Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1898)
- Date
- 1898-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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141 Aettungsnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin (lieber die Affaire Dr eyfus in der Budget-Kommission des Reichstags.) Auf eine Anfrage des Abg. Richter, was der Herr Staatssekretär über die Affaire Dreyfus mittheilen könne, und ob es insbesondere wahr sei, daß der Genannte Zusammenhang mit deutschen Stellen gehabt habe, erwidert Staatssekretär von Bülow: Sie werden es verstehen, wenn ich auf das eben berührte Thema nur mit großer Vorsicht eingehe; das Gegentheil könnte mir und könnte uns als Einmischung in die inneren französischen Verhältnisse ausgelegt werden, und auch nur den Anschein einer solchen haben wir stets sorgsam vermieden. Ich glaube mich um so mehr der Reserve befleißigey zu müssen, als zu erwarten steht, daß durch die in Frankreich selbst eingeleiteten Prozesse Licht über die ganze Angelegenheit verbreitet werden wird. Ich beschränke mich also darauf, auf das Allerbestimmteste zu erklären, daß zwischen dem, gegenwärtig sich aus der Teufelsinsel befinolichen französischen Exkapitän Dreyfus und irgend welchen deutschen Organen Beziehungen oder Verbindungen irgend welcher Art niemals bestanden haben. Die Namen Walsi-Esterhazy und Picguart habe ich vor drei Wochen zum ersten Male in meinem Leben gehört. Die Geschichte von dem angeblich in einem Papierkorb gefundenen Briefe eines mysteriösen Agenten würde sich vielleicht in einem Hintertreppenroman hübsch ausnehmen, existirt aber natürlich nur in der Fantasie, und hat in Wirklichkeit nie stattgesunden. Ich möchte endlich mit Befriedigung konstatiren, daß die sogenannte Dreysus-Affaire zwar viel Staub aufgewirbelt hat, aber die zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden, gleichmäßig ruhigen Beziehungen nicht zu stören vermochte. Auf eine Anfrage des Abg. Hammacher fügte der Staatssekretär noch hinzu, daß ihm von Reisen des Dreyfus nach Elsaß-Lothringen nichts bekannt wäre, und noch viel weniger davon, daß dem Genannten hierbei besondere Erleichterungen von deutscher Seite zu Theil geworden seien. Hamburg. 24. Januar. Wir erhalten folgende Zuschrift: Unter Hamburg J7./1. findet Unterzeichneter im „Israelit" einen die Neue Dammthor-Synagoge Benekestraße „betreffenden Bericht, worin der Passus Berichtigung verdient: „Einigen vom Gründer-Collegium scheint die Sache schon zu bunt geworden zu sein, sie haben sich geräuschlos zurückgezogen." Obwohl kein Name genannt ist, weiß jeder hiesige Leser, daß außer noch einem anderen gleichgesinnten bisherigen Mitgliede des betreffenden Vor- | standes dieser Synagoge nur noch der Unterzeichnete damit gemeint fein kann und nur nvuni oiten fvob bitte ich um Ausnahme folgender Thatsachen. 1) Die Errichtung dieser Synagoge mußte durch Private erfolgen, weil sowohl Gem ei n d eals Synagogen-Verwaltung trotz langjähriger Erörterung der Bedürfnißsrage — welche auch speziell der Einsender als d. z. Mitglied des Deligirten- Collegiums sehr energisch, doch vergeblich stets vertreten — sich ablehnend verhalten haben. 2) Auch die privat fortgesetzten Bemühungen des Unterzeichneten in den streng-rituellen Kreisen — zu denen er sich ebenfalls zählen zu dürfen glaubt — blieben erfolglos. 3) Ein ohne sein Z u t h u n bereits c o mp l e t e s Consortium von opferwilligen Gemeindemitgliedern erwünschte und erhielt auch des Einsenders Beitritt unter der als Grundstatut und unumstößlich festgestellten Bestimmung: „daß niemals an der Gebetordnung des überall gleichmäßig in orthodoxen Synagogen eingeführten htd resp. an dem Jahres-Cyclus der irnp u. s. w. ir gendwelche Aenderung vorgenommen werden dürfe; ja sogar der fast überall in neuen Synagogen veränderte Stand des Almemor und Omeo wurde hier strict in alter Weise beibehalten, damit eben der im Voraus erhoffte und erwünschte Anschluß an den Synagog en-Ver ban d nicht vereitelt werden sollte. 4) Das den Mitbegründern gemachte Zugeständniß des Fortfalls der dws am trw durfte nicht dem Ganzen hinderlich werden, weil eben die Gründung der Synagoge nicht anders, als diejenige so vieler kleinen Gebetstätten gedacht war, worin noch niemals diese L'n-O eingeführt waren; die Kürzung der wenigen für m festgesetzten dxvd mußte ebenfalls eingeräumt werden, weil der doch einmal allgemein gewünschte Chor-Gesang sonst die Zeit des Gottesdienstes zu sehr verlängert hätte; hierbei ist aber zu beachten, daß deren Wieder-Einsührung unbedingt erfolgt wäre, wenn die wiederholten und stets vergeblichen Verhandlungen mit der Verwaltung des Synagog en-V erbandes, — bei welcher sogar E. H. Senat mitwirkte — von irgend welchem Erfolg gewesen wären, und muß hierbei zur Ehre des Vorstandes derNeuenDammthor-Synagoge erwähnt werden, daß derselbe es niemals an Entgegenkommen fehlen ließ, man wollte und will noch sich im Allgemeinen nicht von Gemeinde- und Synagogen-Verband trennen. ö) Der Austritt der beiden allerdings als Mitbegründer dieser Synagoge mit Recht geltenden Vorstandsmitglieder hatte nur folgenden Grund: „Dieselben gaben s. Z. als Delegirte der Ver-