Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1898)
- Date
- 1898-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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180 Wanderung allein sei das Komitee gegründet worden, sondern um den bedrängten russischen Juden zu helfen, und hierzu biete sich in den mannigfachsten Formen Anlaß und Gelegenheit übergenug. — Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß der einzige Unterschied zwischen der Anschauung des Vorredners und der des geschäftsführenden Ausschusses darin bestehe, daß letzterer nur die Zinsen, Herr Dr. Neumann auch das Kapital verwendet wissen will. — Herr M. W. Hinrichsen—Hamburg erachtet eine Auflösung des Central-Comitees, da die Thätigkeit, zu der es entstanden, aufgehört habe, für natürlich, wünscht aber, daß dasselbe ein Collegium von drei Herren mit dem Rechte der Cooptation und Selbstergänzung ernennen möge, welche das Kapital der Verwaltung der hiesigen Gemeinde überweisen und die Zinsen für russische Juden verwenden, eventuell auch berechtigt sein solle, über das Kapital zu verfügen. Redner kann das Recht der Komitee's, ihre Beträge zurückzufördern, nicht anerkennen und erachtet das für um so bedenklicher, da es nvthig sei, gegenüber etwaigen Calamitäten, die jedesmal spontan ausdrachen, rechtzeitig mit namhaften Summen gerüstet zu sein. — Herr General-Consul Eugen Landau hrbt die Verdienste der Herren Justizrath Meyer, Rechtsanw. Breslauer und M. W. Hinrichsen um das Hülfswerk rühmend hervor und betont gleichfalls die Nothwendigkeit, ein Kapital zu reserviren. — Herr Amtsgerichtsrath Levy—Beuthen verweist auf die betreffenden Paragraphen des i. I. 1891 festgestellten Statuts des Central-Komitees und billigt dementsprechend den Antrag auf Auflösung, dessen Berechtigung er in eingehender Rede begründet, um dann für Ueberweisung eines Theiles des Bestandes an da» oberschlesische Grenzkomitee zu plädiren. — Herr M. A. Klausner glaubt, daß wohl noch ein Tätigkeitsgebiet für das Komitee vorhanden sei, und empfiehlt den Fortbestand. — Herr Rabbiner Dr. V o g e l st e i n—Stettin schließt sich dem Anträge Hinrichsen an und wendet sich nachdrücklichst gegen jede Rückzahlung. — Dr. Hirsch Hildesheimer ist gleichfalls für Schaffung irgend einer die Thätigkeit des Komitees fortsetzenden Organisation etwa nach dem Muster der von Hinrichsen vorgeschlagenen. — Bei der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses auf Auflösung des Komitees genehmigt und sodann beschlossen, daß ein ständiges Komitee von drei Personen mit dem Rechte der Selbstergänzung ernannt werde, welches befugt ist, über das Kaphtal, das an sicherer Stelle deponirt wird und über die Zinsen für bedrängte russische Juden zu verfügen. In das Komitee werden gewählt die Herren Rechtsanw. Breslauer, Regierungsräth Magnus und General-Consul Landau. — Hierauf wird die Frage ob und in welchem Umfange Mckzahlung zu leisten ist, erörtert. Herr Rechtsanw. Breslauer verliest den Antrag des geschäftsführenden Ausschusses über Art und Höhe der zurückzuzahlenden Raten. Herr Dr. V o g e l st e i n—Stettin wünscht, daß nur an diejenigen Komitees, welche eine dahingehende Forderung stellen, Rückzahlung erfolgen soll, während die Herren M. Weiß—Berlin und M. W. H i n r i ch s e n—Hamburg derselben überhaupt widersprechen, letzterer unter Hinweis darauf, daß ja die Thätigkeit fortdauert; jedenfalls soll eventuell das neugewählte Komitee über die Berechtigung der Rückforderungen nach eigenem Ermessen entscheiden. Entsprechend diesem Anträge wird beschlossen, dem neuen Komitee die Prüfung zu überlassen, ob und in welchem Umfange Rückzahlung erfolgen soll. Herr Hinrichsen beantragt, durch Vermittelung des Hamburger Komitees dem dortigen „Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose" (der z. B. im Jahre 1897 23 000 Speiseportionen in der Auswandererhalle verausgabt hat) 5000 Mk. aus dem vorhandenen Kapital zu überweisen, was beschlossen wird. Desgleichen werden nach dem Anträge des Ausschusses je 5000 Mk. für die Grenzkomitees in Königsberg und in Oberschlesien und 3000 Mk. für das in Stettin bewilligt. — Herr Hinrichsen spricht dem Vorsitzenden und Schriftführer für die Leitung der Verhandlungen und für die unermüdliche Thätigkeit im Dienste des Hilfswerkes in warmen Worten Dank aus, dem die Versammlung durch Erheben von den Sitzen sich anschließt. Nachdem hierauf Herr Rabbiner Dr. V o g e l st e i n dem Wunsche, daß ähnliche Prüfungen, wie die, welche das Entstehen des Central-Komitees nöthig gemacht, von unseren russischen Brüdern abgewehrt bleiben, daß aber, wenn der Rathschluß des Allmächtigen es anders gefügt, sich opferwillige, werkthätige Helfer in Israel finden mögen, Ausdruck gegeben, schließt der Vorsitzende die Versammlung. ** Berlin, 2. Febr. Ueber den interessanten egyptischen Fund, der unter den hebräischen Handschriften aus der Geniza der alten Synagoge in Kairo gemacht worden ist — es handelt sich um einen Palimpsept mit zwei Stücken der griechischen Uebersetzung des alten Testamentes des Aquila von Pontus — werden jetzt einige nähere Angaben gemacht. Danach ist der Fund die erste nennenswerthe Probe der Übersetzung, die unter den griechisch sprechenden Juden mit der Septuaginta wetteiferte. Die Uebersetzung ist, wie sich aus den gefundenen Stücken ersehen läßt, so peinlich wörtlich, daß sie zuweilen beinahe unverständlich ist; nicht eine Silbe des heiligen Textes ist unbeachtet geblieben, jede Partikel in der ihr eigenen Bedeutung beachtet und wiedergegeben. Eine weitere Eigenart dieser Übersetzung ist ihre Behandlung des Tetragrammaton, des heiligen Gottes-