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Der Israelit · 1898-01-27 · Heft 8 (27.1.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 8 (27.1.1898)
Date
1898-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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UNIX. Jahrgang. Erste BrUage M M 8 des Jiarnelit“. Leitender Artikel. Der Zionismus. Ein Vortrag von Direktor Dr. Mendel Hirsch. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Es ist dies ja alles recht schön gedacht, wenn es sich um die Gründung irgend eines national und religiös indifferenten Staates in irgend einem neutralen Erdenwinkel handelte. Allein bei dem Gedanken, daß dieses Phantasiebild die Skizzirung eines jüdischen Staates darstellt, eines Staates, der den heiligen Namen Zion an der Stirne trägt, eines von „Zionisten" zu gründenden, von „Zionisten" zu bevölkernden, auf dem Boden des heiligen Landes zu errichtenden Staates, weht uns ein Eiseshauch entgegen. Ein Zionsftaat ohne Zion? Ein Judenstaat ohne Judenthum? Wir erklären laut, schon der Ged anke an einen solchen Staat an so lcher Stätte beleidigt uns aus's tiefste in unseren heiligsten religiösen Gefühlen. Wir erklären ferner, daß nach unserer Ueberzeugung, einem solchen Judenstaate jedes staatenbildende und staatserhaltende Prinzip fehlt. Und erklären endlich, daß gerade ein solcher, der reinsten und besten Absicht entfloffener Plan eines jüdischen Staates in Palästina ohne Judenthum nach unserer Ansicht schon an sich der stärkste und traurigste Beweis ist, wie fern, wie unendlich fern wir noch von jenem Ziele sind, deffen Erreichung durch die Worte unseres Gottes die Vorbedingung für die Heimkehr bildet. Nach unserer Ueberzeugung haben wir die Gestaltung unserer nationalen Zukunft, die Wiederherstellung der nationalen Selbständigkeit der göttlichen Weltwaltung zu überlassen. Solchen Plänen gegenüber erübrigt sich vollständig eine Erörterung von eschatologischen Fragen. Wir leben der Ueberzeugung, daß wenn erst alle Juden in Wahrheit jüdische Juden, im wahren Sinne zionistische Juden geworden sein werden, fich diese Fragen von selbst beantworten werden. Das hat schon der Prophet Zefanja ausgesprochen und die Weisen haben es, als sie nach der Bestattung der bei Bethar Gefallenen die vierte Beracha im Tischgebet anordneten, für immer unserem Bewußtsein einprägen wollen.*) Wir gesetzestreuen Juden fühlen es, wir *) Veral. den Commentar zu Israels Gebeten von S. R. Hirsch S. 17 und 109. sind noch nicht reif für diese Zeit, die Zionisten ohne Zion sind es noch weniger. Inmitten der Culturvölker, unter denen wir leben, können wir ruhig unser Haupt erheben und glauben keinen Vergleich scheuen zu dürfen, wenn wir auch von minderwerthigen Elementen ebensowenig frei sind wie sie. Allein hinter den hohen Anforderungen, die unser Gott an uns stellt, stehen wir noch weit zurück. Auf unsere Fehler machen wir uns selbst aufmerksam, indem wir uns unsere Pflicht vergegenwärtigen und an deren Maßstab uns messen. Auf Zurechtweisungen von Seiten Anderer, die diesem Ziele noch ferner sind, dürfen wir wohl verzichten. Wenn die heimkehrenden Brüder, wie e« in der Begrüßungsrede auf dem Congreß hieß, „im Vaterhause manches finden, wa« der Besserung bedarf," so glauben wir das auch, wie vorhin betont, sind jedoch zu rücksichtsvoll, um zu sagen, wer wohl am allerersten der Besserung bedürfen möchte. Wenn es aber weiter heißt, daß „am Bewährten wir nicht rütteln wollen", so wissen wir nicht, was für sie das Kriterium der „Bewährung" bildet. Für uns sind die fechshundertunddreizehn Gebote und Verbote unseres Gottes das für uns einzig und ewig Bewährte. Durch das Streben, immer klarer das Gotteswort zu erkennen, immer mehr uns mit dem Geiste der Gesetze zu durchdringen und als bewußte Juden sie gewissenhaft zu erfüllen, arbeiten wir an der Erreichung des wahrhaft zionistischen Zieles. In diesem Sinne, aber auch nur in diesem, sind wir Alle Zionisten. Eine Anschauung jedoch, die dem Gottesgesetze höchstens eine wohlwollende Toleranz einräumen zu können glaubt, ist, im Lichte der jüdischen Wahrheit und der jüdischen Geschichte betrachtet, so ehrlich sie es auch meint und so hochachtbar auch ihre Vertreter sind, eine das Wesen der jüdischen Bestimmung vollständig verkennende und deßhalb irrige. Israel» Lebensseele ist die Thora. Nur was zu ihr führt, führt zum Leben und hat eine Zukunft, denn die Zukunft gehört ihr. Wenn wir bei dieser Prüfung des Zieles der zionistischen Bewegung nur zu einem negativen Resultate gelangen konnten und der Idee des geplanten „Judenstaates" jede Berechtigung absprechen mußten, so gelangen wir zu einem ganz anderen Ergebniß bei der Würdigung des symptomatischen Charakters dieser Bewegung, wenn wir nämlich ihre Bedeutung als Symptom einer in den betreffenden Kreisen sich vollziehenden Bewegung ins Auge fassen. Was wir Eingangs bereits kurz angedeutet haben, möge zum Schlüsse mit einigen begründenden Worten noch näher ausgeführt werden?

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