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Der Israelit · 1898-01-20 · Heft 6 (20.1.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 6 (20.1.1898)
Date
1898-01-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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115 ganz verfinstert da, wie jetzt. Doch Kind des Jrrihums weine nicht! Der Erbarmende hat dir deine Fehler verziehen, ihn in Wohl verwandelt. Geh', sprach er, sprich der Reuenden zu. Auch sie in ihrem Glanze sei Königin. Die Thränen der Reue werden ein Balsam sein, der alles Lechzende erqu'ckt, der das vom Sonnenstrahl Fernerstehende mit neuer Kraft belebt. Getröstet wandte sich Luna und stehe, da umfloß sie jener Glanz, in welchem sie jetzt noch glänzt. Sie trat ihn an den stillen Gang, den sie jetzt noch geht, die Königin der Nacht, die Füherin der Sterne. Beweinend ihre Schuld, mitleidig jeder Throne, sucht sie, wen sie erquicke, sie sucht, wen sie tröste!" — So erzählt der Talmud in seiner poesievollen Sprache! In jenem Monde nun erblickt Israel einen Leidensgefährten. Auch Israel verkannte die Wohlthaten, welche der Herr ihm erzeigt hatte, da erhielt es seine Strafe. Der helle Glanz, in dem es prangte, auch er ist geschwunden. Zerstiebt sind seine Glieder in alle Winde gleich der Sterne großem Heere. Rur da, wo es im Lichte Gottes wandelt, da hat es sich sich seinen verklärten, alten Glanz erhalten, durch den es in der Nacht des Exils strahlt und der zerstreuten Heerde auf ihrer Bahn den Pfad erhellt. In heiliger Ruhe wandelt es so dahin, das Vrlk, das durch Verkennen seines Berufes und durch falsches, irdisches Streben schon so oft vom Herrn gezüchtigt und von seinem Lande verjagt wurde. Es hat gekostet den Kelch des Leidens, darum empfindet es Mitgefühl mit jenem stimmlichen Wanderer da droben, der auch, gestraft von seinem Herrn, büßen mußte. Doch kehren wir von unseren Betrachtungen zurück zu jener Betergruppe. „So wie ich mich zu Dir emporschwingen möchte," so sprechen sie, „und dich (meinen Leidensbruder) nicht berühren kann, so werden alle meine Feinde mich nicht zum Bösen berühren (mir nichts anhaben) können." Eine glückliche Vorbedeutung sei dies, ein gütiger Stern walte über uns und ganz Israel" und „Friede sei mit Euch!" ruft einer dem anderen in heiligem Vertrauen zu. Möge auch, das war wohl der Sinn dieser Worte, in diesem Monate die fanatische Horde uns nichts anhaben können und der Welt die Sonne der Erkennrniß aufgehen. Dann ertönt ein Psalm: „Ich hebe mein Ange auf zu den Höhen, von wo meine Hülfe kommt," und das Dank- und Schlußgebet erschallt N2S>^ i^s?, daß Gott uns nicht das Loos derjenigen hat zu Thcil werden lassen, die auf irdischen Tand ihr Heil bauen, sondern uns mit seiner Erkenntniß erleuchtet. Dann tritt aus dem Beterkreise ein Kind im zarten Alter hervor, und ein Greis im Silberhaar begleitet dasselbe und sagt ihm vor die Worte des Heiligungs-Gebetes tpnp. Der Vater dieses Knaben war einer jener Märtyrer, die den Namen Gottes geheiligt, und wie dies im Mittelalter gar oft vorgekommen war, durch den Tod die Wahrheit unseres Glaubens bethätigt und besiegelt hatte. „Der da Friede macht in seinen Höhen, er möge mit Frieden Israel sein Volk beschenken!" So lallt das Kind und Himmelschöre rufen dazu sicher ihr „Amen!" Das war eine Andacht der guten alten Zeit, ohne Sang und Orgelklang, aber wahrlich erhebender und ernster, als alle Chöre künstlicher Musik. Der Winter geht vorüber, der Bäume erstes Grün ruft in der Menschenbrust neue Hoffnungen hervor. Das Frühlingsfest, der schöne nov kommt heran. In allen Häusern wird gesäubert und gereinigt, alle Hände regen sich, das Fest würdig vorzubereiten. Im Hause des Bäckers, da ist reges Leben und Treiben, Klein und Groß ist beschäftigt mit der Herstellung der Mazzoth. Besonders um di: Mittagsstunde, wenn die Schuljugend ihre freie Zeit hat, da giebt es ein dichtes Gedränge. Alle wollen von der frischen, knusperischen Mazzoh ein Stück und genießen in demselben den Vorgeschmack des kommenden Festes. — Der Vorabend zum Rüsttag des Festes ist da. Der Familienvater ruft den jüngsten der Knaben, er wird eingeweiht in die Bräuche der Vorfahren. Er trägt das Wachslichtcheü und begleitet seinen Vater in die entlegensten Ecken des Hauses und sucht das Chomez zusammen. Am anderen Morgen da wird ein Feuer im Hofe gemacht, Alt unb Jung umstehen dasselbe, es wird geschürt und genährt, der Sauerteig des Alltaglebens wird verbrannt. Und nun zieht Festesjubel in die Häuser ein. Weiß werden die Tische bedeckt, alles blinkt und blitzt, den schönen Seder-Abend würdig zu empfangen. O, welch ein Wonnegefühl! Wenn der Vater, der Fürst des Hauses, im Lehnstuhl auf weißem Polster gleich einem Patriarchen inmitten seiner Familie thront. Das weiße Sterbegewand, mit dem er sich bekleidet, läßt ihn erscheinen wie einen Priester, und von himmlischer Freude verklärt strahlt sein Antlitz. Reben ihm hat seine Gattin Platz genommen. In ihrem schönsten Schmuck prangt sie, anzuschauen wie ein Schutzengel, der Glück und Segen im Hause verbreitet. Der Kinder holde Schaar umgibt den Tisch, nach der Verheißung des Psalmisten, wie die Sprößlinge der Olive. Ein zehnjähriger Knabe, der Liebling seines Vaters, dessen reizendes, unschuldvolles Gesichtchen, gleich einem Blumenbeet von frischen Taxuspalmen, von tiefschwarzen Locken umgeben ist, deß' Geist aus seinen dunklen Augen strahlt und sprüht, wie das Wetterleuchten von dunklem Horizonte, er frägt die rumw nts. (Die einleitenden Worte: Warum ist ausgezeichnet diese Nacht?) Sein Geist ist schon erleuchtet durch die Leuchte der Mischnah, durch die

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