Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1898)
- Date
- 1898-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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W«8 126 Bildungsbedürfnisse seiner „polnischen Mitbürger katholischer Confession." Kürzlich spendete er zur Errichtung von polnischen Lesehallen den Betrag von 15,000 Rubel, und dieser Tage erschien auf seine Kosten eine billige VolkSauSg che (Jubiläumsausgabe) sämmtlicher Werke des polnischen Schriftstellers Boleslaus Pruß. Daß sich Herr Wabelberg gerade diesen Schriftsteller herausgesucht hat, um seinen polnischen Patriotismus zu documentiren! Herr Pruß — übrigens einer der talentvollsten polnischen Schriftsteller — verdankt seine Popularität als Publicist nicht zum Mindesten seinem Antisemitismus. Gerade die jüdische Intelligenz bildete seit vielen Jahren die Zielscheibe seines grimmigen Hohnes, und nun übernimmt ein jüdischer Philantrop die Kosten für die weiteste Verbreitung der Werke des Schriftstellers! — Einige interessante statistische Daten werden der „Gazata Polska" aus Wilna mitgetheilt. Die Gesammtzahl der Handwerker in Stadt und Gouvernement Wilna beträgt 8000, davon sind 6000 Juden, der Rest Katholiken. Im Handel beträgt der Antheil der Juden 75 Percent, doch hat in den letzten Jahren die Anzahl der jüdischen Handelsleute, wohl infolge der Emigration, fortgesetzt abgenommen. Im Jahre J894 betrug sie noch, wie aus der Anzahl der ertheilten Handelsscheine ersichtlich ist, 12,6 4, im Jahre 1895 dagegen nur noch 10.939. Personalien. Hamburg, 14. Januar. Am r>2v -n vollendete Frau Jeanette Haurwsitz, die Directrice des israelitischen Mädchen-Waisen-Jnftitutes dahier, ihr siebzigstes Lebensjahr in völliger körperlicher und geistiger Frische. Die der Jubilarin von Nah und Fern dargebrachten, äußerst zahlreichen Ovationen, legten das beredteste Zeugniß ab, für die große Beliebtheit, deren sich dieselbe erfreut. Auch der Vorstand des Instituts ließ es sich nicht nehmen, zur Abstattung seiner Gratulation zu erscheinen, und dankte im Namen desselben der Präses, Herr Otto May, in bewegten Worten der Jubilarin für die stets freudige Erfüllung ihrer Pflichten in einem so schweren Berufe und für die herrlichen Erfolge, die dieselbe während ihres nunmehr fast 24jährigen Wirkens als Leiterin des Instituts erzielt hat. Einen sehr hübschen Verlauf nahm die Feier dieses Ehrentags, welche am Sonntag, 9. dss. Mts. avgehalten wurde, an welcher gleichfalls fast sämmtliche Vorstands-Mitglieder neben den in großer Anzahl erschienenen Verwandten, Freunden und ehemaligen Zöglingen theilnahmen. Den verschiedenen Aufführungen, bei denen sich speziell die augenblicklichen Zöglinge in der hervorragendsten Weise auszeichneten, wohnten etwa 75 Personen bei, welche das Gebotene sehr beifällig in gehobenster Stimmung entgegennahmen. Den geistigen Genüssen folgten dann leibliche in sehr geschmackvoller Form und wurden dieselben durch manches ernste, wie auch humoristische Wort angenehm gewürzt. Die Betheiligten befanden sich in animirtester Stimmung und trennten sich erst um Mitternacht, eine hübsche und dauernde Erinnerung mit sich nehmend. Möge es Frau Haurwitz, welcher es, wie wohl nur Wenigen, vergönnt ist, in solchem Alter als alleinige Leiterin einem so bedeutenden Institut vorzustehen, beschieden sein, noch recht lange ihrem gottgefälligen, edlen Wirken in ungeschwächter Körper- und Geisteskraft zu leben. vermischtes. Karlsruhe. Auf der in dem neurenooirten Rathhaus angebrachten Ehrentafel wurde auch der Name des Herrn Mickael Hamburger, Kaufmann in Frankfurt a. M., verzeichnet. Derselbe hat der Stadtgcmeinde ein Kapital von 25,000 M. zu einer örtlichen Stiftung zur Verfügung gestellt. Feuilleton. —<§) Vögelchen, i. Abfahrt Es ist eine bekannte Thatsache, daß wenn es in Hamburg anfängt zu regnen, es sobald nicht wieder aufhört. Da ergießen sich wochenlang unendliche Wassermassen über die Stadt; aber der richtige Hamburger findet darin gar nichts Besonderes, er meint, eS könne gar nicht anders sein und begiebt sich auch deßhalb niemals, ohne mit seinem großen und dicken Regenschirm bewaffnet, auf die Straße. Sieht er einen Menschen ohne diese Wasserwaffe, am Ende gar mit einem leichten Spazierstöckchen fuchtelnd, am Alsterufer lustwandeln, so brummt er wohl, wenn er ein Glaubensgenosse ist, die Worte „Wehanochri ascher jolvau meerez rochaukoh"*) mit der bekannten Tropmelodie vor sich hin, was ungefähr heißen soll: Der ist wohl auch nicht von hier! Ein solches Hamburger Wetter mit dem üblichen Nebel war es, als der große Lloyddampfer „Fulda" sich anschickte, die Hafenstadt zu verlassen. Die Passagiere waren bereits unentgeltlich per Extrazug nach Cuxhaven befördert worden und diejenigen der Reisenden, die sich bereits unbehelligt dem „Hammelsprung", d. i. der ärztlichen Untersuchung unterworfen hatten, begaben sich in die Wartehalle des „Norddeutschen Lloyd", dicht vor dem im Hafen *) Und der Fremdling, der aus fernem Lande kommt.