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Der Israelit · 1898-01-20 · Heft 6 (20.1.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 6 (20.1.1898)
Date
1898-01-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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100 stellungen haben. An Stelle der ihnen streitig gemachten nationalen Zugehörigkeit zu dem Volke, in dessen Mitte sie leben, entdeckten sie plötzlich ihre jüdische Nationalität, und was im Munde ihrer Verächter als Schimpfname galt und bisher auch leider in manchen israelitischen Kreisen als solcher gegolten hatte, wurde als Ehrenname stolz in Anspruch genommen, und Mutter Zion, die so lange verlassene, vergessene, verkannte, verhöhnte, ja verfolgte, ihr Name wurde plötzlich der Sammelpunkt weiter Kreise, die die hehre Mutter bisher verleugnet hatten! Sollen wir als Stammesgenoffen uns dieser Wandlung, dieser Erhebung unserer Brüder nicht freuen? Dazu kommen jene Bestrebungen, die auch im Kreise der gesetzestreuen Juden, insbesondere Rußlands, dem Zionismus reiche Sympathien erworben haben. Wenn es gilt, unzähligen unserer im tiefsten Elend, unter dem zermürbenden Drucke entsetzlichster Noth schmachtenden Brüder in Rußland, Galizien und Rumänien eine Heimstätte zu gewinnen, wo sie, geschützt vor Verfolgung und Bedrückung, geschützt auch nicht minder vor jeglicher Behinderung in der treuen Erfüllung des überlieferten Gottesgesetzes, durch ihrer Hände fleißige Arbeit sich selbstständig, ich meine ökonomisch selbstständig machen und sich und die Ihrigen sei es durch Bestellung des Bodens, sei es durch gewerbliche und geschäftliche Thätigkeit redlich ernähren können, und nun behauptet wird, daß dazu im Lande unserer Bestimmung die Bedingungen am leichtesten und sichersten zu beschaffen seien: so wird dieser Zweig der Bestrebungen des Zionismus sicher überall auf die wärmsten Sympathien rechnen dürfen. Nur aus diesem Grunde und unter diesem Gesichtspunkte werden verehrungswürdige Führer unserer jüdischen Brüder im europäischen Osten, wie im transatlantischen Westen, — wohin ja auch bereits eine so große Zahl unserer russischen Brüder den wandernden Fuß gesetzt hat, um leider dort der größten materiellen und geistigen Noth preisgegeben zu sein — dieser Seite der zionistischen Bestrebungen mit vollstem Rechte ein so warmes Interesse zuwenden und mit solcher Entschiedenheit für sie eintreten._(Schluß folgt.) Zeitung-nachrichte« und Correspondenzen: Deutschland. B. Berlin Wie stark noch immer die antisemitischen Parteien arbeiten, davon hat man gewöhnlich in jüdischen Kreisen gar keine Vorstellung. Weil die eigentlichen Radauversammlungen in Berlin und einigen anderen großen Städten aufgehört haben, so glauben viele, der Antisemitismus sei todt. Wir fürchten sehr, daß diese unverbesserlichen Optimisten bei den Wahlen recht unangenehme Ueberraschungen erleben werden. Ein Bild von der Stärke der judenfeindlichen Agitation, die ungestört im Kleinen, besonders auf dem Lande und in kleinen Provinzialstädten arbeitet, erhält man, wenn man in Betracht zieht, daß im Laufe des Jahres 1897 die deutschsociale Reformpartei, also die eigentliche officielle Partei nicht weniger als 724 Versammlungen veranstaltet hat, in denen 41 Redner ihre judenfeindlichen Theorien zum Besten gegeben haben. Man denke, was dies bedeutet, keine andere politische Partei, die Socialdemokraten vielleicht ausgenommen, wird auf eine derartige Leistung Hinweisen können. Wir können uns nicht darüber täuschen, daß eine solche Arbeit nicht umsonst angewendet ist. Was in 724 Versammlungen dem deutschen Volke an Beschimpfungen unserer Religion, unserer Gebräuche, unseres Stammes rc. vorgetragen worden ist, ist sicher an manchen Stellen haften geblieben und der dadurch angerichtete Schaden ein sehr bedeutender. Dabei ist dies noch nicht einmal alles, denn die nicht officiellen Antisemiten, die Ahlwardt, Mosch, Wengg und Consorten sind nicht weniger rührig gewesen, und wir werden uns kaum irren, wenn wir annehmen, daß diese Outsider die gleiche Anzahl von Versammlungen abgehalten haben, so daß wir mit 1500 Versammlungen rechnen müssen, in denen das Gift des Judenhasses dem Volke mundgerecht gemacht worden ist. Wie viele Versammlungen haben dagegen die zahlreichen Abwehr-Vereine abgehalten? Vielleicht dienen diese Zeilen dazu, daß hierüber auch eine kleine Statistik an die Oeffentlichkeit gelangt. Die obigen 724 vertheilen sich auf folgende Provinzen: Berlin und Brandenburg 175, Posen 3, Schlesien 24, Provinz Sachsen 39, Pommern 16, Schleswig - Holstein 31, Hannover 20, Königreich Sachsen 86, Baden 82, Hessen 116, Thüringen 55, diverse 76. Von den antisemitischen Rednern erreichte den Rekord Böckler mit 88 Versammlungen, ihm am nächsten kommen Bindewald mit 87, Werner mit 65, Liebermann mit 58. Möchten diese Zahlen dazu dienen, daß wir uns keiner Selbsttäuschung hingeben über die Gefahr der antisemitischen Hetze. Hamburg, 17. Jan. Mit der Jahresneige fand die Gesammtneuwahl des Repräsentanten-Collegiums der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, sowie theilweise Neuwahl zum Delegirten - Collegium des Synagogen-Verbandes statt. Bei ersterer war die Betheiligung eine relativ geringere als bei der letzteren und wurden zu Repräsentanten auf drei Jahre die Herren Jacob Alexander, Hertz Bachrach, Marcus Beith, Julius Hirschmann, Alfred Levy, Henri Lion, Abr. Lewandowsky, Jacob Mendel, N. R. Meyer, S. M. Nathan, Jacob Reis, Ferdinand Seligmann, Emil v. Son, Gustav Tuch, Max Moritz Marburg gewählt, während in das Delegirten-Collegium des Synagogen-Verbandes die Herren Dr. S. P. Nathan, Js. Jacobsohn, Martin Mathiason und Joseph Ritter gewählt wurden. Von beiden Collegien

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