Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1898)
- Date
- 1898-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. M 8. Der Israelit. Ein Gentrat-Organ für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dt. |reJjtwfum in Mttinr Donnerstag, de« 27. Jannar 5658 (1888). sairrnei abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate W kebrasr und März M auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter de» Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Erpeüttion des „Israelis. Leitender Artikel. Der Zionismus. Ein Vortrag von Direktor Dr. Mendel Hirsch. (Fortsetzung statt Schluß.) In einem ganz anderen Lichte als die Colonisationsbestrebungen erscheint der zionistische Gedanke von einer durch jüdische Initiative zu bewirkenden Wiederherstellung eines jüdischen Staates in Palästina. Auf dem Congreß in Basel ist aus Rücksicht aus die russischen Brüder der Begriff umschrieben und die gesicherte Heimstätte in Palästina als eine statt „völkerrechtlich" nur „öffentlich rechtlich gesicherte" bezeichnet worden. An der Sache ändert das nichts, das Ziel ist der Judenstaat und wir können dem geehrten Führer der zionistischen Bewegung nur dankbar sein für die Darlegung seiner Ideen hinsichtlich dieses Judenstaates und dessen Gründung, wie er sie in dem angeführten, bereits in vierter Auflage erschienenen Buche niedergelegt hat. Ich hebe ausdrücklich hervor, daß der Ernst, mit dem er sich in seine Idee vertieft und die Hingebung, mit der er für sie zu wirken sucht, wegen der in diesem allen sich bekundenden Liebe zu seinem Volke selbstverständlich volle Hochtachtung verdient. Er denkt sich zunächst die Constituirung einer „Society of Jews“, die au» der Elite der um sie sich sammelnden, sich zur Staatsidee bekennenden Juden gebildet wird. Diese verhandelt mit den Regierungen, um ein dem Judenvolke mit voller Souveränität zu überlassendes neutrales Land. Als geschäftsführende« Organ bildet sich sodann die „Jewish Company“. Sie ist als UebergangSinstitur gedacht und wird als Aktiengesellschaft gegründet. Sie hat die Liquidirung aller Vermögensinteressen der abziehenden Juden, ihrer Immobilien und Geschäfte zu besorgen und den Landkauf, wie den gesummten wirtschaftlichen Verkehr im neuen Lande zu organifiren rc., wie die« in dem genannten Buche im Einzelnen weiter angedeutet ist. In welchem Maße dieses alles praktisch durchführbar wäre, das soll hier selbstverständlich nichidiscutirt werden. Wir wollten nur kurz andeuten, wie der Herr Vers, sich den Uebergang etwa vorstellt. Treten wir ohne Voreingenommenheit an die Prüfung des Problems vom Standpunkte des gesetzestreuen Judenthums und spitzen wir die Frage gleich, von allen Erwägungen der Opportunität und der Möglichkeit abgesehen, prinzipiell zu. Außer Betracht bleiben jene Erwägungen, die schon durch die bloße Idee der Gründung eines „Judenstaates" in Palästina nur Wasser auf die Mühle des Antisemitismus geleitet sehen und gar in einer Agitation für die Verwirklichung dieser Idee eine sofortige schwere Schädigung erblicken wegen des Mißtrauens, das in den Herzen unserer nichtjüdischen Mitbürger gegen die Aufrichtigkeit unserer Hingebung an das Vaterland durch solche zionistische Aspirationen geweckt werden müsse, deren Ziele ja im tiefsten Grunde nicht religiöse, sondern politische sind. Für ganz grundlos halte ich allerdings diese Befürchtungen durchaus nicht. Es ist ja wahr, dem Antisemitismus kommt es auch auf die schamlosesten Erdichtungen nicht an, wenn sie ihm passen, ich erinnere nur an das unsäglich traurige Schauspiel, das sich in diesen Tagen bei unseren westlichen Nachbaren