Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-01-24 · Heft 7 (24.1.1898) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 7 (24.1.1898)
Date
1898-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448865--45327-2495584
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mm 123 10b 121 »wirr bmova narr bn ,mnh nsn uw.)' Es möge hier noch erwähnt werden, daß er pir6 iat seit seinem dreißigsten Lebensjahre einen groben Sack um seinen Leib trug. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er der aufstrebenden Jugend und eingedenk jenes Mahnwortes im Talmud: „o»uy uaa nnm min Kain onov, achtet besonders auf die armen Kinder, denn von ihnen geht die Thora aus", sammelte er die arme Schuljugend, „seine geliebten Kinder", um sich, überwachte ihren Unterricht und trug Sorge dafür, daß ihnen das nölhige Schulgeld nicht mangele. Später creirte er einen nun nir^n-Verein. Er, der nicht N2bn xbs man n ging, er zog sich nicht zurück in die vier Wände seiner Studierstube, er lebte mit und für die Welt, er war ein Mann der That. Kein gottgefälliges Werk wurde unternommen, keine menschenfreundliche That ausgeführt, wobei man nicht auf die eifrige Mitwirkung und kräftige Unterstützung des R. Samuel hätte rechnen können, ja zumeist ging die Initiative von ihm selbst aus. Jedem, ob arm oder reich, hochgestellt oder niedrig, jedem lächelte der gutmüthige R. Samuel freundlich entgegen, für jeden hatte er ein gutes Wort. Wenn unter den Gemeindemitgliedern Meinungsverschiedenheiten oder gar Zwistigkeiten auftauchten, so glich R. Samuel die Gegensätze aus und stellte den gestörten Frieden wieder her. Wer hätte auch seinem gewinnenden Benehmen Widerstand leisten können, wer hätte sich nicht vor seiner praktischen Klugheit willig gebeugt? Wie R. Samuel Kell Halewi seinen Lebensberuf auffaßte, könnten wir nicht kürzer und treffender schildern, als mit seinen eigenen Worten, mit welchen er eine talmudische Stelle erklärte. Wir entnehmen diese Erklärung einem schriftlichen Nachlasse seines würdigen Enkels bw bbvp tonaj mos. Dieser Enkel unsere- Autors wurde als fnn in der Blüthe seines Lebens vom Tode hinweggerafft. Seine irdischen Ueberreste ruhen im alten Preßburger B"rn n'2 und sein Grab wird noch heute, wie Schreiber dieser Zeilen selbst bezeugen kann, von ctan nwn aufgesucht. Der ißio onn sagte in seiner Trauerrede über diesen seinen Schüler u. A.: Sein Großvater war ein bp&n m (ein halber Schekel), der Zweiundzwanzigjährige bereits ein obv bpv (ein ganzer Schekel). —_(Fortsetz, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 10. Jan. Die deutschen Ansiedler in Palästina, vorerst die in Jaffa, haben durch die Bemühungen der Reichsregierung einen Erfolg errungen, der endlich einem jahrzehntenlangen Streite ein Ende macht und die deutsche Kolonisation im heiligen Lande befestigt. Die deutschen Templer aus Württemberg, die seiner Zeit nach Jaffa und Sarona ausgewandert waren, halten dort Grundstücke erworben, bebaut, urbar gemacht und zu blühenden Fruchtgärten umgeschuffen, ohne sich darum zu kümmern, ob sie „freien Besitz" oder sogenanntes Staatsland qekauft halten, das sich zwar im Besitz einheimischer Bauern befand, aber außer besonderer Besteuerung auch mit einem beschränkten Verfügungsrecht beim Weiterverkauf belastet ist. Von diesen ganz eigenthümlichen Verhältnissen türkischer Gruno- und Bodenverqebung hatten die deutschen Ansiedler keine Kenntniß, da sie niemand darauf aufmerksam gemacht hatte. Die türkischen Localbehörden hüteten sich, ihnen den Unterschied zwischen „Mülk" (freien Besitz) und „Miriöh" (Staatsland) auseinanderzusetzen, so lange die Besitze tlicht ertragreich geworden waren. Dann begannen Besteuerungen, Belästigungen und Erpressungen. Auch auf die als „Mülk" im Grundbuch eingetragenen Ländereien versuchten die Lokalbehörden ihre Maßnahmen auszudehnen, indem sie diese einfach als früheres Staatsland erklärten. Nach vielen Beschwerden, denen das Auswärtige Amt geneigtes Ohr lieh, gelang es diesem im Jahre 1895, die Pforte zur Entsendung eines Beamten des obersten Grundbuchamtes in Konstantinopel nach Jaffa zu veranlaffen. Wie nun der Münchener „Allg. Ztg." geschrieben wird, entsandte auch das Auswärtige Amt den Dragoman der deutschen Botschaft Grafen Mül inen nach Jaffa, wo eine Kommission eingesetzt worden war. Diesem gelang es, in einer Reihe von Einzelfällen eine den deutschen Besitzern der streitigen Grundstücke günstige Entscheidung herbeizusühren und auch im allgemeinen die Sache unserer Kolonisten bei den Lokalbehörden mit Erfolg zu vertreten. Die Kommission beendigte ihre Arbeiten im wesentlichen zu beiderseitiger Zufriedenheit. Als sie sich aber aufgelöst hatte, kam es im verstoffenen Jahre zu neuen Beschwerden, und eine gründliche Abhilfe stand erst zu erwarten, wenn die Beschlüsse der Kommission von Konftantinopel aus ernstlich in Kraft gesetzt wurden. Dies zu erreichen, ward nun der Gegenstand weiterer Bemühungen der deutschen Diplomatie, die kürzlich zum erwünschten Ziel geführt haben. Der Sultan hat nunmehr den gesummten in Jaffa belegenen deutschen Grundbesitz, soweit er nicht durch die Kommission von 1895 als Staatsland festgestellt worden war, für freies Prwateigenthum erklärt. Die guten Beziehungen zwischen Berlin und Konstantinopel haben das ihre zu dem günstigen Ausgange beigetragen, und die deutsche Orientpolitik hat auch in dieser politisch untergeordneten, aber für die Jmereffen unserer Landsleute in Palästina sehr bedeutungsvollen Sache eine Frucht der einsichtigen Behandlung pflücken können, die sie den Angelegenheiten des Ottomanischen Reiches entgegenbringt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.