Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1898)
- Date
- 1898-02-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2113 Nachmittags um 3 Uhr fand das Festesten für die Mitglieder und ihre Damen im „Rheingauer Hof" statt, an dem ebenfalls wieder zahlreiche Gäste theilnahmen. Al» Ehrengäste waren Sr. Ehrwürden Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Koref und Gemahlin au» Hanau erschienen. Das Esten war dem Besttzer des „Hotel Emmerich" Herrn Neuhof, Frankfurt a. M., übertragen, der d.stelbe zur vollsten Zufriedenheit aller Theilnebmer herrichtete. Daß bei der Festtafel auch manche schöne Rede gehalten wurde, ist wohl selbstverständlich. Nachdem der jüngste Vorsteher des Vereins, Herr Dr. Strauß, die Anwesenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, ergriff Herr S a l. Müller, der seit Ende der 60er Jahre mit kurzer Unterbrechung als erster Vorsteher an der Spitze des Vereins steht, das Wort und gab einen mit großer Mühe und vielem Fleiße ausgearbeiteten Bericht über den Verein von seiner Entstehung bis zum Jubeltage, der mit dem Wunsche schloß, daß e» dem Verein noch recht lange beschieden sein möge, seine segensreiche Thätigkeit zu entfalten. Reicher Beifall lohnte dem Redner feine große Mühe. Nun nahm Sr. Ehrwürden Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Koref da» Wort, um in längerer Rede, da es ihm aus Gesundheitsrücksichten nicht möglich gewesen, schon am Morgenfestgottesdienste theilzunehmeu, die Zwecke und Ziele der rnnn in meisterhafter, zu Herzen gehender Weise zu beleuchten. Auch ihm wurde reicher Beifall zu Theil. Nachdem Herr Lehrer Höchster in einem Toaste auf die Damen gebeten, daß die Mütter bestrebt sein möchten, in den Herzen ihrer Kinder jene große, heilige Menschenliebe zu entflammen, aus der sich der Verein gründe und da» Hoch auf die Damen jubelnde Zustimmung gefunden, sprach der langjährige Kasstrer de» Vereins, Herr M. A. H e ß, der auch das älteste Vereinsmitgliev ist. Er richtete seine Worte an einen Jubilar. Seit 25 Jahren nämlich ist Herr Hermann Breslau als Diener de» Verein» thätig und hat stets mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit seine Funktionen verrichtet. Als Anerkennung hierfür überreichte ihm Redner einen von den Mitgliedern gestifteten prachtvollen, silberoergoldeten Pokal mit entsprechender Widmung. Alsdann wurde das Tischgebet von Herrn Rabbiner Dr. Koref verrichtet. Nach beendigter Tafel gelangte das von Herrn Max Höchster gedichtete Festspiel zur Aufführung. Der Verfaster hat seine keineswegs leichte Aufgabe in meisterhafter Weise gelöst. Gr läßt die Eigenschaften des Vereins, die Liebe, die Wohlthätigkeit und den Glauben als Personen handelnd auftreten, die sich über die Ziele und Zwecke des Vereins verbreiten; er läßt sie schildern, wie die Kasse vor hundert Jahren entstanden und wie sie darauf fußt, Liebe, Wohlthätigkeit und Glauben zu üben und zu pflegen. Nach beendigtem Dialog tritt die Jugend auf, liebliche Kinder, Knaben und Mädchen, im festlichen Gewände. Nachdem der Sprecher der Jugend das Gelöbnis abgelegt, das treu fortzuführen, „was sie ererbt von ihren Vätern", vereinigt sich die Kinderschar, um ein bezauberndes Bild zu stellen, und mächtig erbraust aus den jugendlichen Kehlen, vom Orchester begleitet, ein herrliches Schlußlied durch den Saal. Doch in kurzen Worten der Inhalt des Festspieles. Der Dialog in gebundener Rede zeichnet sich durch eine wunderhübsche Sprache aus; warm empfundene und zu Herzen gehende Worte, die einen tiefen Eindruck hinterließen. Sichtlich gerührt folgten die Zuhörer dem Fortgang der Handlung und als sich die Jugend zu dem herrlichen Schlußbilde sammelte, das malerisch gestellt, geradezu einen bezaubernden Eindruck erweckte, da brach ein Beifall in ungestümer Form durch und immer wieder mußte der Vorhang sich heben und durften Verfaster und Darsteller sich auf der Scene zeigen. Die Musik zum Schlußliede ist von Herrn Lehrer I. W. Schwarz geschrieben und war von Herrn Musikdir. Hecht von der Husarenkapelle, der mit seiner Kapelle die Festmusik in künstlerischer Weise ausführte, für Orchesterbegleitung eingerichtet. Die prachtvollen Kostüme lieferte die hiesige Firma Gebr. Breslau. Nach zweistündiger Pause begann die Abendunterhaltung, bestehend aus Liedervorträgen ernsten und komischen Inhalts und dem Stolze'schen Lokalschwank „Verspeculiert" und ernteten sämmtliche Mitwirkenden reichen, ungetheilten Beifall. Bei allen Theilnehmern hinterließ das Fest das Bewußtsein, selten eine schönere Veranstaltung milgefeiert zu haben. Eine bleibende Erinnerung an diesen Tag wird eine durch freiwillige Gaben gestiftete und n"'u bis einzuweihende neue Thorarolle bilden. Hamburg, 6. Februar. Wir erhalten die beiden folgenden Zuschriften: Herr H. B. hat in Nr. 6 des „Israelit" die Frage des Synagogen - baues vor dem Dammthor angeregt, eine Angelegenheit, welche wegen ihrer Wichtigkeit für den weiteren Ausbau der hiesigen Gemeindeverhältniste, sowie wegen der von Ihrem Corrcspondenten berührten Concurrenz mit der bereits bestehenden Synagoge „Beneckestraße" das allgemeine Interesse der Gemeindemilglieder in Anspruch nimmt! Was den sachlichen Theil dieses Artikels betrifft, so hat bereits in Nr. 8 Herr E. E., einer der früheren Vorsteher der Synagoge Beneckestraße in durchaus ruhiger und wahrheitsgemäßer Weile geantwortet. — Herr H. B. hat sich aber in obigem Artikel, sowie wiederholt in Nr. 10 in einer unbegreiflichen und unangebrachten Erregung zu bisher gänzlich unberechtigten Verdächtigungen der Mitglieder der Synagoge Beneckestraße hinreißen lasten, sowie zu Verallgemeinerung etwa