Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1898)
- Date
- 1898-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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86 über der Mission, warnt aber dringend vor ungesetzlichen Maßregeln; in dem zweiten schreibt die A. I. A. an Lord Salisbury den wahren Sachverhalt der Vorgänge in Jerusalem und betont da« Recht der Nothwehr der Juden gegenüber den Schlicken der Mission. Die Haltung der Anglo-Jewish-Association in dieser Angelegenheit verdient volle Anerkennung.? London. Unsere Presse bespricht die Bemühungen der Juden, in Cypern Kolonien zu errichten, sehr wohlwollend. Richtig ist, daß in diesem Eiland schon zwei Unternehmungen von Juden verunglückt sind, jedoch war die damalige Gesellschaft Ahawath Zion aus lauter Personen zusammengesetzt, welche von der Bodenbearbeitung nicht das Geringste verstanden, die Leute aber, welche gegenwärtig dorthin auszuwandern beabsichtigen, sollen alle schon etwas von Ackerbau verstehen und tüchtige Arbeiter sein. Die Regierung wird freilich nicht mit Geld, wohl aber mit Rath oder sonstiger Hilfe den Ansiedlern gern zur Seite stehen, vorausgesetzt, daß die Jewish Kolonisation Association die nöthigen Gelder bewilligt. Dieselbe hat neuerdings außer Mr. Walter Cohen von London auch Mr. Nugo aus Jaffa dorthin gesandt, um diese Frage zu studiren. P a l ä st i n a.? Jerusalem. Eine wichtige Nachricht ist in diesen Tagen hierhergelangt, der bekannte Protektor hat seine Administration angewiesen, wo nur irgend angängig, Juden als Arbeiter anzustellen, auch wenn ihr Tagelohn ein höherer ist, als der der Fellachen, er ist willens, diese Differenz zu tragen, die zum Theil wieder einkommt durch die größere Leistung, zu der bei den meisten Arbeiten die Juden vermöge ihrer höheren Intelligenz befähigt sind. — Wie nöthig das neue Hospital in Jerusalem ist, geht unter anderem aus den folgenden Ziffern hervor: In den 9 Monaten, vom März bis November dieses Jahres, hat allein der vom Central-Komitee zur Errichtung eines großen jüdischen Krankenhauses zu Jerusalem (Sitz in Frankfurt a. M.) angestellte Arzt Dr. Wallach in seiner Armenpraxis 30,396 Kranke behandelt und 30l9 Besuche gemacht. Unter den Kranken waren 87 Kinder, welche von Diphterie befallen wurden; dieselben wurden mit Serum behandelt und 73, gleich 84 pCt. genasen, während sonst die Sterblichkeitquote viel höher war. Unter diesen Fällen waren 39 mit Larynx-Dyphterie, von denen 26 wieder gesund wurden, während diese Erkrankung in früheren Jahren fast immer tödtlich verlief. Das neue Hospital mit seinen 45 Betten wird wesentlich zur Besserung der sanitären Verhältnisse bei den Juden in Jerusalem beitragen. Literarische Notiz. Die geplante jhebräische, wissenschaftliche und litterarische Zeitschrift „HoaphMm banegev" wird 5 voraussichtlich, da noch Verhandlungen mit einer Verlagsgesellschaft bezüglich Uebernahme der Administration in der Schwebe sind, erst mit dem zweiten Quartal d. jJ. erscheinen können. Es werden daher vorläufig keine Abonnements entgegengenommen. vermischtes. Berlin- Ein Alter von 103 Jahren hat kürzlich die Wittwe Ricke Pinkus, die in der Koblankstraßc wohnt, erreicht. Die Greisin, die erst vor wenigen Jahren einen schweren Unfall erlitten hat, bei dem sie überfahren wurde, ist vcrhältnißmäßig noch recht rüstig. Feuilleton. —Der Uleschores. Von I. Potapenko. Autorisirte Uebersetzung aus dem Russischen von 8. Murachina. H) sAlle Rechte Vorbehalte,r.j „Q dieser Izka! . . . Sieh mal, was er da für gemeine Lügen ausgedacht hat! . . . Ich soll geflickte Hemde itnd zerrissene Strümpfe tragen?! Weiter kann die Unverschämtheit doch nicht gehen. Run, danke, daß Du mir das gesagt hast. Du kannst jetzt gehen." „Ich diene ehrlich und treu," wiederholte Boruch sein Stichwort, das ihn zum Ziele führen sollte. „Ach, ich habe ja gar nichts mehr nöthig . . . Sei doch nicht so klebrig, Boruch! . . . Mach, daß Du fortkvmmst!" „Ich kann Alles thun, was die gnädige Frau Qbristin befiehlt," stammelte Boruch verzweiflungsvoll. Er fühlte, daß fein so schlau angelegter Plan ihm keinen Nutzen bringen würde, und das machte ihn ganz wahnsinnig. „Scher Dich hinaus!" schrie die aufgebrachte Qbristin. „Ich will nichts mehr mit Euch zu thun haben!" Boruch verzog das Gesicht in weinerliche Falten und ging schweigend hinaus und da begann er im Korridor auf und ab zu laufen, als ob er von einer unsichtbaren Macht hin- und hergehetzt würde. Izka war wirklich tief erschüttert, als er seine Bemerkung über Boruch aussprach. Die Qbristin gab weiter keine AchtZdarauf; vielleicht bemerkte sie es gar nicht,, oder hielt es für Heuchelei. Gewiß das Letztere, denn sie sagte: „Ah! Jetzt ziehst Du andere Seiten auf? . . Pfui,