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Der Israelit · 1898-01-27 · Heft 8 (27.1.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 8 (27.1.1898)
Date
1898-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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188 abspielt und jedem Freunde der Culturfortschritt» die Schamröthe ins Antlitz treibt. Eine besonnene Erwägung wird gleichwohl oder vielleicht nur umsomehr Alles zu vermeiden suchen, was solchen Verdächtigungen einen Schein von Begründung vel leihen könnte. Mehr als eine Erwägung, einen entschiedenen Protest erfordert es — auch das noch beiläufig —, wenn in dem „Judenftaat" S. 2(i über die „Wirkung des Antisemitismus gesagt wird: „Der Druck erzeugt bei un» natürlich eine Feindseligkeit gegen unfern Dränger — und diese Feindseligkeit steigert wieder den Druck." Wir halten eine solche Aeußerung für ebenso unbegründet wie bedauerlich. Wir wissen nichts von einer Feindseligkeit, von der die Juden auch in den Ländern, wo man ihnen das Recht verkümmerte, gegen ihre nichtjüdischen Staatsgenoffen erfüllt gewesen wären, wiffen nicht, wo je eine Bedrückung der Juden sich mit Recht auf deren „Feindseligkeit^ hätte berufen können. Für uns in Deutschland haben diese Ausführungen ja Gottlob ohnehin keine Anwendung. Aber im Hinblick auf unsere Brüder in Rußland und Oesterreich müssen wir die Wahrheit aussprechen, die seit fast zwei Jahrtausenden in Israel in erhabener Selbstlosigkeit bethätigt worden ist: Für den gefetzestreuen Juden ist die Hingebung an die Förderung des Wohles de» Staates, in dem er lebt, also die loyale, patriotische Gesinnung oder wie wir in Deutschland e» bezeichnen: die Bewährung der Treue gegen Kaiser und Reich, nicht eine durch Gegenleistungen bedingte Pflicht der Dankbarkeit, sondern eine unbedingte heilige religiöse Pflicht. Aber wir wollen, wie gesagt, alle diese Bedenken bei Seite lassen, bei Seite lassen auch alle Fragen hinsichtlich der praktischen Durchführbarkeit, bei Seite auch die durch trübe Erfahrungen langjähriger Unterdrückung des gesetzestreuen Judenthums unter der Gewaltherrschaft des Resormjudenthums wohl berechtigte Frage, welche Garantien denn das gesetzcstreue Judenthum in einem bloß „national-jüdischen" Staate haben würde, unter einer etwa von Nationaljuden gebildeten Regierung, der eine von ebensolchen befehligte Polizei- und Militärmacht zur Verfügung stände. Nehmen wir also an, es habe sich ein Syndikat jüdischer Finanzmänner gebildet, und die erforderliche Milliarde läge bereit, der hohen Pforte Palästina abzukausen, oder unter ihrer Suzeränität, etwa nach Art der glücklichen Balkanstaaten, einen Fürsten oder König oder eine republikanische Regierung von Judäa einzusetzen. Auch alle diplomatischen Schwierigkeiten vären geebnet, und die Unabhängigkeit des jungen Staates wäre durch allseitige Anerkennung völkerrechtlich gesichert. Auch alle Wolken, welche die innere Einigkeit in Israel hätten trüben können, hätten sich verzogen, und die russischen Brüder hätten trotz ihrer erdrückenden Mehrzahl darauf verzichtet die anderen Juden zu majorisiren, auch über die stille bängliche Frage, wer wohl zuletzt der Enttäuschte sein werde, wäre man mit allseitiger Zustimmung und Beruhigung zur Tagesordnung übergegangen; auch der große vun nach Aemtern und maßgebendem Einfluß wäre durch friedliche Schlichtung beseitigt. Friede und Helle Freude herrschte in Israel und überall stünde sämmtliches rollende Material formirt in Bereitschaft, an der Weichsel und am Rheine, an der Donau und an der Elbe, an der Wolga und Newa, wie an der Seine und Themse sei alles bereit, und jenseits des Oceans seien sämmtliche Dampfer auf eine lange Zahl von Monden für das heimkehrende Israel in Beschlag genommen. Und die Antisemiten stimmten das große internationale Hallel an über den glücklich erwirkten Auszug Sems, die ruinöse jüdische Concurrcnz zieht ja ab. Nur ein bittrer Tropfen ist in ihren Freudenkelch gefallen. Die Abziehenden — nehmen ihr Geld mit, und es wäre doch so gerecht wie billig gewesen, ihnen in Gestalt etwa einer 75-procentigen Abzugssteuer den größten Theil ihres ja doch nur in unproduktiver Thätigkeit auf Kosten der Wirthsvölker gewonnenen Vermögens abzunebmen und zur Sanirung der Staatsfinanzen, vielleicht auch zur Dotirung etlicher der bewährtesten Antisemitenhäuptlinge zu verwenden, dieser wahrhaften Sieger und glücklichen Löser der „Judenfrage"! Denn sie erzeugten die „Judennoth", diese den Zionismus und dieser hinwiederum den nunmehr glücklich entstandenen Judenstaat. Sie sehen, ich komme weit entgegen, um lediglich den Kern der Frage herauszuschälen und, von allen erwähnten und angedeuteten Schwierigkeiten abgesehen, nunmehr die Frage zu stellen: mit welchen Gefühlen, mit welchen Hoffnungen oder Befürchtungen, mit welchen Gedanken also wird ein denkender Jude, der die Geschichte seiner Vergangenheit kennt, der auf dem Boden der Bibel und der Überlieferung steht, dem die Erwählung und Bestimmung Israels keine fromme Legende, sondern geschichtliche Wahrheit ist, der G o t t e s Hand in der Geschichte seines Volkes waltend erblickt, von Abrahams Erwählung und der Befreiung vom egyptischen Sklavenjoche an bis zur Erhaltung in den schwersten Zeiten des Druckes in der Verfolgung bis auf die Gegenwart,— mit welchen Gedanken wird ein solcher dies Unternehmen der Wiedererrichtung eines jüdischen Staates und die Rückkehr des heutigen Israel tel guel als Bürger dieses Staates betrachten, nach den Worten der Thora, nach den Worten der hehren Vertreter ihres Geistes in Israel betrachten müssen? Mit klaren Worten ist es in der T h o r a aus-

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