Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1898)
- Date
- 1898-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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142 Wallung des Neuen Dammthor-Synagoge dem Herrn Oberrabbiner da» Versprechen: so lange nicht eine vorläufig nunmehr entbehrliche Concurrenz-Synag o ge seitens des Synagogen-Verbandevor dem Dammthore errichtet werde, sollen mit ihrer Zustimmung keine Trauungen eingeführl werden; al» nun (sehr zur Unzeit) trotzdem wiederholte Anläufe zur Erbauung solcher Concurrenz- Synagoge genommen wurden, verlangten die Garanten und ein Th eil de» Vorstandes die Einführung der Trauungen und nachdem dieser Antrag zuin Beschluß erhoben, mußten die beiden erwähnten Vorstandsmitglieder aus einer Verwaltung scheiden, welche deren — wenn auch privatgegebene« Manneswort nicht aufrecht erhalten ksnnten, io lange die Concurrenz-Synagoge nicht errichtet war. Lllerding« ist erst nach derenAuStritt die Confirmation resp. Religionsweihe neben der Trauung eingeführt worden, welcher sie beide« wohl noch hingehalten hätten; dem Anfangs erwähnten Gründet a t u 1 der Synagoge widerspricht Beides nicht, bildet jedoch einen weiteren Trennungs-Grund, den zu vermeiden — e« muß al« Thatsache nochmals erwähnt werden — der S y na gogen-V erdand in Händen gehabt hätte. R. Cal mann. ** Beuthen O.-S, 24. Jan. Die Stadtvelordneten-Versammlung vom 10. d. M. brockte die dreißigste Wiederwahl des Herrn Dr. Mannheimer zum Stadtv.rordneten-Vorsteher. Dr. M. ist wohl in Schlesien der älteste Stadtverordnete-Vorsteher der AmtSthätigkeit nach. Die strenge Unparteilichkeit, nicht minder seine, selbst mit zunehmendem Alter ungeschwächte Geistesschärfe laffen den Wunsch der hiesigen Bürgerschaft, den Stadtverordneten und des Magistrat« begreiflich erscheinen, den in allen Kreisen beliebten Mann noch lang,e an der Syche de« städtischen Parlament« zu sehen. Oberbürgermeister Dr. Brünning konftatirte mit freudiger Genugthuung, daß der Fall einer 30jährigen AmtSwaltung al» Stadtv rordneten-Vorfteher in der Geschichte der preußischen Städte noch nicht vorgekommen sei. Dr. Mannheimer dankte mit bewegten Worten für die ihm dargebrachte Ehrung und sprach den Wunsch aus, daß das hergebrachte friedliche B rhältniß zwischen Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung auch weiter bestehen möge; denn er müsse e« rühmend hervoiheben, daß während seiner ganzen Amtszeit nicht einmal ein Konflikt der Ettiquete zwischen den beiden Körperschaften vorqekommen sei. ** Schwerin, 34. Jan. Seine Hoheit der Herzog-Regent besichtigte vorige Woche die Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde. Am Eingänge empfangen vom LandeSrabbiner Dr. Veilchenfeld und dem Vorstande trat Höchstderselbe in da« Innere der Synagoge und ließ sich alle Einzelheiten erklären. Insbesondere nahm Se. Hoheit die Gedenktafel für den hochseligen Großherzog Friedrich Franz II., sowie die Erinnerungstafel der gefallenen Krieger aus den Jahren 1813, 1870/71 in Augenschein. Die heilige Lade, die Gesetzrollen sowie die alten Kronen und Bronzen schienen den hohen Herrn ganz besonders zu interessiren. Se. Hoheit verließ sichtlich befriedigt das Gotteshaus. Zu Ehren des Empfanges des hohen Besuchs war die Synagoge wie an den hohen Feiertagen auf das prächtigste erleuchtet. ** Kehl. Vor einigen Tagen hielten die Antisemiten hier ihren Parteitag ab, auf dem jedoch die Landtagsabgeordneten Pfisterer und Mampel nicht anwesend waren. Mann sandte an den Großherzog ein Begrüßungstelegramm. Italien. ** Rom, 24 Jan. Der klerikale „Osservatore Romano" vertheidigt sich heute gegen den Vorwurf der sogenannten Dreyfus-Preffe, daß er gegen die Juden gehetzt habe. Im Gegentheil, er habe stets gesucht, die Juden auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die sie bedrohen. Das Blatt sagt dann: Die Juden bedürften wegen ihrer moralischen Schwäche des Schutzes und der Vertheidigung, zumal sie als „Gottesmörder" überall Abscheu erregen. Nur um sie zu schützen, habe das Papstthum, dem Beispiele anderer Staaten folgend, sie in Rom in das Ghetto eingeichlossen und stets väterlich ihre wirthschaftliche Wohlfahrt gefördert. Die Emancipation der Juden habe nur bewirkt, daß die Juden isolirt und dem allgemeinen Haffe ausgeliefert wurden. Der jetzige allgemeine Ausbruch des Antisemitismus sei nur die Folge davon, daß die Juden die bürgerliche Freiheit mißbrauchten, jene Freiheit, auf die sie kein Anrecht hätten, weil sie nur religiös und politisch or^anisirten Völkern Vorbehalten sei. Das jüdische Volk habe aber diese Organisation nicht, weil es unter dem Fluche des „Gottesmordes" stehe und vom Chriftenthum nur aus mitleidigem Entgegenkommen ausgenommen werde. Ein Commentar zu dieser merkwürdigen „Vertheidigung" ist wohl überflüssig. Vermischtes. Eharlottenbnrg Bei der Aufmerksamkeit, die besonder» den Juden detz Ostens mehr alS nöthig geschenkt wird, ist eS vielleicht nicht ohne Interesse, zu konstatiren, daß an der hiesigen technischen Hochschule eine stattliche Kolonie polnischer und russischer Juden technischen Studien sich widmet; all diese Jünglinge kennzeichnen sich durch eine große Bedürfnißlosigkeit, aber mehr noch durch einen eminenten Fleiß; von irgend welchen politischen Bestrebungen halten sie sich fern, sie kommen meist mit einer guten Vorbildung in ihren' Fache nach Deutschland hinüber.