Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1898)
- Date
- 1898-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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186 rechtigkeit und Wahrhaftigkeit zu üben. Es sei hinzuweisen neben den frommen Tugenden des Entschlafenen auf das Jenseits und auf den sicheren jenseitigen Lohn. Solch tief ernste Stunde müsse benutzt werden, um die religiöse Gleichgiltigkeit und Abgestumpftheit zu erschüttern. Was nun die häusliche Seelsorge betreffe, den Verkehr des Rabbiners in den Familien der Gemeinde zum Zwecke ausübender Seelsorge, so seien hiergegen manche Einwände gemacht worden. Der Werth solcher Besuche sei indes nicht zu unterschätzen. Es schlinge sich dadurch ein unsichtbares, aber um so innigeres Band zwischen Rabbiner und Gemeinde. Redner führt hier ein treffendes Wort Harnacks an: „Wohl, die Arbeit ist eine sehr umfastende, weit über die Kräfte des Einzelnen hinausgehende. Auch hier gilt uitru posse nemo obligatur, nur muß man es durchaus ernst mit dem posse nehmen." Herr Dr. Kopfst ein bespricht nunmehr einzelne Akte der häuslichen Seelsorge, wie Krankenbesuche, Besuche bei Trauernden, Anwesenheit bei einer nbv ms rrwo, mitsorgende Theilnahme an der Berufswahl der Kinder und schließt sein Referat mit der Bemerkung, daß er beabsichtige seine Ausführungen erweitert in Buchform der Oeffentlichkeit zu übergeben. Dr. Cohn dankte dem Redner für seinen an belehrenden Winken reichen Vortrag. Demselben folgte eine längere anregende Debatte, an welcher sich sämmtliche Mitglieder der Versammlung betheiligten Die Versammlung wählte eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Cohn, Dr. Kopfstein und Dr. Loewenthal—Tarnowitz, welche mit Bezug auf einzelne, in obigem Referat berührte Punkte in nächster Versammlung bestimmte Vorschläge machen soll. — Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet „Aufnahmetermine in den höheren Schulen am Sabbat und an Festtagen." Das Schuljahr 1898/99 beginnt am 14. April, dem letzten Pestachtage. In vielen Lehranstalten findet die Prüfung der neu eintretenden Schüler am ersten Schultage oder am Tage vorher statt. Es wird beschlossen, die Leiter der Anstalten rechtzeitig persönlich zu ersuchen, die Aufnahmeprüfung an einem Werktage anzusetzen. Von einer Eingabe an das Provinzial- Schulkollegium wird Abstand genomwen. Es folgt nunmehr die Revision der Verbandsstatuten, welche unverändert beibehalten werden. Rabbiner Dr. Gold sch midt—Königshütte übernimmt für die nächste Sitzung ein Referat darüber, wie Kinder aus verbotenen Ehen, und solche, an denen nicht vollzogen worden, religiös zu behandeln seien. Die Angelegenheit wird mit Bezug auf einen Spezialfall von dem Vorsitzenden und Rabbiner Dr. Münz—Gleiwitz eingehend besprochen. Rabbiner Dr. Kaatz—Zabrze begründet hierauf seinen Antrag betr. Einrichtung eines Lesezirkels unter den Verbandskollegen und übernimmt es nach Einholung von Erkundigungen in nächster Sitzung weitere Mittheilung über die Ausführung seines Antrags zu machen. Der Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal—Ratibor für das in Jerusalem zu erbauende israelitische Krankenhaus eine nochmalige Sammlung in den oberschlesischen Gemeinden vorzunehmen, wird nach eingehender Erörterung der Angelegenheit abgelehnt. Herr Dr. Kaatz regt auf den Wunsch eines außerhalb Oberschlesiens amtirenden Rabbiners an, der Rabbinerverband möge die religiöse Beaufsichtigung der rituellen Restaurationen in den schlesischen Bädern in die Hand nehmen. Die vorhandenen Mißstände werden allseitig anerkannt. Mangels geeigneter Mittel diese zu beseitigen, werden vorläufig weitere Maßregeln nicht beschlossen. Für die nächste Versammlung, welche in Gleiwitz ftattfinden soll, übernimmt Dr. Löwenthal ein Referat über ein noch zu bestimmendes religiöses oder pädagogisches Thema. Rach freien Besprechungen über die religiöse Wirksamkeit des Rabbiners betreffende Angelegenheiten wird die Versammlung geschlossen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. ** Berlin 2. Februar. (Fürst Bismarck und der Antisemitismus.) Einen Ausspruch des Fürsten Bismarck, der für seine Stellung zur Judenfrage bezeichnend ist, fügen die Deutschsozialen Blätter den bisher über diesen Punkt in die Oeffentlichkeit gelangten Mittheilungen hinzu. Während der Förster'schen Petitionsbewegung zu Anfang der Achtziger Jahre äußerte der Fürst zu einem damals vielgenannten süddeutschen Politiker: „Sagen Sie den Herren, die sich um die Petition bemühen, sie möchten nicht muthlos werden, wenn ihre Forderungen nicht gleich alle Erfüllung finden. Sie kämpfen für eine Sache, die wohl des Schweißes der Edlen wecth ist, und ganz ohne Erfolg, das kann ich versprechen, wird die Petition nicht sein." In der That sind die damals ausgestellten Petita wenigstens indirekt erfüllt worden. Palästina. Jerusalem, Anfangs Jan. Dem „Jew. Chr." wird über das neu zu erbauende jüdische Spital geschrieben : Die fortwährenden Bemühungen des Missionshospitals, der von den Rabbinen erneute -na'x gegen die Frequentirung dieses Hospitals, dessen Hauptzweck die Seelenfängerei bildet, haben, namentlich nach den jüngsten von Ihnen berichteten Ereignissen, die besondere Aufmerksamkeit auf den von dem