsichtsmaßregel, um den wahrscheinlichen Handstreich zu hintertreiben.' Eines Samstags Morgens macht sich eine Bande von dreihundert oder vierhundert Individuen an die Arbeit, ausgerüstet mit Zangen uno Hebeln, schlägt die Auslagen der jüdischen oder anderen Läden ein.