Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1898)
- Date
- 1898-01-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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125 das einen freien Ausblick in die Umgebung Fulda's bis in die Nhön gewährt; er ist so groß, daß um das Schulgebäude mit geräumiger Lehrcrwohnnng ein Turn- und Spielplatz sowie ein Blumengarten angelegt werden können. Das Innere des Schulgebäudes ist cingctheilt in drei Lehrsäle, zwei davon Hochparterre, einer im ersten Stockwerk, in welchem Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn lediglich den Religionsunterricht ertheilen wird, sechs Räume zum Wohnen für Herrn Lehrer Löwenstein, endlich in je ein Zimmer zu Konferenzen und für das Gemeinde- Archiv. Der Bail wird unter der Leitung des Stadtbattmeisters sofort begonnen und dürfte auf ca. 25,000 Mk. zu stehen kommen, wie auch der Stadt zur Zierde nnd unserer israelitischen Gemeinde für ihre, sie selbst ehrende Opferwilligkeit bei Löstlng kultureller Aufgaben znm Stolze gereichen. Hans S ch o e n. ** Relchmarrnsdorf, 20. Jan. Jüngst lief durch die Zeitungen die Meldung von einem seltenen Synagogenvorsteher-Jubiläum. Jenes Jubiläum hat hier seinen Record gefunden. Unter dem 17. August 1843 hat das damalige Freiherrl. von Schrottenberg'sche Patrominalgericht bekannt gegeben, daß nach dem Ableben des Mantel Wortsmann, dessen Sohn Salomon Wortsmann dahier zum Synagogen- Vorstchcr erwählt worden ist. Herr Salomon Wortsmann waltet dieses Amtes heute noch, trotz seiner 86 Lebensjahre rüstig und frisch. Rußland. ** Petersburg. (In den Schulen.) Nach den Bestimmungen eines kaiserlichen Ukas brauchen die jüdischen Schüler der Staatsschulen nicht mehr mit ihren christlichen Mitschülern bei den Gebeten des orthodoxen Kultus zugegen sein, die am Anfang uub am Schluß jeder Stunde gesprochen werden. Der Kurator des öffentlichen Unterrichts von Odessa hat den Schuldirektoren der Stadt den Befehl gegeben, die Schüler in vier bcstimnlten Abtheilungen nach ihrer Religion einzutheilen: Orthodoxe, Katholiken, Protestanten und Juden. Die karaitischen Schüler werden zu den Juden gezählt. Die Schüler dieser vier Abtheilungen werden in bestimmte Zimmer geführt, wo die Gebete der betreffenden Religion gesprochen werden. Dieser Ukas scheint uns von der größten Wichtigkeit zu sein. Der Ukas proklamiert die Religionsfreiheit und schafft die merkwürdige Behandlungsart ab, die seit 10 Jahren in den Staatsschulen in Gebrauch ist. Die Eltern der jüdischen Schüler wagten nie zu protestieren, denn, wenn auch die Gewissensfreiheit zu unfern Regierungsprincipieu gehört, so wußten sie doch sehr wohl, daß ihre Söhne in den Sekundärschulen nur geduldet waren. Wenn dieser UkaS befolgt wird, so wird er eine wahre Wohlthat für die jüdischen Schüler sein. ** Moskau In den letzten Tagen empfing die Synagogalverwaltnng Hierselbst vom Polizeipräsidenten den Befehl, das Asyl für jüdische Waisen und den Talmudthora-Unterricht zu schließen. Der Grnnd dieser Maßregel, die der Generalgouverneur von Moskau in Uebereinstimmung mit dem Minister des Innern beschlossen haben, sei der, daß „das Asyl eine zu beschränkte Zahl von Waisenkindern aufnehmen könne", und daß der Talmudthora-Unterricht zwecklos sei, da die Kinder der in Moskau lebenden Juden die öffentlichen Unterrichisanstalten besuchen dürfen. Der Befehl des Polizeipräsidenten legt den Synagogalverwaltern die Verpflichtung auf, die Gebäude des Asyls und der Talmudthora- Schule binnen zwei Monaten in ein Hospital oder eine andere Wohlthätigkeitsanstalt zu verwandeln. Wenn nach Ablauf dieser Frist die Gebäude diese Bestimmung nicht erhalten hätten, würde zum öffentlichen Verkauf geschritten werden. ** Warschau(Eine Mi llioncnstiftung.) Man bespricht hier viel die großen^ sich auf eine Million Silberrubel belaufenden Schenkungen für humanitäre und gemeinnützige Zwecke des in Warschau ansässigen Bankiers Hippolyt Wawelberg anläßlich des fünfzigjährigen Bestandes seiner Firma H. Wamelberg. Die am lebhaftesten begrüßte Schöpfung ist der mit einem Aufwands von circa 400,000 Silberrubel errichtete Bau einer theoretisch praktischen technischen Mittelschule in Warschau mit polnischer Unterrichtssprache, die ihrem Lehrzwccke bereits vor einigen Wochen zugeführt worden und die das einzige in dieser Art bestehende Institut in Rußland ist. Es ist bei dieser Gelegenheit zu bemerken, daß die vorgenannte Schule nach den modernsten Erfahrungen im Schulbau aufgeführt ist und in ihren Einrichtungen sehr den Anlagen des bekannten Technikums Mittweida ähnelt. Gleichzeitig hat sich Herr Wawelberg im Vereine mit seinem Schwager und Firmamitinhaber Herr Stanislaus Rothwand in Warschau verpflichtet, diese Schule au» eigenen Mitteln zu erhalten, was eine jährliche beiläufige Ausgabe von 20,000 Silberrubeln erfordert. Die letzte Schöpfung des Herrn Wawelberg — im Vereine mit seiner Frau — ist die Uebergabe von 300,000 Silberrubel an ein Curatorium angesehener Warschauer Bürger zur Herstellung billiger und gesunder ArbeitSwohnungen. Die Miethpreise dieser Wohnungen sollen so festgesetzt sein, daß das Stiftungskapital ein vierprocentiges Erträgniß abwirst und für diesen Zinsenertrag soll das Curatmium immer wieder derartige Wohnungen Herstellen lassen. Herr Wawelberg ist in der Verwaltung der Baron Hirsch'schen Stiftungen für Rußland thätig. Leider bethätigt er seine zärtliche Fürsorge für die