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Der Israelit · 1898-02-03 · Heft 10 (3.2.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 10 (3.2.1898)
Date
1898-02-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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187 Frankfurter Komitee unternommenen Bau eines neuen großen jüdischen Spitals gelenkt. Es ist einleuchtend, daß es nicht genügend ist, wenn man die arme jüd. Bevölkerung von den Anstalten der Missionäre zurückhält, wir müssen vielmehr den Verhältnissen entsprechende Fürsorge für die Armen tragen, so daß diese keinen Anlaß haben, das Missionshospital aufzusuchen. Die bereits bestehenden jüd. Hospitäler, so verdienstvoll sie sind und wirken, enthalten zusammen nur 90 Betten, welche in keinem Verhältnisse zu der Zahl der Kranken einer armen Gemeinde von 30 000 Seelen stehen. Um Ihnen einen schwachen Begriff von der Höhe der Krankheitsfällen zu machen, theile ich Ihnen mit, daß Herr Dr. Wallach allein in neun Monaten von 30 396 Kranken ausgesucht und 3019 Personen von ihm besucht wurden. Als Begleiter des Herrn Dr. Wallach überzeugte ich mich persönlich, wie geradezu tötend die dumpfen Räume sind, in denen die meisten Kranken der armen Bevölkerung sich befinden und ich konnte mir leicht die höchst traurige Erscheinung erklären, daß ein großer Prozentsatz dieser Kranken wenig oder gar keine Aussicht auf Rettung hat, während sie in den luftigen Räumen eines nach allen Gesetzen der Hygiene erbauten Spitals bei entsprechend guter Verpflegung in überaus vielen Fällen die vollständige Genesung erlangen würden. Sie und Ihre geschätzten Leser ersehen daraus, welch großem und unabweisbaren Bedürfniß das neue Spital entsprechen und welche Fülle von Wohlthaten für unsere armen Glaubensgenoffen auszuüben es bestimmt sein wird. Der Neubau, den ich in Augenschein nahm, macht die erfreulichsten Fortschritte. Mehr als 100 Arbeiter — darunter 85 Glaubensgenossen — sind an demselben beschäftigt. Daß so viele arme Juden Arbeit und Brot bei dem Bau gefunden, ist schon ein erfreuliches Resultat, es haben sich sogar mehrere Hundert gemeldet, die aber auf einmal nicht verwendet werden können, und dabei ist die Arbeit eine sehr schwere. Die Kosten des Baues sind auf 300 000 M. geschätzt, der Plan ermöglicht auch eine Erweiterung des Gebäudes. Es ist zu constatiren, daß das Frankfurter Komitee (Herr Dr. Roos fungirt als Ehrcn- Schriftführer) entschlossen ist, eine Institution mit allen sanitären, hygienischen und architektonischen Erforderniffen zu errichten und daß es nicht auf halbem Wege stehen bleiben wird. Ein solches Unternehmen wahrer Humanität verdient gewiß die Mitwirkung aller unserer Glaubensgenossen, in welchen Ländern sie auch wohnen und welche Ansichten über Jerusalem sie auch sonst haben mögen. Vermischtes. Frankfurt *. SU., 29. Jan. Gestern, Freitag, hat sich vor dem hiesigen Schöffengericht ein bi-'kl abgespielt, welche jedem Jehudi woblthun muß Es wurde nämlich gegen einen Borbeter und Schächter wegen Diebstahls in mehreren Fällen verhandelt und wurde derselbe wegen eines Falles zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. iZwei andere Fälle konnten wegen Unauffindbarkeit der betreffenden Belastungszeugen nicht genügend bewiesen werden, weßhalb derselbe von denselben freigesprochen worden ist). Es ist dies der Schächter der Gemeinde Buchheim, der sich gegenwärtig Briks oder Brisck nennt; wie ich aber aus sicherer Quelle erfahre, soll derselbe Brisch heißen und schon vielmals und schwer in England vorbestraft sein. Wie aus der Gerichtsverhandlung hervorging, soll derselbe zu den letzten hohen Feiertagen als TUS rr*7iCf (welche höhnische Gotteslästerung!'.) engagirt worden sein — nämlich von der Gemeinde Buchheim — und wurde demselben auch die ntrn& anverrraut, welche zwei heilige Aemter von demselben bis vor 14 Tagen, der Zeit seiner Verhaftung, höhnisch entweiht worden sind. Wie ich hörte, soll derselbe schon in mehreren Gemeinden Deutschlands und Hollands „geschächtet" haben. Es wäre also dringend erforderlich, ein mahnendes Wort, insbesondere an die kleinen Gemeinden, zu erlassen, wozu in erster Linie Ihr Blatt berufen ist, um derartigen schmachvollen Dingen den Weg zu dämmen. Hamburg. (Israelitische HauShaltungsschule.) Die Nothwendigkeit, die weibliche Jugend sowohl für das eigene Heim wie auch zu Stellungen in fremden Häusern gründlich vorzubilden, hat sich auch in israelitischen Kreisen lebhaft ge tmd gemacht Es sind für diesen Zweck bereits Fonds znsammengeslossen.die indes zur Verwirklichung der Absichten noch nicht ausreichen. Zur Vermehrung der nöthigcn Mittel wird am kommenden Montag ein Concert verbunden mit dramatischer Veranstaltung im großen Saal des Conventgartens stattfinden. Wie wir hören, sind durch die Bemühungen verschiedener Damen und Herren bereits etwa 1000 Karten verkauft worden. Beutheu (Oberschlesien). Im hiesigen jüdischen Lese- und Literaturverein hielt Herr Rabbiner Dr. Münz aus Gleiwitz vor einer zahlreichen Versammlung einen Vortrag über „Immanuel Kant's Philosophie im Geiste jüdischer Denker." Jnowrazlaw, 19. Januar. Das fünfzigjährige Geschäftsjubiläum feierte am Dienstag, dm 11. Januar, einer unserer ältesten und strengstreligiösen Mitbürger unserer Stadt, Herr Juwelier uud Goldarbeiter Joseph Löwens o h n. Derselbe hat trotz großer Hindernisse und mannigfacher Schwierigkeiten die Heilighaltung des Sabbats streng beobachtet. Derselbe erfreut sich mit seiner Gemahlin körperlicher und geistiger Rüstigkeit und nimmt noch täglich an den talmudischen Vorträgen im hiesigen Forschungshause unter Leitung des Klausrabbiners und Rabbinatsassesso-s Herrn Dr. Tietz Morgens und Abends theil. Möge es dem greisen Talmudgelehrten noch lange vergönnt sein zum Wohle für unsere Gemeinde zu leben und für das Gemeinwohl zu wirken. Herr Löwensohn ist auch Vorsteher des jüdischen Vereins für Bewirthung von Gästen und verwaltet dieses Amt mit großer Sorgfalt. Wien. Seine Majestät der Kaiser hat dem Freiherr» Natbaniel von Rothschild die Hoffähigkeit zu verleihen geruht. Seinem Bruder, Albert von Rothschild, ist diese Auszeichnung schon vor mehreren Jahren zu Theil geworden. Prag. Der Statthalter hat den czechischen Verein „Obrani" (Abwehr), der viele Jahre hindurch über ganz

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