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Der Israelit · 1898-01-27 · Heft 8 (27.1.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 8 (27.1.1898)
Date
1898-01-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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155 hebräische Literatur zu veranstalten. Aus der letzteren hat eben eine Serie von Vorträgen über die jüdische Mystik und Kabbalah von Dr. I. Ginzig und über die Haggada von Herrn Levi Berger begonnen. Außerdem hat derselbe Verein unentgeltliche Kurse zur Erlernung der hebräischen Sprache und Literatur errichtet. Eine bedeutende Anzahl jüdischer Studenten hat diese sich darbietende Gelegenheit, ihre Muttersprache zu erlernen, ergriffen und wird schon in den nächsten Tagen am Unterrichte theilnehmen. Der genannte Verein hat sich dadurch ein nicht hoch genug zu schützendes Verdienst um die Hebung des jüdischen Bewußtseins in unserer Stadt erworben und ist dies umsomehr zu loben, als derselbe durch keine Subventionen — nicht einmal vom hiesigen Cultusvorstand — unterstützt wird und seine bedeutenden Ausgaben nur aus eigenen, sehr geringen Mitteln bestreitet. Derselbe Verein hat am ersten Tage des Chanukkafestes im hiesigen Tempelsaale eine von circa 300 Glaubensgenossen besuchte Feier veranstaltet. Es sprachen Dr. Landau in deutscher, Dr. Ginzig in hebräischer und Herr I. Fränkel in polnischer Sprache. Wie verlautet, arbeitet die bekannte polnische Schriftstellerin und Schauspielerin, Gabrielle Zabolska — deren letztes Drama aus dem jüdischen Leben „Malta Schwarzenkopf" schon fast auf allen polnischen Buhnen mit glänzendstem Erfolg aufgeführt und in Warschau allein während des Sommersaisons 88 Mal in Scene gesetzt wurde — an einem neuen Schauspiel in demselben Genre, das die weiteren Schicksale des chassidischen Helden nach dem Selbstmord seiner idealen, dem Ghetto entwachsenen Gattin behandeln soll. In kurzer Zeit sollen hier Wahlen in die Cultusrepräsentanz auf Grund des neuen, von der Statthalterei genehmigten, musterhaften Statuts stattfinden. Aus diesem Anlaß wird von der orthodoxen Partei eine rührige Agitation betrieben, da diese mit Recht mehrere Mandate verlangt. Jonas Fränkel. ** Prag, 20. Januar. (Abg. Dr. Engel über den Antisemitismus.) Der Budivoj veröffentlicht eine briefliche Aeußernng des Abgeordneten Dr. Engel über die czechisch-jüdischen Bestrebungen und den Antisemitismus, welche lautet: Sollte der Antisemitismus Eingang in die jungczechische Partei erlangen, so würde für mich kein Platz mehr darin sein, denn ich beharre auf dem Standpunkte der faktischen und vollen Gleichberechtigung und einer ehrlichen Humanität. In dieser Beziehung kann ich keine Compromiffe erkennen. Ich habe stets nach den angeführten Grundsätzen nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch (und dies nicht wenigemale zu meinem eigenen und nicht geringen persönlichen Schaden.') gehandelt und ich werde mich an denselben jetzt im vorgerückten Alter gewiß nicht versündigen! Ich wünsche keine Popularität auf Kosten von Mo« ralitätS-Prinzipien. ** Budapest, 23. Jan. Der Professor am hiesigen katholischen Priester-Seminar, Herr Leopold Huber, der sich als Lehrer und Schriftsteller auf dem Gebiete der christlichen Theologie hohen Ansehens erfreut, veröffentlicht soeben eine Studie über den Talmud und zwar vom kulturgeschichtlichen Standpunkte. Im Eingänge seines Werkes, das der Verfasser auch dem deutschen Publikum zugänglich machen will, orientirt er über Natur und Bedeutung des Talmuds, um dann in einer reichen Blumenlese Citate aus allen Gebieten des Wissens und der Praxis zu geben. Wenngleich der Talmudkenner in dem 280 Seiten starken Bande manche Jrrthümer entdeckt, so wird er doch mit Genugthuung zur Kenntniß nehmen, daß ein Kritiker des antisemitischen Blattes „Alkomany“ in den Stoßseufzer ausbricht: „Die künftigen Führer der in den Kreisen der Intelligenz immer mehr um sich greifenden antisemitischen Bewegung müssen aus diesem Werke die Ueberzeugung schöpfen, daß man numnehr aus Talmud-Motiven keinen Antisemitismus mehr aufbauen kann." Als besonders bemerkenswerth verdient hervorgehoben zu werden, daß die Kosten der Drucklegung des BucheS Erzbischof Georg 'von CsaSzka getragen hat. Die Abwehrvereine sollten Auszüge aus diesem Buche zu verbreiten suchen. Rußland. ** Petersburg. Eine ständige Rubrik in den jüdischen Zeitungen Rußland's bilden die ständig aus dem Ansiedelungsrayon dringenden Klagen über Mangel an jeglicher Arbeitsgelegenheit und die fortschreitende Verelendung der jüdischen Massen. Im Anschluß hieran ergeht immer wieder der Ruf an unsere reichen Glaubensgenossen, nicht durch Almosen, sondern durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit, Errichtung von Fabriken rc. ihren armen Brüdern zu helfen. Allein während so viele christliche Industrielle und sogar Gutsbesitzer in Polen und Süv-Rußland mit Vorliebe jüdische Arbeiter beschäftigen und ihnen das beste Zeugniß ausstellen, gibt es leider nicht wenige jüdische Arbeitgeber, welche in ihren Etablissements prinziell keine Juden dulden. Eine löbliche Ausnahme macht in dieser Beziehung die bekannte Philantropen-Familie BrodSky in Kiew. In den zahlreichen Fabriken, welche dieser Familie gehören, finden Tausende jüdischer Beamten und Arbeiter Beschäftigung und Brod. Was aber besonders hervorgehoben und den anderen jüdischen „Großen" zur Nachahmung empfohlen zu werden verdient, ist die von den Blättern kürzlich gemeldete Thatsache, daß Herr Leon Brodsky in Slatopol, dem Stamm-

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