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Der Israelit · 1898-01-20 · Heft 6 (20.1.1898) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 6 (20.1.1898)
Date
1898-01-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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116 der^Vater ihn allabendlich snach vollbrachten Geschäften würdig nach der Art der Ahnen vorbereitet und ihn empfänglich macht für die erhabenen Schönheiten und Heiligkeiten der Religion. Nicht wie die anderen Knaben sein s Atters findet ^er Geschmack am wilden Spiele. Frühzeitig schon wird er mit dem Ernste des Lebens bekannt gemacht und zum Mitgliede der Anhänger des göttlichen Gesetzes herangebildet. Nun giebt der Vater ihm die Antwort und erzählt ihm, wie unser Volk aus Knechtschaftjoch befreit, die hohe Mission angetreten und von Gott bis zu diesem Tage durch mancherlei Leiden geläutert und vielerlei Versuchungen geprüft worden, damit der Geist des von ihm berufenen Volkes gestählt und veredelt werde. Gar manches talmudisches Thema wird in dieser feierlichen, geweihten Nacht erklärt und erläutert und manches hehre Lied im trauten Chore gesungen. Aber auch manche wehmüthige Erinnerung wird wach im Herzen der Eltern. Einst saßen auch sie im Kreise ihrer Familie, einst saßen auch ihre Eltern zusammen mit ihnen, und gar festlich und froh ging es in ihren Häusern her. Da, es war an einem Pesach-AbendZin Prag, ward entzügelt die rohe Menge in fanatischer Wuth. Angefacht durch jenes alberne boshafte Märchen, wir, die Träger des Sinaiwortes, vergössen das Blut unserer Mitmenschen, fand sie gewünschten Grund, ihrer Rohheit und Verthiertheit zu fröhnen. Dumpfes Geheul wird von ferne vernommen, immer lauter erschallt das wilde Toben der die Straßen durchziehenden Rotte, es erreicht das Haus und wird zum tollen, wüsten Grschrei: Herein bricht die wilde Menge, stürzt sich auf die arglos Feiernden, zerrt die Alten ohne Erbarmen vom Tische, schleift sie durch die Gassen, nicht rührt sie der Kinder wehmüthiges Jammern und Flehen-die Eltern wurden gemartert, getödtet, das Haus geplündert und die Kinder dem Elende, der Roth überlassen. Der Zweck war erreicht, die Beute gemacht. Doch Gottes unergründlicher Wille, wer vermag ihn zu erforschen? Seine Fürsorge hat die Kinder gerettet. Wohl mußten sie die Heimath verlassen, aber die Wohlthätigkeit ihrer Glaubensbrüder hat sich ihrer angenommen, sie wurden kraft des unserm Stamme innewohnenden moralischen Gehaltes und zähen Fleißes brauchbare Glieder der menschlichen Kette, und heute haben sie unter besseren bürgerlichen Zuständen ein frommes Haus in Israel gegründet und halten ihre Kinder an, dem ewig wahren Glauben, für den ihre Vorfahren ihr Blut hingegeben haben, den Opfertod gestorben sind, treu zu bleiben. So ist für die Eltern die Peßach-Nacht wohl eine Nacht trüber Erinnerungen, aber auch eine Nacht froher Hoffnungen, und: bw 7.12 „gelobt sei, der die Zeiten ändert, rufen sie an jenem Abende wehmüthig froh aus und: c'bvnz nxsn „das nächste Jahr in Jeruschalajim" besiegelt ihr unverwüstliches, zuversichtliches Gottvertrauen. Auch uns beschleichen in der Seder-Nacht wehmüthige Erinnerungen. Findet doch das Symbol der Trauer auch eine Stelle auf der Seder-Schüffel. Gemahnt es uns doch, daß der Wochentag, an dem der erste Festtag des Peßach begangen wird, auch derjenige ist, an welchem im Jahre die Trauerweisen, um den Verlust unseres Heiligthumes erschallen werden, und erfüllt wird durch jenes Symbol zugleich das Wort bv b’Sptv nx nbrx »b bk waix xb cx '2nb 'mh pnn ’nnatr twr „Es klebe meine Zunge an meinem Gaumen, wenn ich dein nicht denke, wenn ich nicht erhebe Jeruschalajim auf den Gipfel meiner Freude." Außerdem aber werden viele von uns in jener Nacht von Wehmuth erfaßt, gedenkend, daß auch sie einstens in ihrer Eltern Hause so froh am Tische des E.oigen saßen, und heute fehlt dem Einen der liebende Blick des Vaters, dem Andern das treue Auge der Mutter, oder gar beide, aber die Ziversicht und die Hoffnung auf Gott und ein einstiges Wiedersehen und das befriedigte Gefühl, in der Eltern Wege zu wandeln, ihre heiligen Traditionen zu hüten, gibt uns neue Kraft und erneutes Vertrauen, und jedes Jahr ertönt aus aller Mund von neuem das nxnn n;^. (Fortsetzung folgt.) M n r e i g e rr. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. fgin Sohn ordentlicher Ellern, welcher Lust hat das Maler-, Glaseru. Anstreicher-Geschäft zu erlernen, kann zu Ostern oder Anfangs Mai gute Stelle erhalten. (563 H Neufeld, Fröndenberg a. d. Ruhr. ftu eingetretene Abonnenten erhalten den An ' fang der Erzählung „Der Mefchores", von Potapenko, auf Verlangen gratis und den Anfang der Erzählung »Säen u. Ernten*, von Dr. Lehmann, gegen Zahlung von Mk. I. nachgeliefert. Die Exp, des „Israelit.“ Gesucht Eine perfekte zuverlässire Köchin zum 1. April. (71) Siegmnnd Meyerstein, Hannover, Sedanstr. 13.

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