Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1898)
- Date
- 1898-01-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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122 strahlen und immerhin von der großen Verehrung und Hochachtung Zeugniß ablegt, die ihm die Mit- und Nachwelt zollte. In unserer Darstellung seines Lebens werden wir jedoch aus dem uns zur Verfügung stehenden Material nur das verbürgt Wahre und Historische herausschälen und stützen uns auf jene Ueberlieferungen, die sich von Mund zu Mund in unserer Familie, den Nachkommen von R. Samuel, bis auf den heutigen Tag forterbten und glauben mit deren Veröffentlichung auch dem Jnterreffe weiterer Kreise zu dienen. Rabbi Samuel Kell Halewi erblickte das Licht der Welt in Kolin (Böhmen) iw Jahre 5486 a. m. als Sohn des wohlhabenden und allgemein geschätzten Kaufmannes Rabbi Natan, der ein Enkel des R. Natan Spira, Rabbiner zu Krakau und Verfasser des rrpoy nbw war. Er wurde, was ja für jene Zeiten als selbstredend galt, schon in seinem zarteü Kindesaller von seinem Vater, der selbst ein hervorragender Talmudgelehrter war, in den Talmud eingeführt. Schon der Knabe verrieth durch seinen: scharfen Geist seine spätere Größe. Schnell und sicherund mit aller Gründlichkeit erfaßte er das Gelernte und verlor nie den leitenden Gedanken des durchgenom« menen Sioffes aus den Auge. Der kaum Zehnjährige dispunne öffentlich in der Synagoge mit dem Kolin r Robbiner in e nem halachischen Vortrag. Seine Einwen. ung n erregten die Aufmerksamkeit der anwesenden jüdischen Gelehrten und nach vielem Cont ov.rs mußte die Siegespilme dem — jungen Gelrhrken zueikmnt werden. Hervorzuheben ist, daß unser S mu.l neben Bibel und Talmud auch für allgemeine weltliche Bildung ein empfängliches Herz hatte, was für jene Zeiten nicht hock genug angeschlagen werden kann. — In seinem zwanzigsten Lebensjahre tr< fft n wir ihn in Boskowtz (Mähren), wo er bald die Tochter des hochgeachteten und begüterten Kaufmann.- R. Moses als Gattin heimfubrte und daselbst ein Manufacturwaarengeschäft eröffnete. Sein Schwiegervater R. Moses war ein würdiger Urenkel des R. Menachem Mendel, Rabbiner zu Ntkolsburg und mährischer Landesrabbiner, dessen Werk jrtt nojf rrr noch heute geschätzt ist. Seiner Elkala — so hieß die Frau unseres R. Samuel — gedachte er stet» in Liebe, denn sie war in der That eine würdige und ebenbürtige Ehehälfte ihres großen Gatten, geschmückt mit allen jüdischweiblichen Tugenden. Sie — die Tochter des reichen Mannes — besorgte nicht nur mit Um- und Vorsicht den Haushalt, sondern widmete sich auch in edler Selbstverleugnung dem Geschäfte, übernahm die Leitung desselben, damit ihr Gatte feine: ganze Zeit ungestört und ausschließlich dem Thorastudium und der Ausübung werkthätiger Menschenliebe widmen' könne. Von ihrer edlen Gesinnung und Denkweise, von ihrem tiefen Verständnisse und ihrer hohen Begeisterung für das jüdische Leben legt auch ein beredtes Zeugniß ab die Thatsache, daß sie auch die Erziehung ihrer Kinder überwachte und leitete. Wenn sämmtliche Kinder unseres R. Samuel eine Zierde jüdischer Männer und Frauen geworden sind, so ist darin der wohlthuende Einfluß ihrer Mutter nicht zu verkennen. Und so gestaltete sich das Haus dieses Ehepaares zu einem echten vvv enpa, in des Wortes eöelfter Bedeutung, in welchem Gatte und Gattin in edlem Wetteifer die göttlichen Gebote mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit erfüllten. Viele Waisenkinder nahmen sie unter ihre schützenden Fittige und sorgten mit elterlicher Liebe und voller Hingebung für ihren Unterhalt und ihre Zukunft. Groß ist die Zahl jener Waisenmädchen, die sie auf eigene Kosten mit der nöthigen Ausstattung und Mitgift versahen und an würdige Männer verheiratheten. Doch der bescheidene Vermögensstand des R. Samuel gebot Einschränkung in der Ausübung solch' weitgehender Wohlthätigkeit. Er mußte, um seinen edlen Trieben Folge leisten zu können, auch an die Thüre seiner reichen Mitmenschen anklopfen. Er sammelte Gelder upd legte zu diesem Zweck einen besonderen Fond an, aus dem er, wenn ärmere Leute bei ihm ein Darlehen ansuchten und als Pfand ihre Waare anboten, die angebotene Waare ankaufte, um sie wieder, eventuell dem Entlehner selbst, mit einem geringen Gewinnst zu verkaufen und verhütete so die Beschämung des Dürftigen. Der Gewinn floß selbstredend der nbr riown-Büchie zu. Viele Hunderte von Schülern strömten nach Boskowitz, um ihren Wissensdurst bei R. Samuel zu stillen, dessen Ruf bald über die Grenzen seines WirkungSortes und Vaterlandes hinausdrang. In kindlicher Liebe sahen seine Schüler zu ihrem Meister empor uud verehrten in ihm den weisen Lehrer und väterlichen Wohlthäter; für das Volk hielt er jeden rap Nachmittag b s zum Minchagebet populäre und überaus anziehende Vorträge und der Andrang war jedesmal sehr groß. Daß auch der große R. Moses Sofer, ivD am, zu seinen Schülern gehört habe, wie es der N2pn 2b schreibt, beruht auf einem Jrrthum. Wahr ist, daß R. Moses Sofer in reichem Maße die Wohlthätigkeit unseres R. Samuel genossen und nur gelegentlich seine Vorträge besuchte. Es ist uns auch keine einzige Stell« in den Responsen des ivw onn bekannt, wo er den rro als seinen Lehrer anführe, was ja nach der ersten Annahme ganz wunderlich und befremdend wäre. (Vergl. Ehrentheil, Biographie des R. Moses Sofer). Während R. Samuel so für Andere reichlich sorgte, beschränkte er seinen eigenen Bedarf auf das Allernöthigste und wollte, gleich dem Propheten bwvrr», um alle Welt nichts von anderen genießen. (S.Berachoth